Rhodesian Ridgeback: Der sanfte Jagdhund aus Südafrika

rhodesian ridgeback wald
  • Der Rhodesian Ridgeback ist für die Jagd auf Großwild und als Begleithund gezüchtet worden.
  • Der Ursprung dieser Rasse liegt in der Kapregion von Südafrika. Ähnliche Hunde wurden schon von den Ureinwohnern gehalten.
  • Rhodesian Ridgebacks sind imposante Erscheinungen mit einem „Kamm“ auf dem Rücken.

Der Rhodesian Ridgeback ist eine schöne und auffällige Erscheinung. Sein ausgeglichenes Wesen, die Treue zu seinen Menschen und sein gefestigter Charakter könnten ihn zum idealen Hund für die ganze Familie machen.

Finden Sie mithilfe dieses Ratgebers heraus, ob der intelligente Schönling aus Afrika für Sie der passende Begleiter ist. Informieren Sie sich hier über die wichtigsten Rassenmerkmale und Hintergründe zur Haltung und Anschaffung dieser Rassehunde.

1. Rhodesian Ridgeback im Hundeportrait: Seine Geschichte, Rassemerkmale und Besonderheiten

rhodesian ridgeback liegend

Die stattlichen Rhodesian Ridgebacks haben eine lange Geschichte in Südafrika.

Der Rhodesian Ridgeback kommt ursprünglich aus Südafrika. Dabei reicht sein inoffizieller Stammbaum mehrere Tausend Jahre zurück, denn die Rasse entwickelte sich aus den afrikanischen Hunden, die den Ureinwohnern von Südafrika als nützliche Begleithunde zu Jagd und als Wachhunde dienten.

Als die ersten Siedler aus Holland, Deutschland und Frankreich im 17. Jahrhundert zum Kap der Guten Hoffnung (Südafrika) kamen, sahen sie bei der Bevölkerung der Sans und Khoi-Khois Hunde, die sie an Hyänen und Schakale erinnerten.

Sie waren bei weitem nicht so imposant, wie die heutigen Rhodesian Ridgebacks. Allerdings hatten sie das spezielle Wesen, den Mut und die Menschentreue, und natürlich den auffälligen „Kamm“ auf dem Rücken. Diese Merkmale vererbten sie an die heutige Rasse der Rhodesian Ridgebacks.

1.1. Vom Boer-Hond zum Lion Dog: die ersten Zuchtversuche und Rassenmerkmale des Rhodesian Ridgeback

Die südafrikanischen Farmer waren auf der Suche nach Hunden, die sie bei der Großwildjagd begleiteten und ihre Farmen beschützten. Infolgedessen kreuzten sie die afrikanischen Hunde der Khoi-Khois mit den aus Europa eingeführten Hunderassen. Das war die Geburtsstunde des Boer-Hond, des Bauernhundes, einer anfänglich noch „wilden“ Mischung.

Als Lion Dogs für die Großwildjagd wurden sie zunächst in Rhodesien (heute Simbabwe) berühmt. Dorthin wurden die damaligen Bauernhunde vom Missionar Charles Helm eingeführt. Überzeugend waren ihr Mut, Besonnenheit und Selbständigkeit.
Schließlich wurde der Rhodesian Lion Dog 1926 offiziell anerkannt und fungierte als „Gun Dog“ (Jagdhund, wörtlich „Waffenhund“). 1927 erhielt er dann seinen heutigen Namen.

1.2. Das auffälligste Merkmal ist der „Kamm“

Der Rhodesian Ridgeback ist ein außerordentlich großer Hund mit Widerristhöhe zwischen ca. 66 cm (Hündin) und 69 cm (Rüde). Auch sein Gewicht von gut 32 bis 36,5 kg ist beachtlich. Dabei wirkt er nicht plump oder behäbig, sondern ist ganz im Gegenteil ein stattlich bemuskelter langbeiniger Laufhund mit tiefer Brust. Seine Gesamterscheinung zeugt von Kraft und Ausdauer.

2 rhodesian ridgeback sitzen, kamm gut sichtbar

Ein wunderschöner Athlet mit  dem „Kamm“ als Rassenmerkmal.

