Ratte – der intelligente Nager als Haustier

ratte
  • Ratten wurden erst im 20. Jahrhundert als Haustiere interessant.
  • Die Ratte ist ein Rudeltier. Daher sollten Sie immer mehrere Ratten gleichzeitig halten.
  • Die Farbratte ist das beliebteste Haustier unter den Ratten. Sie wird schnell zutraulich.

Die Ratte scheidet die Geister: Manche Menschen ekeln sich vor Ratten, weil ihnen so viele negative Dinge anhängen. Sie sind als Nahrungsschädlinge bekannt und als Überträger von Krankheiten. Doch die zahmen Farbratten sind intelligente Tiere, die eine große Anhänglichkeit an ihre Besitzer entwickeln können.

Möchten Sie mehr über Ratten als Haustiere erfahren, geben wir Ihnen hier Informationen zu ihrem Wesen, ihrer Haltung und ihrer Anschaffung.

1. Farbratten werden als Haustiere gehalten

Die Farbratten, die sich als Haustiere eignen, werden erst seit dem letzten Jahrhundert gezüchtet. Sie können viele verschiedene Farben tragen, Schwarz, Weiß, Grau, Braun oder gefleckt. Das Interesse an den Tieren kam erstmals durch Schausteller auf.

1.1. Vom Schädling zum Star

weiße ratten weiße tasche

Die possierlichen Albino-Ratten fanden beim Publikum großen Anklang.

Schausteller entdeckten Anfang des 20. Jahrhunderts Albinoratten für sich: Sie waren mit ihrem weißen Fell und den roten Augen ein echter Hingucker. Darüber hinaus erwiesen sie sich als intelligent und gelehrig.

Bereitwillig führten sie kleine Kunststücke vor und nehmen den Zuschauern so einen Teil des Ekels, der den Schädlingen sonst entgegenschlug. Bei näherer Betrachtung wurden die putzigen Nager den meisten Menschen sogar sympathisch.

1.2. Farbratten stammen von Wanderratten ab

Sobald die Nachfrage da war, wurden Ratten als Haustiere gezüchtet. Die Farbratten, wie wir sie heute kennen, stammen von der Wanderratte (Rattus norvegicus) ab. Sie werden rund 22 bis 26 Zentimeter lang. Ihr charakteristischer nackter Schwanz misst auch noch einmal etwa 20 Zentimeter. In den meisten Fällen sind Männchen etwas größer als Weibchen. Die Tiere können zwischen 200 und 500 Gramm wiegen. Sie werden etwa zwei bis drei Jahre alt – ungefähr so wie Mäuse auch.

2. Die Ratte ist klug, neugierig und gesellig

Wenn Sie Ratten halten möchten, sollten Sie wissen, dass es sich um sehr intelligente und neugierige Tiere handelt. Immer wieder klagen Menschen, die sich die Nager erstmals zulegen, über Ausbrüche einer Ratte aus einem scheinbar sicheren Käfig. Ratten knabbern an allem, was sie in die Pfoten bekommen, und erkunden ihr Territorium genau.

graue ratte wird gestreichelt

Eine zahme Ratte kuschelt gern mit ihrem Besitzer – und mit ihren Artgenossen.

Die Nager kuscheln, rennen und spielen viel miteinander, finden aber auch Menschen nicht uninteressant: Oft gehen Ratten als Haustiere sehr schnell offen und neugierig mit ihrem Besitzer um.

Viele von ihnen lassen sich bereitwillig aufheben (Achtung: nicht am Schwanz!) und kuscheln gern. Dabei müssen Sie keine Bedenken haben, dass die Tiere nicht reinlich sind: Die Ratte putzt und wäscht sich mindestens ebenso viel wie die Katze, die uns von den Haustieren als Inbegriff der Reinlichkeit bekannt ist.

Achtung: Wenn eine Ratte signalisiert, dass sie in Ruhe gelassen werden möchte, sollten Sie das respektieren. Andernfalls kann das Tier schmerzhaft zubeißen.

3. Die Haltung der Ratte ist unkompliziert

Ratten als Haustiere sind nicht besonders anspruchsvoll, aber Sie müssen sich schon mit ihnen auseinandersetzen. Sie brauchen einen genügend großen Käfig mit einer spannenden Einrichtung.

