Schädlingsbekämpfung: Möglichkeiten und Risiken beim Kampf gegen Ungeziefer

Schädlingsbekämpfer
  • Schädlinge sind sowohl Pilze als auch tierische Organismen, die Vorräte, Kleider und ähnliches befallen.
  • Dabei werden sie unterteilt in Materialschädlinge, Vorratsschädlinge, Gesundheitsschädlinge und Lästlinge.
  • Die Schädlingsbekämpfung kann auf verschiedenen Wegen erfolgen. Es stehen chemische, biologische, physische oder physikalische Bekämpfungsmethoden zur Verfügung.

Wenn es in der Vorratskammer raschelt und krabbelt, die Klamotten unerklärliche Löcher aufweisen oder sich eine Ameisenstraße vom Garten ins Haus oder  die Wohnung bildet, dann haben Sie es mit ungebetenen Gästen zu tun.  Zu den Unannehmlichkeiten kommt oft noch die Scham. Dabei sind Ungeziefer und Schädlinge oft gar nicht das Resultat von unhygienischen Zuständen. Meist sind es unbeachtete Kleinigkeiten oder es ist schlicht und ergreifend Zufall, dass es Sie getroffen hat.

Jetzt ist schnelles Handeln gefragt, um den Befall einzudämmen. Allerdings nicht blindlings. Denn bei der Schädlingsbekämpfung gibt es verschiedene Verordnungen sowie gesetzliche Regelungen. In unserem Ratgeber zeigen wir Ihnen alle Aspekte, die es bei der Schädlingsbekämpfung zu beachten gilt. Dabei erklären wir die möglichen Bekämpfungsarten und wie Sie einem Schädlingsbefall in Zukunft vorbeugen können.

1. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Schädlingsbekämpfung

Tote Schaben / Kakerlaken

Schaben ernähren sich unter anderem von Küchenabfällen.

Wenn Tiere, Mikroorganismen oder Pflanzen in den Wohn- und Lebensbereich des Menschen vordringen, kann das schwerwiegende Folgen haben. Sie können Krankheiten bei Menschen, Tieren und Nutzpflanzen verursachen. Sind wirtschaftliche Güter oder Vorräte betroffen, können sie große Schäden anrichten.

Deswegen sollten Sie einem Befall so weit wie möglich vorbeugen. Kommt es doch zu einem Befall, ist es für eine effektive Schädlingsbekämpfung wichtig, zunächst die Ursache herauszufinden. Viele Schädlinge müssen nicht vernichtet werden, sondern können mit Hausmitteln aus Ihrer Wohnung beziehungsweise Ihrem Garten vertrieben werden. Falls Sie trotz allem zu chemischen oder physikalischen Mitteln greifen müssen gilt es, möglichst wenig Wirkstoffe gezielt einzusetzen. In der folgenden Tabelle finden Sie eine Übersicht typischer Schädlinge:

Schädlingsart Vertreter
Vorratsschädlinge Mäuse, Ratten, Schaben, Motten, Käfer
Materialschädlinge Termiten, Nagekäfer, Pilze, Larven
Gesundheitsschädlinge Stechmücken, Flöhe, Zecken, Milben, Läuse, Schaben
Lästlinge Asseln, Silberfische, Tauben, Ameisen, Spinnen

1.1. Physische Schädlingsbekämpfung

Die physischen Methoden der Schädlingsbekämpfung sind komplett giftfrei. Zu ihnen zählen insbesondere Fallen für Nager. Neben der klassischen Mausefalle, welche die Tiere tötet, was nicht immer erwünscht oder erlaubt ist, sind im Handel auch zahlreiche Lebendfallen zu erwerben. Auch Spikes auf Dächern, die in der Regel der Taubenabwehr dienen, zählen zu den physischen Bekämpfungsmitteln.

1.2. Biologische Ungezieferbekämpfung

Nützlinge, also bestimmte Organismen und Tiere, werden bei der biologischen Bekämpfung der Schädlinge eingesetzt. Sie sind Räuber, Krankheitserreger oder Parasiten der schädlichen Organismen. Dabei handelt es sich um Insekten, Pilze, Viren, Bakterien und Tiere. Je nach Art ist der Einsatz zuhause nicht empfehlenswert. Beispiele für die Anwendung im privatem Haushalt oder Garten sind Katzen, zur Bekämpfung von Nagern, Schlupfwespen zur Bekämpfung von Insekten sowie Marienkäfer zur Bekämpfung von Blattläusen. Andere biologische Bekämpfungsarten werden vornehmlich in der Landwirtschaft verwendet.

