Flöhe: So können Sie die Parasiten bei Mensch und Tier bekämpfen

  • Flöhe sind Ektoparasiten, die sich vom menschlichen und tierischen Blut ernähren.
  • Durch den Stich können Flöhe bestimmte Krankheitserreger auf Menschen und Tiere übertragen.
  • Es ist mitunter sehr schwierig starken Flohbefall in der Wohnung loszuwerden.

Flöhe sind Urtiere, die die Menschheit und Tierwelt seit alters her begleiten. Der älteste Flohfund – ein Tier von 2 cm Größe – kommt aus China und ist ca. 200 Millionen Jahre alt. Flöhe sind echte Plagegeister, die sich rasend schnell vermehren und Krankheiten übertragen können.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, was Sie über Flöhe wissen sollten, um einem Befall rechtzeitig vorzubeugen oder wie Sie vorhandene Flöhe loswerden. Videos und Tipps zur Prävention runden den Ratgeber ab.

1. Flöhe im Kurzportrait

Der Floh ist ein Winzling mit hochspezialisiertem Körper.

Der Floh (gr. Siphonaptera) gehört zu Klasse der Insekten, die sich parasitär vom tierischen und menschlichen Blut ernähren. Flöhe kommen in über 1600 Arten und 17 Familien vor. Allein in Europa sind 80 verschiedene Floharten bekannt. Je nach Art erreichen Flöhe eine Größe zwischen 1 und 6 mm. Übrigens, der größte europäische Floh mit 6 mm Körpergröße ist der Maulwurfsfloh (Hystrichopsylla talpae).

Ein erwachsener Floh ernährt sich täglich von kleinen Mengen Blut. Dabei kann er auf das 15- bis 20-fache seines ursprünglichen Gewichts anwachsen. Gleichwohl ist er auch ein großer Hungerkünstler und kommt zwischen zwei bis zwölf Monaten ohne eine Blutmahlzeit aus.

1.1. Flöhe sind optimal für ihre Lebensweise gebaut

Das Wunderwerk: Flohbein

Für das Hochschnellen des Flohs sorgt das sogenannte Resilinpolster, das in den Beinen des Insekts angelagert ist. Resilin ist ein Protein mit sehr hoher Elastizität. Vor dem Sprung wird das Protein wie die Sehne eines Bogens gedehnt und gibt dem Floh die notwendige Schnellgeschwindigkeit.

Der Floh ist ein flügelloser, sechsbeiniger Parasit. Seine Beine sind mit Zahnkämmen (Ctenidien) und Borsten bewachsen, die ihm einen guten Halt im Haarkleid des Wirts garantieren. Auffällig ist das hintere Beinpaar, das besonders lang und kräftig ist, und ihm zu den berühmt-berüchtigten Flohsprüngen verhilft.

Tatsächlich kann ein Floh bis zu einem Meter weit und ca. 30 bis 40 cm hoch springen. Allerdings sind seine Sprünge ungerichtet. Sein Körper ist seitlich abgeflacht, hart und glatt, was ihm das Vorwärtskommen im dichten Haarkleid erleichtert. Er verfügt über ein spezialisiertes Mundwerkzeug, das eine Kombination aus Stech- und Saugrohr ist.

Info: Der Flohkörper besteht aus Chitin, einem Polysaccharid zur Bildung von harten Zellwänden. Er schützt den Floh davor, zerdrückt zu werden. So lassen sich Flöhe eher zwischen den Fingernägeln zerknacken oder zerreiben.

2. Verschiedene Flöhe haben verschiedene Ziele

Ein spezieller Wirt ist den meisten untersuchten Floharten nicht so wichtig, wie sein Name es vermuten lässt. Der Floh bindet sich stärker an seine Brutstätte, wo er über Jahre bzw. Generationen verbleibt und nach Bedarf den Wirt wechselt. So sind beispielsweise Hundeflöhe äußerst selten auf Hunden in urbaner Tierhaltung (Stadt, Wohnung, Haus) und nur vereinzelt auf Hunden in ruraler Haltung (Land, Hofhaltung) gefunden worden. Menschen hingegen werden mittlerweile häufiger von Katzenflöhen als von Menschenflöhen befallen.