Viel wichtiger aber sind Artgenossen: Eine Ratte darf nie allein gehalten werden, sie ist ein Rudeltier. Ein Rudel beginnt ab drei Tieren, vier sind noch besser. Außerdem brauchen die Tiere ausreichend Auslauf und die richtige Nahrung.

3.1. Halten Sie nie geschlechtsreife Männchen und Weibchen zusammen

Viel Nachwuchs

Ein einziges Rattenpaar kann es pro Jahr auf etwa 500 bis 800 Rattenbabys bringen. Eine Kastration ist daher dringend angeraten!

Ratten vermehren sich sehr schnell. Sie sind bereits in einem Alter von vier bis sechs Wochen geschlechtsreif und haben eine Tragezeit von etwa 21 bis 24 Tagen. Da sie pro Wurf bis zu zwanzig Junge bekommen können, wird es ziemlich schnell eng im Käfig.

Kaufen Sie daher nur gleichgeschlechtliche Tiere, wenn Sie Ratten halten möchten, oder lassen Sie die Männchen kastrieren.

3.2. Der Käfig bietet Platz und Abwechslung

Idealerweise steht der Käfig der Tiere an einem ruhigen Ort ohne Zugluft und direkte Sonneneinstrahlung. Die Größe der Käfige, die im Tierhandel für Ratten angeboten werden, ist häufig nicht ausreichend. Möchten Sie vier Tiere halten, sollte der Käfig (oder die Nagetier-Voliere) mindestens 60 x 100 x 180 Zentimeter groß sein.

Manche Menschen bauen ihn am liebsten selbst. Fügen Sie Zwischenböden aus Holz und kleine Leitern ein, über die die Tiere von einer Etage zur anderen klettern können.

Tipp: Die Gitterstäbe des Käfigs sollten nicht mehr als einen Zentimeter voneinander entfernt sein: Ratten sind Ausbrecherkönige.

ratte sitzt auf käfig

Damit sich die Ratte nicht nur auf dem Käfig, sondern auch darin wohlfühlt, muss er groß und spannend eingerichtet sein.

Klettern ist ein gutes Stichwort: Die Ratte klettert für ihr Leben gern. Kleine Brücken, Hängematten und Pappröhren sind gern genutzte Spielzeuge, ebenso ein Seil, das Sie durch den Käfig spannen.

Geben Sie den Tieren außerdem Äste zum Knabbern. Geeignet sind ungiftige Holzarten wie Linde, Weide, Ahorn und Buche oder Haselnuss, Apfel, Birne und Kirsche. Auch mit einem Laufrad können sie sich gut beschäftigen, allerdings sollte es einen Durchmesser von mindestens 40 Zentimetern haben.

Den Boden bedecken Sie großzügig mit Einfüllstreu oder einem Hanfteppich, den Sie bei der ein- bis zweimal wöchentlich anstehenden Reinigung leicht auswechseln können. Entscheiden Sie sich für einen Hanfteppich, sollten Sie eine Buddelecke einrichten, damit die Tiere graben können. Weiterhin braucht die Ratte ein Häuschen, in dem sie schlafen kann, und etwas Küchenpapier oder Holzwolle, um sich darin ein weiches Nest zu bauen. Als Tränke ist eine Flasche geeignet, die an den Gitterstäben befestigt wird.

Achtung: Gegenstände aus Plastik haben nichts im Rattenkäfig zu suchen! Die Tiere knabbern an allem und verschlucken kleine Partikel.

3.3. Ratten lieben Freilauf

ratte labyrinth käse

Geschicklichkeitsspiele mag die Ratte – vor allem, wenn es eine kleine Belohnung gibt.

In einem großen, interessanten Käfig gefällt es der Ratte ziemlich gut. Trotzdem sollten Sie sie ab und zu aus dem Käfig herauslassen. Ideal ist ein Freilauf am Tag. Wenn Sie sich Ratten als Haustiere zulegen, sollten Sie darauf achten, dass sie keine giftigen Zimmerpflanzen und auch keine ungeschützten Steckdosen oder Stromkabel erreichen können.

Stattdessen können Sie ihnen in einem begrenzten Areal spannende Aufgaben stellen, etwa Leckerlis verstecken oder einen Irrgarten aufbauen. Daran haben die Tiere ihre Freude.

