Fohlen – So jung und doch ganz groß

Fohlen
  • Fohlen sind kurz nach der Geburt bereits sehr selbstständige Tiere. Dennoch sollte man nur mit ausreichend Wissen ein Fohlen aufziehen.
  • Neben der Muttermilch benötigen Jungpferde ein ausgewähltes Fohlenfutter.
  • Mit durchschnittlich drei Jahren werden die Tiere angeritten.

Wenn ein Fohlen auf die Welt kommt, ist es bereits einige Kilogramm schwer. Trotzdem haben die jungen Pferde etwas sehr Zartes an sich, was das Herz eines Pferdeliebhabers höher schlagen lässt. Ob Kaltblut oder Warmblut – Pferde sind sensible Tiere, weshalb die Halter bei der Aufzucht eines Füllens Rücksicht auf dessen Bedürfnisse nehmen müssen.

Erfahren Sie hier alles zur Fohlenaufzucht sowie der Ernährung von Jungpferden und worauf Sie beim Kauf eines Fohlens achten sollten.

1. Nach 11 Monaten Tragezeit: Die Geburt eines Fohlens

fohlen wird direkt nach geburt von der mutter abgeleckt

Kurz nach der Geburt liegt das Fohlen noch.

Es ist noch immer etwas Besonderes, wenn ein Fohlen auf die Welt kommt. Kaum vorstellbar, dass ein Pferd bereits mit einem Gewicht zwischen 30 und 60 Kilogramm geboren wird. Zwischen 315 und 340 Tage trägt die Pferdestute ihr Baby im Bauch.

Ein paar Wochen vor der Entbindung kommt die Stute in eine separate Abfohlbox. In dem speziellen Pferdestall hat sie ausreichend Platz und Ruhe, um sich auf die Geburt vorzubereiten. Diese ist mit etwa einer halben Stunde ziemlich kurz. Zumeist kommt das Fohlen nachts auf die Welt. Über die Nabelschnur wird es noch für eine Weile versorgt, die Stute und ihr Fohlen ruhen sich anschließend kurz aus.

Pferdeart Durchschnittliches Geburtsgewicht
Pony-Fohlen 35 und 45 Kilogramm
Freiberger-Fohlen 45 und 60 Kilogramm
Süddeutsches Kaltblut 60 und 88 Kilogramm
Schwedisches Warmblut 56 und 66 Kilogramm
Islandpferd 31 und 50 Kilogramm

1.1. Das Neugeborene ist schon früh selbstständig

Auch wenn das Füllen neugeboren ist, so steht es in der Regel bereits nach 15 bis 20 Minuten auf, da es schnell die nahrhafte Muttermilch benötigt. Zudem brauchen die Lungen zu ihrer vollständigen Entfaltung etwas Bewegung.

Achtung: Steht das Fohlen nicht allein auf, verliert es schnell an Kraft, was zu einem lebensbedrohlichen Zustand werden kann.

fohlen und stute liegen im stall

Nachdem Stute und Fohlen ihre erste Zeit genossen haben, muss das Fohlen aufstehen.

Deshalb wird seine Mutter und im Notfall auch der Tierarzt oder Pferdehalter es ermutigen, sich möglichst schnell auf die noch wackeligen Beine zu stellen. Der Zwang zum schnellen Stehen und Laufen direkt nach der Geburt ist ein notwendiges Verhalten, das Wildpferden das Überleben sicherte. Die wilden Füllen müssen schnell aufstehen können, damit sie mit der Herde mitlaufen und vor Feinden flüchten können.

Dann trinkt es zum ersten Mal die nahrhafte Muttermilch. Wie auch beim Menschen nennt sich die Erstmilch Kolostralmilch, alternativ auch Biestmilch. Sie enthält für die jungen Pferde die perfekte Nährstoffzusammensetzung für den Start in ein gesundes Leben.  In den ersten Lebenswochen trinkt das junge Pferd etwa jede halbe Stunde Muttermilch, womit es sein Gewicht schnell steigern kann. Kurz nach dem ersten Trinken setzt das Fohlen auch das Darmpech ab, das den ersten Stuhlgang darstellt.

In den ersten 36 Stunden kann das Füllen über seine Darmwand Abwehrstoffe aufnehmen. Nimmt es in diesem Zeitraum viel Kolostralmilch zu sich, wappnet sich das Pferd vor Infektionen und Erkrankungen wie etwa die Fohlenlähme.

2. Fohlenaufzucht: Nachhaltiges Absetzen ist sinnvoll

fohlen und stute liebkosen sich

Viele Fohlen werden bereits nach wenigen Monaten von der Mutter getrennt.