Floharten Äußeres Mögliche Risiken und Gefahren Vorkommen
Menschenfloh (Pulex irritans) ca. 2-3 mm, gelb-bräunlich Überträger der Pest, Fleckenfieber, selten Bandwürmer auf Menschen, Hunden, Katzen
Hundefloh (Ctenocephalides canis) ca. 2-4 mm, bräunlich keine bekannt auf Katzen und Menschen, aber selten auf Hunden!
Katzenfloh (Ctenocephalides felis) ca.1-3 mm, braun/rot-braun Gurkenkernbandwurm, feline infektiöse Anämie, Bartonella henselae („Katzenkrankeit“) auf Katzen, Menschen und Hunden
Rattenfloh (Xenopsylla cheopis) ca. 1-3 mm, bräunlich, ohne Kopfborsten Beulenpest, Mäusefleckenfieber auf Ratten, Nagetieren allgemein und Menschen

2.1. Wie kommt es zu Flöhen in den Haaren?

Tierische oder menschliche Haare bieten dem Floh natürlichen Schutz vor Feinden und garantieren eine ungestörte Blutmahlzeit. Mit ihren glatten, abgeplatteten Körpern sind Flöhe optimal für das Durchkommen zwischen den Haaren ausgerüstet. Ihre borstigen Beine garantieren einen guten Halt an den Haaren, weswegen sie nur schwer herauszukämmen sind.

Für seine Blutmahlzeit bevorzugt der Floh geschützte, weiche Körperstellen, wo er einfacher stechen kann. Dazu gehören mitunter die weiche Leistengegend, Rutenansatz, Nacken und Kopfbereich. Flohbisse, richtiger gesagt: Flohstiche sind an sich nur leicht schmerzhaft, doch verursachen an den Stichstellen unmittelbar danach einen starken, großräumigen Juckreiz.

Achtung: Behaarte Körperstellen des Wirts dienen dem Flohweibchen als Eiablage.

2.2. Flöhe werden oft über Eier übertragen

Nähert sich ein potentielles Opfer dem Floh, so erkennt er dieses ausschließlich am Geruch, an veränderten Licht- und Temperaturverhältnissen und Vibration. Erst dann kann der Floh den großen aber ungerichteten Sprung wagen. Aufgrund des eher unkontrollierten Sprunges ist dieser Wechsel für ihn riskant.

Die häufigere Übertragung geschieht über die Eiablage und Larven. Ein Flohweibchen legt ca. 20 bis 100 Eier pro Tag im Haarkleid des Wirts ab. Da die Eier trocken sind, fallen sie schnell aus den Haaren heraus, wo sie auf Teppichen, Polstern, Kissen, im Bett, oder draußen im Heu, Gras etc. liegen bleiben. Von hier aus können sie wieder von anderen Tieren aufgenommen werden.

Hätten Sie es gewußt? Nur 5 % der Flohpopulation lebt auf dem Tier. Die übrigen 95 % befinden sich im Lebensraum des Haustieres (Schlaf-, Ruheplätze, Sofas ets.) als Eier, Larven und erwachsene Flöhe.

Flohstiche können bei Mensch und Tier schmerzhaft sein.

Aus den Eiern schlüpfen je nach Umwelteinflüssen nach 1 bis 20 Tagen die Larven, die sich an feucht-warmen Stellen verstecken. Im Haus gehören dazu Polstermöbel, Matratzen, Teppiche und Ritzen. Die Larven durchlaufen ein Puppenstadium, bei dem sie sich in einen Kokon einspinnen, der sie sogar vor Insektiziden schützen kann, was die Flohbekämpfung so schwierig macht. In warmer Umgebung schlüpfen nach ca. 1 bis 2 Wochen aus den Puppen ausgewachsene Flöhe.

Info: Der frisch geschlüpfte Floh braucht anders als seine Puppe, die Monate ohne Nahrung auskommt, sofort eine Nahrungsquelle.