Tipp: Idealerweise finden die Freiläufe nicht auf dem Teppich statt: Häufig verlieren die Tiere bei dieser Gelegenheit Kot und Urin.

3.4. Gesunde Ernährung ist wichtig für ein langes Leben

Ratten werden selten krank. Damit sie aber ihre volle Lebenserwartung von bis zu drei Jahren ausschöpfen können, sollten Sie sie gesund füttern. Hochwertiges Rattenfutter besteht aus

  • Getreide
  • Kräutern
  • Kernen
  • Nüssen
  • getrocknetem Gemüse

Achten Sie darauf, dass weder Zucker noch Farbstoffe enthalten sind. Geben Sie Ihren kleinen Vierbeinern außerdem ab und zu frische Keime und als gesunden Snack etwas Trockenobst. Von den Snacks im Tierhandel sehen Sie lieber ab, da sie Zucker enthalten.

ratte napf fressen

Wenn die Ratte ausgewogen ernährt wird, bleibt sie gesund und lebhaft.

Ein gestrichener Teelöffel von Joghurt pro Woche ist gut für den Eiweißhaushalt der Tiere. Sie können aber auch kleine Stücke gekochtes Ei oder selten lebende Maden verfüttern. Letztere bitte nur aus der Hand, sodass Sie feststellen können, ob sie wirklich aufgefressen wurden! Frisches Gemüse sowie gut verträgliche Blätter und Gräser runden den Speiseplan ab. Gemüsereste sollten Sie schnell entfernen, ehe sie zu gammeln beginnen.

Eigentlich neigen Ratten nicht zu vielen Krankheiten. Steht ihr Käfig im Zug, kann es zu Erkältungen kommen. Bei älteren Tieren treten aber relativ häufig Tumore auf. Das ist der Tatsache geschuldet, dass die meisten Arten in freier Wildbahn gar nicht erst so alt werden.

4. Die Ratte eignet sich für verschiedene Haushalte

Da die Ratte wie viele andere Nagetiere auch vor allem in der Dämmerung und in der Nacht aktiv wird, eignet sie sich gut für berufstätige Menschen, die abends Zeit mit den Tieren verbringen möchten. Allerdings passen sich Ratten häufig auch an den Tagesablauf im Haushalt an: Wird es lebhaft, kommen sie oft aus der Schlafhöhle, um zu gucken, was vor sich geht.

Für kleine Kinder sind die Tiere nicht gut geeignet: Sie sind häufig noch zu ungestüm und handeln sich daher rasch einen Rattenbiss ein. Erst ab einem Alter von etwa zehn Jahren können Kinder sich selbst um die Pflege der Ratten kümmern – vorausgesetzt, jemand erklärt ihnen alle Schritte und ist jederzeit bereit, helfend zur Seite zu eilen.

5. Es gibt mehrere Möglichkeiten Ratten als Haustiere zu kaufen

zwei ratten kuscheln

Ratten leben in Rudeln und sollten nie allein gekauft werden.

Grundsätzlich können Sie eine Ratte im nächsten Tierhandel kaufen: Die Kosten liegen hier etwa zwischen acht und höchstens 20 Euro. Die Tiere kommen vom Züchter und sind zumeist gesund, werden aber oft auch als Futtertiere verkauft.

Hinzu kommt, dass die Mitarbeiter Ihnen je nach Güte ihrer Schulung möglicherweise Männchen und Weibchen gemischt verkaufen, ohne es zu erkennen.

Es besteht immer auch die Möglichkeit, dass Sie sich im Tierheim umschauen. Ratten sind weniger leicht zu vermitteln als Hunde oder Katzen, und möglicherweise finden Sie hier mehrere Tiere, die sich bereits kennen. Die Gebühr für eine Ratte beträgt meist nur etwa fünf bis zehn Euro.

Achtung: Eine neue Ratte zu Ihren Tieren zu setzen, die sich bereits kennen, kann sehr problematisch sein – oft wird der Neuling gnadenlos attackiert.

Es gibt mehrere Züchtervereine, die sich selbst zusammengefunden haben. Grundsätzlich müssen Sie bei keinem Züchter lange darauf warten, ein Ihnen versprochenes Tier abholen zu können: Rattenbabys sind nur etwa bis zum dritten Tage nackte, blinde Würmchen. Schon nach drei Wochen haben sie ihr vollständiges Fellkleid und sind quirlig und aktiv.

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