1.3. Biotechnisch-physikalische Schädlingsbekämpfung

Schädlingsbekämpfung Ratgeber

Ameisenstraßen lassen sich durch Gerüche, welche Ameisen nicht mögen, stoppen.

Zur biotechnisch physikalischen Schädlingsbekämpfung zählen überwiegend Fallen mit Lockmitteln. Dies kann im Falle von Mücken und Fliegen Licht sein. Bei Dörrobstmotten und Kakerlaken werden hingegen Klebefallen mit natürlichen Duftstoffen verwendet. Diese müssen zu einer erfolgreichen Bekämpfung des Befalls mehrere Monate lang angewendet werden. Mit thermischen Verfahren, wie der Wärmeentwesung wird ein befallener Raum oder Gegenstand auf mindestens 42°C erhitzt um Milben, Motten, Käfer, deren Larven und Puppen abzutöten. Zudem gibt es giftfreie Puder oder Gele, mit welchen beispielsweise Bettwanzen ausgetrocknet werden können. Auch Hausmittel wie eine Essig-Spüli-Falle für Lebensmittelmotten oder Backpulver zum Unterbrechen einer Ameisenstraße zählen zur biotechnisch-physikalischen Schädlingsbekämpfung.

1.4. Chemische Schädlingsbekämpfung

Zur chemischen Schädlingsbekämpfung werden Insektizide gegen Insekten, Rodentizide gegen Nagetiere, Larvizide gegen die Larven  werden Akarizide gegen Milben und sonstige Spinnentiere verwendet. Chemische Schädlingsbekämpfung sollte stets die letzte Wahl sein und nach Möglichkeit fachkundig angewendet werden. So kann eine unnötig häufige Anwendung der Gifte Resistenzen bei den Schädlingen hervorrufen.

Generell sollten bei einer Innenanwendung keine unnötig hohen Mengen an Gift verwendet werden und die Räume gut durchgelüftet werden, da die Chemikalien unter Umständen auch für Menschen oder Haustiere schädlich sind. Dies liegt auch daran, dass viele der in Deutschland verkauften Gifte keine hinreichenden Prüfungs- und Zulassungsverfahren durchlaufen haben. Flächendeckende Verfahren gibt es in der EU erst ab 2024.

Tipp: In manchen Fällen ist es ratsam, die Schädlingsbekämpfung einem Fachmann zu überlassen. Wenn Sie sich unsicher sind, um welchen Schädling es sich handelt, Ihre Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg zeigen oder ein starker Befall mit risikoreichem Ungeziefer vorliegt, holen Sie sich Hilfe.

2. Bei der Schädlingsbekämpfung müssen Sie einige Gesetze beachten

Handelt es sich um ein Säugetier, wie zum Beispiel einen Marder, welches für Schäden in Haus und Hof verantwortlich ist, dürfen Sie es nicht einfach töten. Wenn überhaupt, ist das nur fachkundigen Personen erlaubt, die bestimmten Auflagen unterliegen. Die Regelungen dazu finden Sie im Tierschutzgesetz, der Bundesartenschutzverordnung und dem Bundesnaturschutzgesetz.

Klebefalle Schädlingsbekämpfung

Zur Bekämpfung von Lebensmittelmotten werden Pheromonfallen eingesetzt.

Der Befall mit bestimmten Schädlingen ist meldepflichtig. Den Befall vom Hausbock, ein Holzschädling der ganze Häuser beschädigen kann, müssen Sie beispielsweise bundesweit melden. Das dazugehörige Gesetz ist in den Bauordnungen verankert. Haben Sie Kinder, muss eine Meldung des Befalls mit Kopfläusen im Kindergarten oder in der Schule erfolgen.

Je nachdem, wo der Befall stattfindet, regeln unterschiedliche Gesetze die Meldepflicht. Informieren Sie sich im Falle eines Befalls am besten online auf der Seite Ihrer Gemeinde oder Ihres Bundeslandes. Außerdem sind Sie gesetzlich dazu verpflichtet, gegen manches Ungeziefer vorzugehen. Demzufolge existiert beispielsweise eine Rattenbekämpfungsverordnung für Niedersachsen.

