Ameisen bekämpfen: Natur verstehen und richtig handeln

Ameisen bekämpfen
  • Ameisen sind nützliche Insekten in Wald und Garten. Viele Arten sind jedoch vom Aussterben bedroht.
  • Es helfen oft einfache Hausmittel, um Ameisen wirksam bekämpfen und langfristig aus dem Garten vertreiben zu können.
  • Der Einsatz von Gift ist nicht ratsam, da es auch andere Insekten tötet.

Von Mai bis August laufen Ameisen auf Hochtouren. Dann müssen die Arbeiterinnen der Schwarzen Wegameise und der Gelben Wiesenameise die Brut und Königin versorgen, wofür eine große Menge an Energie und Nahrungsquellen benötigt wird.
Das Treiben der abertausenden Ameisen stört so manchen Gärtner oder Hausbesitzer, obwohl die Hautflügler überaus nützliche Insekten und keine Schädlinge sind. Erfahren Sie hier, wie Sie Ameisennester an gute Stellen übersiedeln, Ameisen vertreiben und einer Invasion zuvorkommen können.

1. Wie kommt es zu Ameisen im Garten?

Ameisen gehören grundsätzlich in jeden Garten. Sie zählen zu den nützlichen Insekten und blicken auf eine lange Geschichte zurück. Die ältesten gefundenen fossilen Ameisen sind über 100 Millionen Jahre alt und stammen aus der Kreidezeit. So sind sie schon sehr lange ein Teil unseres Ökosystems und haben ihre Daseinsberechtigung.
Störend wirken sie erst, wenn sie sich einen ungünstigen Ort für den Nestbau aussuchen, Blattläuse unterstützen oder in ein Gebäude umsiedeln. Bei der Ameisenbekämpfung können natürliche Mittel eine gute Wirkung erzielen.

2. In Wiese und unter Steinen: Ameisenarten in deutschen Gärten

In deutschen Gärten sind vor allen zwei Ameisenarten sehr aktiv. Während die Gelbe Wiesenameise zumeist unter der Erde aktiv ist, ist die Schwarze Wegameise immer auf der Suche nach Futter – auch in der Küche. Beim Ameisen bekämpfen stehen diese beiden Arten ganz besonders weit oben auf der Liste.

Art Gelbe Wiesenameise (Lasius flavus) Schwarze Wegameise (Lasius niger)
Aussehen Die Ameisenart ist lediglich 2 bis 4,5 mm lang und hat eine bernsteinfarbene, gelbe Farbe. Die Arbeiterinnen der schwarzen Wegameise werden zwischen 3 und 5 mm lang und sind dunkelbraun bis schwarz.

Ameisen bekämpfen

Die Schwarze Gartenameise ist besonders häufig in deutschen Gärten anzutreffen

Lebensraum Wiesen, Gartenböden und am Waldrand Die Nester befinden sich oft unter Gras oder Steinplatten, da es dort angenehm warm ist.
Schadwirkung Diese Ameisen bauen ihre Nester bevorzugt unter dem Rasen. Die entstehenden Hügel mögen Liebhaber des Grüns gar nicht. Durch das Untergraben von Terrassen oder Häusern kann sandiges Fundament in Schieflage geraten. Durch das Halten von Blattläusen kann der Schaden an Pflanzen vergrößert werden.

Ameisen bekämpfen

Die Gelbe Ameise ist zumeist unter der Erde aktiv.

 

Nahezu 75% aller Ameisensorten sind vom Aussterben bedroht und stehen auf der Roten Liste. In Deutschland sind aktuell 11 Arten akut bedroht, 17 stark gefährdet und 31 gefährdet.

3. Nützlichkeit von Ameisen: Gute Erde und lecker Honig

Ohne Ameisen hätten viele Gärtner ein Problem, denn die kleinen Hautflügler übernehmen wichtige Aufgaben innerhalb des ökologischen Kreislaufs.

3.1. Bodenauflockerer: Gute Erde mit Ameisen

Ameisen bekämpfen Hausmittel

Auf einer Ameisenstraße geht es vom Garten in das Haus.

Ameisen sind nach dem Regenwurm die zweitwichtigsten Bodenauflockerer. Durch die starke Aktivität in ihren gegrabenen Gängen bringen sie Luft in den Boden und befördern wiederum Stickstoffe und Kohlenstoffe nach oben.
Etwa 90 Prozent der toten Insekten, die auf dem Gartenboden landen, werden von den Ameisen in ihr Nest transportiert. Dadurch wird die Erde mit organischem Material versorgt. Auch so verbessert sich die Qualität der Erde enorm.

3.2. Verbreitung von Pflanzenarten

Myrmekochorie

So wird der Vorgang der Verbreitung von Samen, Früchten und Sporen genannt, die durch Ameisen erfolgt.