Die Hauptvermehrungszeit und Aktivität der Flöhe ist im Sommer, wo sie auch draußen vorkommen. Im Winter zieht es sie in die warmen Wohnbereiche.

2.3. Welche Risiken stecken hinter einem Flohbefall?

Durch einen Flohstich kann es zu Übertragung von Krankheitserregern kommen (siehe obere Tabelle), die für den Menschen und seine Haustiere gefährlich werden können. Menschen- und Rattenflöhe können Beulenpesterreger übertragen. Katzenflöhe, die sich gerne auf der Menschenkopfhaut aufhalten, können neben vielen katzenspezifischen Krankheiten auch Bandwürmer weitergeben. Bei Menschen und Tieren kommt es häufig zu bakteriellen Sekundärinfektionen, die durch das Aufkratzen der Stichstellen zustandekommen.

Alle Floharten können allergische Reaktionen verursachen. Dabei ist nicht der Floh selbst das Allergen, sondern sein Speichel, der beim Stich- und Saugvorgang abgegeben wird. An Flohspeichelallergie leidende Tiere quält ein unerträglicher Juckreiz, dem vor allem Hunde mit unaufhörlichem Kratzen, Beißen und Belecken der betroffenen Stellen beikommen möchten. Die Folge davon können sein: Haarausfall, Haarausdünnung, psychische Probleme (Futterverweigerung, Nervosität, Aggression), Sekundärinfektionen, Ekzeme.

Achtung: Nimmt ein Floh das 15- bis 20-fache seines Körpergewichts an Blut auf, so ergibt sich bei ca. 72 Flöhen 1 ml an täglichen Blutverlust. Bei Welpen von ca. 500 g Körpergewicht führen ca. 200 Flöhe zu einer lebensgefährlichen Schwächung des Tieres mit möglicher Todesfolge.

3. Den Flohbefall erkennt man durch den Kot

floehe sichtbar flohkamm

Mit einem Flohkamm wird der Flohkot sichtbar gemacht.

Ist die Flohpopulation noch gering, so wird es für Sie schwer sein, einen Floh zu Gesicht zu bekommen, denn die angepassten Parasiten verstecken sich erfolgreich im Haar und in den Hausritzen. Daher gibt es für Menschen und Haustiere sogenannte Flohkämme (fein gezahnte Kämme), die es ermöglichen, die Kopfhaare bzw. das Fell wortwörtlich zu durchforsten.

Beim Auskämmen wird sich vielleicht auch ein Floh verfangen, doch die Prozedur bringt vor allem den Flohkot zum Vorschein. Dabei handelt es sich um ausgeschiedene Blutreste einer Blutmahlzeit.

Tipp: Kämmen Sie das Fell Ihrer Tiere über einem weißen, befeuchteten Küchenkrepp aus. Sammeln sich dort schwarze „Pünktchen“, die durch die Feuchtigkeit rötlich-braun werden, dann haben Sie es garantiert mit einem Flohbefall zu tun.

In einigen Fällen erkennen Sie auf der Haut Ihres Haustieres rote Stichstellen, die sich zu Pusteln entwickeln können. Beim Menschen führen Flohstiche zu einer sogenannten „Flohstraße“, das heißt, hier sind mehrere Stiche neben- oder hintereinander angeordnet.

Häufige Symptome von Flöhen befallener Haustiere:

  • Plötzliches und häufiges Kratzen, Belecken und Knabbern (Hunde)
  • Verstärktes/unaufhörliches Putzen bei Katzen
  • Nervöses Verhalten
  • Untypische Aggression (Hunde)

4. Richtige Maßnahmen zur Flohbekämpfung: Prävention und Nachsorge

bekämpfen flöhe flohalsband

Bekämpfen Sie den Flohbefall mit einem Flohhalsband.

Das beste Mittel gegen Flöhe ist die konsequente Prävention. Sorgen Sie für trockene und reine Schlaf- und Ruheplätze Ihres Haustiers, indem sie Sie täglich ausklopfen und absaugen und monatlich nass reinigen.