Er hat kurzes, nicht zu feines Fell ohne Unterwolle in einer schönen rötlich-braunen Färbung. Als einzige Akzentuierungen erlauben die Rassestandards eine schwarzmelierte Schnauze, einen weißen Brustfleck und die sogenannte „Leberfarbe“ (mittleres Braun) der Nase, die ansonsten schwarz ist. Das Fell des Rhodesian Ridgeback haart sehr wenig.

Unverwechselbar macht den Rhodesian Ridgeback sein „aufgestelltes“ Fell entlang des Rückens. Fast der gesamten Rückenlänge nach wächst ihm ein schmales Haarband „gegen den Strich“ und hebt sich damit deutlich von dem ansonsten normal anliegenden Fell. Der „Kamm“ geht an den Schulterblättern in zwei Wirbel über. Daraus resultiert auch der Rassenname, denn „ridgeback“ bedeutet auf Englisch der Bergkamm.

Info: Francis Richard Barnes gründete 1922 in Rhodesien einen Zuchtclub mit dem Ziel, die Rhodesian Lion Dogs äußerlich und charakterlich nach anerkannten Standards zu vereinheitlichen. Als Ausgangspunkt dienten ihm der internationale Standard des Dalmatiner.

Der FCI führt die Rasse unter Gruppe 6: Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen, Sektion 3: Verwandte Rassen, Nummer 146. Der Rhodesian Ridgeback ist bisher die einzige anerkannte Hunderasse aus dem südlichen Afrika. Die detaillierten Rassenmerkmale des FCI können Sie hier nachlesen.

2. Der Rhodesian Ridgeback ist ein Löwenhund mit dem Bedürfnis nach Familienanschluss

Bei den Kapsiedlern in Südafrika wurde diese Rasse allgemein für die Jagd im Busch und zum persönlichen Schutz gebraucht. Mutige, loyale und aufmerksame Begleiter waren hier gefragt. In Rhodesien hingegen wurden die Hunde zunehmend zu „Löwenjägern“ gezüchtet: Team von bis zu vier oder fünf Hunden hatte Löwen in der Steppe auszumachen, einzuholen und festzusetzen. Diejenigen, die dem Löwen oder Leoparden zu nahe kamen, wurden unweigerlich von den Prankenschlägen der Wildkatzen getötet. Es liegt auf der Hand, dass nur vorsichtige, intelligente Hunde diese harte Auslese überlebten.

Daraus ergibt sich der besondere Charakter der Rhodesian Ridgeback, der einerseits durch Mut, Selbständigkeit und Intelligenz und andererseits durch Vorsicht, Zurückhaltung und Loyalität besticht.

Trotz seiner jagdlichen Qualitäten ist das Temperament des Rhodesian Ridgeback gemäßigt und ruhig. Im Wesen ist er ein sanfter und besonnener Hund, der unbedingt seine Familie braucht. Ferner ist er ein guter Wachhund, doch sollte der Rhodesian Ridgeback keinesfalls als Verteidigungs- bzw. Schutzhund ausgebildet werden! Fremden gegenüber verhält er sich zurückhaltend und niemals aggressiv. Dennoch wird er nie zögern, seine Familie zu beschützen.

Achtung: Härte in der Erziehung und Ausbildung sowie eine Zwingerhaltung als Wachhund sind hier absolut tabu. Wird ein Rhodesian Ridgeback ungerecht oder hart bestraft, führt das unweigerlich zu einem sturen, bockigen Hund. Auch seltener Menschenkontakt machen dem Rhodesian Ridgeback psychisch zu schaffen.

Rhodesian Ridgeback kann gut mit Kindern umgehen, sollte aber aufgrund seiner Größe nicht zu kleinen Kindern oder Kindern ohne Hundeerfahrungen. Kinder im Haushalt müssen gerade bei pubertierenden Rhodesian Ridgebacks standfest sein.

2.1. Dieser „Spätentwickler“ wird Sie täglich fordern

rhodesian ridgeback mit athletischem körper

Beim Rhodesian Ridgeback ist Erfahrung bei der Erziehung gefragt.

Die Rhodesian Ridgebacks sind echte Spätentwickler, die erst mit 2 bis 3 Jahren ausgewachsen sind. So lange befindet sich der Junghund in der Pubertätsphase, während der er unbedingt mit viel Einfühlvermögen erzogen werden sollte.