Weniger wichtig, aber nicht zu unterschätzen ist die Rolle der Ameise bei der Verbreitung von Pflanzen wie Schöllkraut, Veilchen, Wolfsmilch oder Nelkengewächsen. Die Samen solcher Pflanzen verfügen ein sogenanntes Elaiosom, ein kleines Anhängsel.
Es enthält viele Nährstoffe für Ameisen, weshalb diese die fette Beute gern in ihr Nest bringen. Dabei ist der eigentliche Samen nicht wichtig, weshalb diese von den Ameisen aus dem Nest geschafft werden.

3.3. Waldhonig: Wichtige Hilfe für Bienen

Ameisen pflegen Blattläuse, was bei Gärtnern zu der Unbeliebtheit der Insekten beiträgt. Der Nutzen für die Ameisen ist aber enorm, denn Blattläuse stellen süßen Honigtau her. Der Honigtau, den die Ameisen nicht verwerten können, wird von Bienen gesammelt. Deshalb kann sich der Honigertrag in Gegenden mit vielen Ameisennestern enorm erhöhen. Das wiederum freut die Imker, die Ameisen schätzen und unterstützen.

3.4. Reduktion von Schadinsekten: Ungeziefer wird gefressen

Ameisen ernähren sich unter anderem von Fliegen, Spinnen und Raupen. Das macht die Hautflügler zu Verbündeten der Gärtner.

4. Schwierige Symbiose: Ameisen melken Blattläuse

Ameisen bekämpfen

Die Gelbe Ameise ist selten sichtbar und macht sich durch Löcher im Rasen bemerkbar.

Was Gärtner an Ameisen wirklich stört, ist deren Vorliebe für Honigtau. Dieses süße Sekret wird von Blattläusen ausgeschieden und Ameisen ernähren sich größtenteils davon. Damit sie immer an Honigtau kommen, schützen sie ihre Läuse, die auf Pflanzen und Bäumen leben, vor Feinden und hegen und pflegen sie.
Regelmäßig werden sie dann belohnt, in dem sie ihre Blattläuse melken und so an das süße Sekret kommen. Mit Unterstützung der Ameisen wird also eine Blattläusepopulation immer größer. Die Blattläuse schaden Pflanzen und Bäumen durch das radikale Abfressen von Blättern. Der wirkliche Feind für Gärtner sind also immer die Blattläuse, nicht die Ameisen.

5. Wie kann ich Ameisen vermeiden?

Grundsätzlich sollten Ameisen als Nützlinge in jedem Garten willkommen sein. Aber natürlich möchte sie niemand mitten im Rasen oder im Haus. Damit es erst gar keine Invasion und Schäden durch Ameisennester gibt, müssen die wichtigsten Ursachen für eine Ameisenplage beseitigt werden.

  • Nahrungsmittel sollen niemals offen stehen gelassen werden. Nach dem Picknick, dem Eis auf der Wiese oder dem Grillabend sollten deshalb zügig alle Essensreste entsorgt werden
  • Den Mülleimer mit biologischem Abfall nicht zu lange stehen lassen und möglichst täglich leeren. Aus dem Gartenhaus sollte der Abfall möglichst nach draußen verlagert werden, wenn die Tür zum Häuschen den ganzen Tag offen steht.
  • Alle Arbeitsflächen, auf denen mit Lebensmitteln gearbeitet wird, immer gründlich und heiß abwaschen.
  • Auf der Terrasse oder im Gartenhaus offene Fugen und Ritzen abdichten, damit sie Ameisen nicht zum Nisten einladen

6. Ameisen im Blumentopf umsiedeln

Ameisen bekämpfen

Schwarze Ameisen lassen sich gern unter Fundamenten nieder.

Wenn die Tierchen sich nach und nach an einer ungünstigen Stelle ein Nest aufbauen, dann kann das entstehende Heim ganz einfach umgesiedelt werden.
Dazu nehmen Gärtner oder Hausbesitzer sich einfach einen Blumentopf aus Keramik und füllen diesen mit Holzwolle. Dieser wird umgedreht auf das entstehende Nest gestellt. Die Ameisen werden relativ schnell ihre Eier in das einladende Nest schaffen.
Sind sie nach ein paar Tagen komplett in den Blumentopf umgezogen, kann der Topf einfach an eine andere, günstigere Stelle gebracht werden. Dieser sollte mindestens 30 Meter von der alten Neststelle entfernt liegen, weil die Ameisen sonst ziemlich schnell wieder zurückkommen.