Larven, Puppen aber auch Flöhe verstecken sich gerne im Bett sowie in Polstermöbeln, die Sie daher einer zweiwöchigen bis monatlichen Reinigung unterziehen sollten.

Spezielle Halsbänder mit repellierender Wirkung wehren Flöhe erfolgreich ab. Diese müssen allerdings ständig vom Tier getragen werden. Diese Halsbänder gibt es mit natürlichen Essenzen und Ölen als auch mit chemischen Insektiziden imprägniert.

Tipp: Entziehen Sie den Larven das feuchte Milieu mit neutralen Talkpulvern („Babypulver“), die Sie unter die Matratzen im Bett, Ritzen und Teppichecken regelmäßig streuen und nach einigen Tagen absaugen bzw. erneuern.

Welche Abwehrmittel Sie anwenden, hängt auch von der Exposition Ihres Tieres und den damit zusammenhängenden Risikofaktoren ab. Dazu lesen Sie hier die Empfehlungen von ESCCAP.

Achtung: Chemische Produkte, die Sie Ihrem Hund oder Ihrer Katze lokal auf die Haut auftragen (Spot-ons, Halsbänder) oder oral (Tabletten) verabreichen, sind zum großen Teil Nervengifte. Diese können das Immun- und das Nervensystem Ihres Haustieres schädigen. Wägen Sie das Pro und Contra Ihrem Tier zuliebe gut ab und besprechen Sie es im Zweifel mit dem Tierarzt.

Mehr Informationen zu natürlicher Flohabwehr gibt es hier.

4.1. Bei einem Flohbefall muss die Wohnung “flohfrei” werden

flöhe loswerden

Mit Anti-Floh-Shampoo töten Sie die erwachsenen Flöhe ab.

Bei einem Flohbefall müssen Sie nicht nur die erwachsenen Flöhe, sondern insbesondere die Eiablage und Larven beseitigen. Hält sich der Flohbefall in einem überschaubaren Rahmen, dann sollten Sie zunächst auf den Einsatz von chemischen Mitteln verzichten und zu natürlichen Hausmitteln gegen Flöhe greifen.
Dazu gehören:

  • Bierhefe (Pulver, Paste, Tabletten)
  • Zitronenspray
  • Rosmarinsud (Spray, Bad)
  • Kieselgur und feinkörniges Salz (für Teppiche und Bodenritzen)
  • Seifenlauge
  • Apfelessiglösung

Natürliche Insektizide beinhalten Öle aus Zitronen (Citronella), Pfefferminze, Rosmarin, Eukalyptus, Teebaum, Nehm oder Zedern. Chemische Insektizide bestehen vor allem aus Pyrethrin, Permethrin, Chlorpyrifin oder D-Limonen und Carbaryl.

Achtung: Zedern- und Teebaumöle nur stark verdünnt und mit großer Vorsicht anwenden, da sie die Haut des Hundes stark reizen können. Für Katzen sind sie giftig!

Zunächst müssen Sie alle abnehmbaren Schlafunterlagen und Bezüge im Wohnbereich, Schlafzimmer und den Tierschlafplätzen entfernen und in einer Seifenlauge, die Flöhe, Eier und Larven abtötet, so heiß wie möglich waschen. Diese Prozedur sollten Sie mindestens ein Mal wöchentlich wiederholen. Nichtwaschbares (Polster, Teppiche, Auslegeware) muss mit speziellen Anti-Floh-Sprays behandelt werden.

Anschließend sollten Sie Ihr Haustier gründlich mit einem Anti-Floh-Shampoo baden. Beachten Sie dabei die jeweilige Anleitung. Bei außerordentlich starkem Flohbefall sollten Sie auf einen spezialisierten Kammerjäger zurückgreifen. Aufgrund der besonders starken Gifte, die hierbei zum Einsatz kommen, müssen Sie und Ihre Haustiere die Wohnung gegebenenfalls für mehrere Tage verlassen.

Übrigens: Flohbefall ist – anders als bei Läusen – nicht meldepflichtig.

Eine ausführliche Handlungsanleitung beim Flohbefall finden Sie auf WikiHow.

 

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (53 votes, average: 4,30 out of 5)
Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.