Obwohl diese Rasse sich wunderbar als Familienhund eignet, gehört sie schon allein aufgrund der langen Entwicklungsphase nur in erfahrene Hände. Bedenken Sie diese Besonderheit unbedingt beim Kauf eines Welpen.

Info: Grundsätzlich sollten Sie sein sportliches Temperament nicht unterschätzen. Denn Rhodesian Ridgebacks brauchen viel Auslauf, bei dem sie rennen oder lange laufen wollen. Von seinem Halter fordern sie Nasenarbeit und Intelligenzspiele. Daher sind sie nur für sportliche oder am Hundesport interessierte Halter geeignet.

2.2. Der beliebte Rhodesian-Mischling

Zunehmend gefragt sind Mischlinge mit zwei besonders beliebten Rassen. Dazu gehören beispielsweise der Rhodesian Ridgeback-Boxer-Mix oder Weimaraner-Mix. Diese Moderassen bescheren dem Ridgeback die knautschige Schnauze des Boxer oder die graue Farbe des Weimaraner.

Befürworter dieser Mischungen argumentieren mit dem erweiterten Genpool dieser Mixrassen. Damit wollen sie die rassetypischen Krankheiten vermeiden. Doch in Wahrheit können sich dadurch genbedingte Krankheiten sogar verstärken und dann ungehindert weitervererbt werden.

3. Das sind die typischen Erkrankungen des Rhodesian Ridgeback

Der Rhodesian Ridgeback wird in der Regel zwischen 10 und 12 Jahren alt. Die Krankheitsanfälligkeit dieser Hunde ist nicht besonders ausgeprägt, bedenkt man, dass die Hunde ehemals für karge und harte Bedingungen in Südafrika gezüchtet wurden.

rhodesian ridgeback pfoten nahansicht

Achten Sie auf die Krallen, damit gegebenenfalls die SLO-Krankheit schnell erkannt wird.

Wie bei vielen großen Hunderassen können auch beim Rhodesian Ridgeback Hüftgelenks- und Ellbogendysplasie vorkommen. Einige Rhodesian Ridgebacks neigen zu Schilddrüsenproblemen, die medikamentös gut zu behandeln sind. Achten Sie dabei auf mögliche Symptome wie Herzrasen, Gewichtszunahme, Lethargie oder Hyperaktivität, oder Wesensveränderung wie Ängstlichkeit bzw. Aggressivität.

Allerdings nehmen wie bei allen populären Rassehunden auch bei dem Rhodesian Ridgeback unseriöse Züchtungen zu, die nicht auf die Gesundheit der Zuchttiere achten. Bei diesen können vermehrt typische Krankheiten auftreten.

Seriöse Züchtervereine testen Rhodesian Ridgebacks unter anderem auf folgende Krankheiten, dabei werden betroffene Tiere in der Zucht nicht mehr berücksichtigt:

Krankheit Merkmale
Degenerative Myelopathie (DM) Zerstörung  des Rückenmarks
Hämophilie B Blutgerinnungsstörungen
Dillute / D-Lokus Mutation der Fellfarbe, Haarausfall
Juvenile Myoklonische Epilepsie Epileptische Anfälle und Muskelzuckungen
Symmetrische Lupoide Onychodystrophie (SLO) Ausfall der Krallen
Dilatative Kardiomyopathie (DCM) Erkrankungen des Herzmuskels
Maligne Hyperthermie (MH) Störung des Skelettmuskels mit Herzrhythmusstörungen und Nierenversagen
Dermoidsinus Dermoidzysten (Hauteinstülpungen) am Rücken

Eine genaue Auflistung der möglichen Erkrankungen und Krankheitsbilder finden Sie auf der Seite dieses Züchterportraits. Diese tierärztlich fundierte Zusammenfassung bietet ausführliche Informationen zur DM-Erkrankung. Über die Krallenerkrankung SLO können Sie sich hier informieren.

4. Der Kauf eines Rhodesian Ridgeback sollte gut überlegt sein

Bevor Sie sich für einen Rhodesian Ridgeback entscheiden, raten wir Ihnen dazu, zunächst mehrere Züchter und deren Hunde unter die Lupe zu nehmen.