7. Tipps: Welche Hausmittel gibt es gegen Ameisen?

Es muss  nicht sofort zu Giften gegriffen werden, wenn Ameisen im Haus, im Garten oder in der Küche gesichtet werden. Es lohnt sich, gegen Ameisen zunächst auf effektive Mittel aus der Natur zurückzugreifen, da sie Mensch, Tier und Umwelt schonen.

Hier die klassischen Hausmittel zum Beseitigen von unliebsamen Ameisenherden:

  • Klebeband oder Kreide: Konnte eine Ameisenstraße identifiziert werden, kann sie mit einem dicken Kreidestrich oder breitem Klebeband unterbrochen werden.  Dadurch wird die Duftspur unterbrochen, mit denen Ameisen sich gegenseitig signalisieren, wo es zur Futterquelle geht.
  • Knoblauch, Zimtstangen, Gewürznelken, Lavendel, Zitrone oder Essig: Ameisen mögen keine ätherischen Öle. Die stark duftenden Gewürze, Früchte und Pflanzen einfach auf die Ameisenstraße legen bzw. diese mit den Ölen beträufeln.
  • Futterquelle versiegen lassen: Ameisen ernähren sich besonders häufig von Honigtau, den Blattläuse auf Pflanzen hinterlassen. Radikal aber wirksam ist es, die Pflanzen auf dem Balkon oder im Garten samt Blattläusen zu entfernen, womit den Ameisen die Nahrungsquelle fehlt. Ziehen Nahrungsmittel in der Wohnung oder im Haus die kleinen Hautflügler an, sollten diese auch umgelagert werden.
  • Ameisen in Blumentöpfen oder an anderen ungünstigen Stellen können mit einem regelmäßigen Schwung Wasser aus der Gießkanne vertrieben werden.
  • Backpulver: Es ist ein Klassiker unter den Hausmitteln gegen Ameisen: Backpulver auf die Ameisenstraße zu streuen. Tatsächlich ist das auch ein sehr wirksames Mittel, leider aber auch grausam. Die Tiere fressen das Pulver, der Magen quillt anschließend auf, bis die Tiere platzen.

8. Ameisen mit Nematoden natürlich bekämpfen

Ameisen bekämpfen

Hier hat die rote Ameise Schäden im Rasen hinterlassen.

Wer keine Ameisenstraßen mit Klebeband absperren möchte, sondern in einem bestimmten Radius des Gartens Ameisen vertreiben möchte, der kann bei der Ameisenbekämpfung natürliche Mittel einsetzen. Ganz leicht geht es mit den Erzfeinden der Ameise, den Nematoden.
Dabei handelt es sich um Fadenbandwürmer, die in der Erde leben und sich nicht gut mit Ameisen vertragen. Die mikroskopisch kleinen Würmer können Gärtner in speziellen Shops bestellen.
Sie werden in einer feinen Pulverform geliefert. Diese wird einfach in Wasser aufgelöst und an den betroffenen Stellen ausgebracht. Die Ameisen ergreifen die Flucht, die Nematoden wiederum machen sich nicht bemerkbar und schädigen weder den Boden noch bestehende Pflanzen.

9. Letzter Ausweg: Ameisen mit Gift beseitigen

Kommt es zu einer enormen Ameisenplage, die ernsthafte Schäden im und am Haus hinterlässt, gibt es verschiedene Möglichkeiten sie loszuwerden.

  • Ameisenköder: Die Ameisen werden von einem Lockstoff in der Köderdose angezogen. In der Ameisenfalle nehmen sie das Ameisengift auf und tragen es ins Nest. Dort verenden die Ameisen und auch alle anderen Ameisen, die damit in Berührung kommen.

    Ameisen bekämpfen

    Nematoden sind kleine Organismen, die den Ameisen den Lebensraum streitig machen.

  • Gift-Gel: Das Gel wird auf die Ameisenstraße gegeben. Dort nehmen es die Ameisen auf, um es an die Brut und die Königin zu verfüttern. Diese sterben dann und mit ihnen der Ameisenstaat.
  • Granulat: Das körnige Pulver wird in Wasser aufgelöst und mit einer Gießkanne auf die Ameisenstraße gegeben. Die Ameisen sterben bei direktem Kontakt mit dem Wasser wie auch nach dem Fressen des enthaltenen Giftes.
  • Spray: Es wird unmittelbar auf die Ameisenstraße und die Ameisen gesprüht, wodurch die Ameisen sowie alle anderen Insekten, die mit dem Wirkstoff in Berührung kommen, sterben.

Achtung: Das Einsetzen von giftigen Ködern und ähnlichen Stoffen schadet der Umwelt massiv, da die enthaltenen Gifte nicht nur Ameisen töten, sondern auch andere Insekten vernichten und im schlimmsten Fall ins Gemüsebeet gelangen.

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