Nachdem das Fohlen aufgestanden ist, fängt es in der Regel sofort an, sich auch selbstständig fortzubewegen. Die Bewegungen sind anfangs noch nicht sehr geschmeidig, aber das Füllen wird sich von nun anständig bei seiner Mutter aufhalten.

Mit etwa vier Wochen wird das Fohlen auch das erste Mal entwurmt. Nach wenigen Tagen, in denen Stute und Fohlen Kraft tanken konnten, kann es bereits auf die Weide gehen.

Dort übt sich das junge Pferd im Traben und es kann von den anderen Pferden soziale Verhaltensweise kennen lernen. Schnell interessiert sich das Fohlen auch für die Weide als Futterangebot. In der Wildnis hat sich ein einjähriges Fohlen zumeist selbstständig von der Muttermilch entwöhnt. In der professionellen Pferdezucht erfolgt die Trennung zumeist um den 3. Lebensmonat herum. Wie die Trennung des Absatzfohlens von dem Muttertier erfolgt, hängt von der Erziehungsmethode des Züchters ab.

Es wird zwischen den folgenden Optionen zum Absetzen des Fohlens unterschieden:

  • Abruptes Absetzen: Bei dieser Methode werden alle Fohlen gleichzeitig von ihren Müttern getrennt. Das entspricht nicht dem natürlichen Verhalten von Wildpferden. Die abrupte Trennung geschieht in der Natur nur, wenn die Mutter stirbt, was die Tiere in „Fight-or-Flight“-Bereitschaft versetzt. Studien legen nahe, dass die Fohlen hierbei in eine akute Stresssituation kommen, die sich auf die soziale Entwicklung des Tieres auswirkt.
  • Langsame Trennung: Das Fohlen wird jeden Tag ein paar Minuten von der Mutter getrennt. Der Zeitraum der Trennung wird stetig verlängert, bis sich beide an die neue Situation gewöhnt haben.
  • Nanny-Methode: In Untersuchungen hat sich diese spezielle Methode besonders gut bewährt. Nach der Trennung von der Mutter bleiben bei dem Fohlen zwei ältere Pferde als Begleiter, z.B. Pferde im Ruhestand, die dem jungen Pferd das Absetzen leichter machen und es auch ein Stück erziehen.
  • Natürliches Absetzen: Zumindest in der Hobbyzucht kann in Betracht gezogen werden, dem Fohlen die Zeit mit der Mutter zu lassen, die es benötigt.

2.1. In der Zucht werden Jungstuten und -hengste zunächst getrennt

Nach dem Absetzen werden Stutfohlen und Hengstfohlen getrennt voneinander groß gezogen. So wird verhindert, dass die Stute zu früh und ungeplant trächtig wird. In der Regel wird ein Pferd zum Züchten erst eingesetzt, wenn die Stute körperlich so stabil ist, dass beim Decken die Wirbelsäule nicht verletzt wird. Diese Statur hat eine Stute zumeist mit etwa drei Jahren. Das erste Mal rossig wird eine Stute jedoch schon mit zwei Jahren, ein Hengst mit einem Jahr.

Bestreiten Reitpferde Wettbewerbe, spielt nur das Geburtsjahr, nicht der genaue Termin eine Rolle. In professionellen Zuchtbetrieben wird den Fohlen deshalb zumeist zum Vorteil für die Teilnahme am Wettbewerb dasselbe Geburtsdatum, der 1. Januar eines Jahres, gegeben.

3. Ernährung von Fohlen: Auf hochwertiges Futter achten

fohlen eines shetland ponys

Shetland-Ponys sind auch schon als Fohlen besonders klein.

Zunächst ist die Muttermilch die alleinige Nahrung des Fohlens. Aber bereits mit zwei Monaten beginnen die jungen Pferde beim Weidegang feste Nahrung zu sich zu nehmen. Züchter geben den Fohlen dann im besten Fall ein spezielles Fohlenfutter, das die optimale Nährstoffzusammensetzung für die jeweilige Pferderasse besitzt.

Wichtig ist, den heranwachsenden Tieren Mineralfutter anzubieten, die restliche Nahrung finden sie auf dem Weidegang. Steht zu wenig Futter auf der Weide zur Verfügung, kann mit Heu-Kraftfutter nachgeholfen werden.

Info: Zwischen dem 3. und 6. Monat fressen Fohlen gelegentlich den Kot der Mutter, was eine gesunde Darmflora fördert.

Silage und Heulage

Bei der Heulage wird das Gras kurz angetrocknet, bis es nur noch eine Restfeuchte von 30 bis 50 Prozent hat. Dann kann es in Ballen vorrätig gehalten werden. Bei der Silage wird Gras durch einen Gärungsprozess mit Milchsäurebakterien haltbar gemacht.