3 rhodesian ridgeback welpen spielen auf wiese

Süße Welpen werden nach ca. 2-3 Jahren zu ausgewachsenen Hunden.

Zweifelsohne ist der Kauf eines Welpen vom Züchter um einiges teurer als die Angebote in den Internetannoncen oder Welpen von sogenannten Hobbyzüchtern. Ein professioneller Züchter dieser in Europa (noch) seltenen Rasse bringt jedoch viele Vorteile mit sich.

Wie bereits erwähnt, untersuchen verantwortungsbewusste Züchter ihre Hunde auf vererbbare Krankheiten schließen erkrankte Exemplare von der Zucht aus. Ferner wird ein Züchter Sie mit Tipps zu Erziehung, Training, auf diese Rasse spezialisierten Tierärzten, Futter und vielem mehr versorgen. Das sind bei dieser speziellen Rasse gegebenenfalls unschätzbare Informationen.

Tipp: Vielleicht ist statt eines Welpen ein bereits ausgewachsener Hund genau der richtige für Sie? Rhodesian Ridgebacks in Not gibt es trotz der Seltenheit der Rasse, denn viele Halter sind dem Wesen und der Größe dieser Rasse nicht gewachsen.

4.1. Das kostet Sie ein Rhodesian Ridgeback

Da es sich bei Rhodesian Ridgebacks hierzulande um eine noch recht seltene Rasse handelt, sind die Preise für einen reinrassigen Welpen hoch anzusetzen. Daher müssen Sie beim Kauf mit 1.300 bis 2.000 Euro rechnen. Nicht seriöse Angebote liegen hingegen bei ca. 600,- Euro und sollten von Ihnen hinterfragt werden.

Eine gute Entscheidung ist möglicherweise, einen Rhodesian Ridgeback zu adoptieren statt zu kaufen. Diese Hunde sollten maximal eine Schutzgebühr von 350,- Euro kosten.

Alsdann rechnen Sie zu den monatlichen Ausgaben Futterkosten, Beiträge für eine Haftpflichtversicherung und gegebenenfalls eine Tierarztversicherung dazu. Letztgenannte Posten werden bei Rhodesian Ridgebacks dringend empfohlen. Damit errechnet sich monatliche Ausgaben von ca. 300,- Euro für einen Rhodesian Ridgeback.

5. Rhodesian Ridgeback brauchen Platz, Bekleidung, Futter

Rhodesian Ridgebacks sind große Hunde und sie brauchen viel Platz. Hundebetten mit weicher Polsterung oder Matratzen, die ihre Gelenke schonen, sind die beste Wahl.

Darüber hinaus sind spezielle Geschirre für große Hunde sinnvoll, die den Hals der Hunde entlasten.

rhodesian ridgeback im winter mit mantel

Rhodesian Ridgeback haben es gerne warm.

Da der Rhodesian Ridgeback nur ein einfaches Haarkleid hat und ursprünglich aus Afrika kommt, sind bei kalter Witterung, Schnee oder Regen entsprechend große Regen- oder Wärmemäntel empfohlen.

Wenn Sie sich fragen, wieviel ein Rhodesian Ridgeback frisst, so lässt sich das nur allgemein beantworten: Ein großer Hund braucht täglich viel Nahrung, am besten auf zwei bis drei Tagesrationen aufgeteilt. Spezielles Futter ist zwar nicht notwendig, aber diese großen Athleten brauchen eine entsprechende Auslastung. Und das bedeutet größere Futterrationen, viel Proteine und Vitamine sowie Mineralien für den Muskel- und Knochenaufbau.

Info: Rassenkenner empfehlen Nassfutter eher als Trockenfutter, da Rhodesian Ridgebacks grundsätzlich zu wenig trinken.

Da Rhodesian Ridgeback auch noch gerne fressen, leiden sie bei zu wenig Bewegung an Übergewicht. Daher verfüttern Sie nur hochwertiges Futter mit hohem Fleischanteil und wenig Getreide. Die Rohfütterung, das sogenannte BARFen, könnte eine gute und preiswerte Alternative zu Nassfutter sein. Zumal zunehmend mehr Rhodesian-Ridgeback-Züchter diese Futtermethode bereits bei ihren Welpen anwenden.

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