Tipp: Für Privatpersonen ist es fast unmöglich, sich in dem Dschungel aus Vorschriften und Verordnungen zurechtzufinden. Wir empfehlen Ihnen deshalb, sich beraten zu lassen. Sie können sich an Ihre Gemeinde wenden oder an eine zuständige Behörde, wie dem Gesundheitsamt.

3. Der richtige Umgang mit Lebensmitteln kann einem Befall vorbeugen

Das beste Mittel im Kampf gegen Ungezieferbefall ist die Vorbeugung. Erfahrungen zeigen, dass es ganz einfach ist, sich die ungeliebten Gäste vom Hals zu halten, wenn Sie einige Tipps und Tricks im Alltag beherzigen.

3.1. Umgang mit Müll

  • Entsorgen Sie Küchenabfälle/Bio-Müll umgehend. Das gilt auch für Speisereste.
  • Beachten Sie die Vorschriften Ihrer Gemeinde zum Thema Müllsortierung, insbesondere wie Sie mit Fleisch- und Fischresten verfahren sollen.
  • Komposthaufen stellen ein Schlaraffenland für Ungeziefer und Schädlinge dar. Deshalb beachten Sie die Empfehlungen, was Sie kompostieren können und was nicht. Besonders bei Essensresten ist Vorsicht geboten!
  • Reinigen Sie Abfalleimer und Mülltonnen regelmäßig. Somit befreien Sie diese von Schmierspuren und Anhaftungen, die Ungeziefer anlocken könnten.

3.2. Umgang mit Lebensmitteln

  • Räumen Sie kühlpflichtige Lebensmittel zur Abwendung von Gefahren sofort in den Kühlschrank ein. Lassen Sie dabei die Kühlschranktür nicht länger offen stehen. Reinigen Sie den Kühlschrank mindestens einmal im Monat.
  • Bewahren Sie Lebensmittel, die außerhalb des Kühlschranks lagerbar sind, gut verschlossen auf. Füllen Sie Zucker, Nudeln, Reis und ähnliches gleich in ein Vorratsglas mit Schraubverschluss ab.
  • Besonders in der Küche ist ein gutes Raumklima wichtig. Lüften Sie regelmäßig!
  • Achten Sie auf Sauberkeit auch in den entlegenen Winkeln. Kekskrümel, Zuckerstreusel und ähnliche Hinterlassenschaften sind ein gefundenes Fressen für Ungeziefer.

4. Häufig gestellte Fragen zum Thema Schädlingsbekämpfung

Was kostet Schädlingsbekämpfung?

Die Kosten hängen davon ab, wie aufwändig die Maßnahmen ausfallen. Sie reichen von einigen wenigen Euros für eine Mausefalle, Ungezieferspray oder Pulver. Allerdings können auch leicht hundert Euro und mehr anfallen, wenn ein Kammerjäger unabdingbar ist. Die Kosten für den Schädlingsbekämpfer setzen sich zusammen aus Stundenlohn, Anfahrt und benötigten Material. In hartnäckigen Fällen sind mehrere Behandlungen nötig.

Wer zahlt die Schädlingsbekämpfung?
Fachmann für Schädlingsbekämpfung

Schädlingsbekämpfung sollte man in hartnäckigen Fällen vom Fachmann ausführen lassen.

Wer zur Miete wohnt, fragt sich berechtigterweise, wer im Ernstfall den Einsatz zur Schädlingsbekämpfung zahlt. Dazu Gesetzgeber sieht vor, regelmäßig durchgeführte, kleinere Maßnahmen auf den Mieter umzulegen. Einmalige Einsätze, beispielsweise wegen einem Wespennest oder einer Rattenplage, sind vom Vermieter zu finanzieren.

Ausnahme: Ist der Ungezieferbefall vom Mieter verursacht, hat der auch die Kosten zu tragen. Das muss der Vermieter allerdings nachweisen. Kann er das nicht, bleibt er auf den Kosten sitzen. Beachten Sie aber, dass Sie unbedingt den Vermieter informieren, bevor Sie irgendwelche Maßnahmen einleiten.

 

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