Bei der Frage nach der Ernährung von Fohlen spielt die spätere Nutzung des Tieres und die Rasse eine Rolle, ein klares Richtig oder Falsch gibt es nicht. Das Kraftfutter für ein Vollblut-Pferd ist im besten Fall immer Schwarzhafer, ein kräftiges Kaltblut benötigt hingegen nicht viel Kraftfutter, um Höchstleistungen zu vollbringen.

Eher setzen sie zu viel Gewicht an, wenn sie übermäßig nährstoffreich gefüttert werden. Es wird in der Zucht viel Heu verfüttert, das aber den Mineralbedarf des Tieres nicht deckt. Der Züchter muss deshalb ein auf das Gewicht und die Größe des Fohlens angemessene Menge an Mineralien anbieten.

Praktisch aber nicht gern gesehen ist die Fütterung mit Silage oder Heulage. Langfristig schädigt die übermäßige Silofütterung die Nieren, da das Heu eine große Menge an schwer verdaulichem Eiweiß enthält.

4. Fohlen einreiten: Jedes Pferd braucht seine eigene Zeit

fohlen trinkt muttermilch

Im ersten Lebensjahr ernährt sich das Fohlen auch noch von der Muttermilch.

Wann ein Fohlen eingeritten wird, hängt von dem Charakter und der jeweiligen Rasse ab. Das durchschnittlich optimale Alter zum Einreiten liegt bei etwa drei Jahren. Dann ist das Knochengerüst gefestigt genug, um einen Sattel und einen Reiter zu halten.

Zuvor beginnt das Einreiten jedoch mit dem eigentlichen Eingewöhnen. Der erfahren Züchter hat ein Gefühl dafür, wann er damit beginnen kann, dem Jungpferd hin und wieder einen Sattel aufzulegen, damit es sich an das ungewöhnliche Accessoire gewöhnt. Zudem benötigen Pferde vor der eigentlichen Ausbildung ein spezielles Muskelaufbautraining, um dem Pferd durch falsche Belastung keine Schäden zuzufügen.

Die Rasse entscheidet auch mit, wann ein Pferd geritten werden kann. Kleinere Pferde sind früher ausgewachsen als besonders große Exemplare. Daneben entscheidet das Gemüt des Pferdes mit. Besonders stolze und wilde Pferde müssen früher an den Halfter, weiteres Zubehör zum Reiten und an das Anbinden gewöhnt werden. Verpasst der Züchter hier den richtigen Zeitpunkt, kann die spätere Erziehung schwierig werden. Handelt es sich hingegen um ein sehr sanftes Pferdegemüt, kann mit dem Einreiten auch etwas länger gewartet werden.

5. Fohlen kaufen: Die Rasse entscheidet über den Preis mit

freiberger fohlen trinkt muttermilch

Freiberger Fohlen suchen wie andere Füllen die Nähe der Mutter.

Wer sich dazu entschließt, ein Fohlen zu kaufen, sollte sich der immense Verantwortung bewusst sein. Ein eigenes Pferd groß zu ziehen, bedarf ausreichend Zeit und viel Wissen über die Erziehung und Pflege eines Fohlens, sowie einen Ausbildungsstall in der Nähe des Wohnortes.

Beim Ankauf kann es womöglich das kleine Fohlen-ABC, wozu das Hufe heben und das Anlegen des Fohlenhalfters gehört. Wer die notwendige Zeit und das Know-How hat, kann wiederum hautnah miterleben, wie aus einem jungen Teenager ein erfahrenes Freizeit- oder Sportpferd wird.

Beim Kauf des Tieres sollte auch klar sein, welche Bestimmung das Füllen zukünftig haben soll. Wer nur ein Fohlen aufziehen will, um dem Kind und der Familie ein naturnahes Erleben zu ermöglichen, muss nicht ein prämiertes Fohlen für mehrere tausend Euro erstehen.

Soll das Fohlen hingegen ein Turnierpferd werden, muss es gut ausgesucht werden. Bei der Auswahl des Tieres sollte man einen weiteren Experten und einen Tierarzt hinzuziehen, die Tipps und Information zur Bewertung des gesundheitlichen und mentalen Zustandes des Fohlens bereitalten.

Ein Freizeitpferd gibt es von professionellen Züchtern ab 1.500 bis 2.000 Euro. Ein Shetland-Pony ist dabei günstiger als ein Araber-Hengst. Spezielle Züchtungen mit Eltern, die erfolgreich im Wettbewerb sind, können mehrere zehntausend Euro kosten. Wer etwas Gutes tun will, der kann ein Fohlen kaufen, das als Schlachtfohlen vor dem Tod gerettet wurde. Es gibt einige Notfall-Einrichtungen, die die dankbaren Tiere vermitteln.

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