Boxer: Tipps zu Haltung und Pflege des temperamentvollen Hundes

Deutscher Boxer
  • Der Deutsche Boxer entstand durch eine Kreuzung von Bullenbeißer und Bulldogge.
  • Der Charakter ist durch ein großes Selbstbewusstsein, seinen Beschützerinstinkt und Familiensinn geprägt.
  • Durch die Wahl eines seriösen Züchters sinkt das Risiko von schwerwiegenden Erkrankungen bei Ihrem Welpen. 

Er ist groß, stark und zum Umhauen umgänglich: Der Deutsche Boxer beeindruckt durch sein vielfältiges Wesen, das so manche Überraschung zulässt. Der Nachfolger der Bullenbeißer ist ein großer Hund, der aktiv und selbstbewusst durch das Leben geht. Trotzdem kennt er nichts Schöneres, als Zeit mit seiner Familie zu verbringen und ein wachsames Auge auf die Liebsten zu haben.

Erfahren Sie hier alles über die interessante Geschichte des Boxers und wie sie lange gemeinsam mit ihm durch das Leben gehen können. Außerdem geben wir hilfreiche Tipps zur Haltung und informieren Sie über rassetypische Erkrankungen des Boxers.

1. Geschichte des Boxers: Made in Germany

deutscher boxer mit hundeblick auf decke

Neben seiner Kraft beeindruckt der Deutsche Boxer durch seinen freundlichen Charakter.

Die Anfänge des Boxers gehen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, sein Entstehen verdankt er nicht zuletzt der einsetzenden Industrialisierung. Die direkten Vorfahren des Boxers sind der Brabanter Bullenbeißer und der Bärenbeißer. Diese Hunde wurden auf der Jagd eingesetzt, wo sie vor allem Bären und Schwarzwild erlegten. Mit der serienmäßigen Produktion von Schusswaffen wurden die Tiere arbeitslos und verloren schnell an Beliebtheit.

Etwa um die 1850er-Jahre wurden Bullenbeißer mit der Bulldogge gekreuzt. Durch weiteres Einkreuzen von Bulldoggen und Selektion in der Zucht entstand der heutige Deutsche Boxer. Im Gegensatz zum Bullenbeißer wurde beim Boxer sehr früh Wert auf die Herausbildung von positiven Charaktereigenschaften gelegt.

Dafür war der Boxer-Klub e.V. zuständig, der sich wahrscheinlich schon um 1869 zusammenstellte. Hier einigte man sich darauf, dass die starken Tiere nicht nur in Hinblick auf Aussehen und Leistung gezüchtet werden, sondern auch das Wesen des Tieres berücksichtigt wird.

Der Name des Hundes geht auch auf den Standort des Vereines zurück. Als „Bierboxer“ wurden in München die früheren Bullenbeißer bezeichnet, woraus sich der Name „Boxer“ für die neue Hunderasse weiterentwickelte. In München hat auch noch der heutige Boxer-Klub e.V. seinen Sitz, der 1895 seinen Status als eingetragener Verein erhielt. Im Jahr 1904 stellte der Verein den ersten Standard für den Deutschen Boxer auf, was er auch heute noch macht. Die Standards werden dann vom Fédération Cynologique Internationale (FCI) übernommen, womit der Deutsche Boxer eine international anerkannte Hunderasse ist.

2. Rassenmerkmale des Deutschen Boxers: Bullig und mittelgroß

Brabanter Bullenbeißer

Dabei handelt es sich um eine doggenähnliche Hunderasse, die heute ausgestorben ist und auch als Deutsche Bulldogge bezeichnet wurde. Auf diese Hundeart gehen Rassen wie die heutige Englische Bulldogge, der Ca de Bou und der Deutsche Boxer zurück.

Zu den wichtigsten Merkmalen eines Boxers gehört wohl seiner muskulöser Körper. Die Muskeln treten hervor, was seinem Körper ein starkes und kräftiges Aussehen verleiht. Der mittelgroße Boxer ist ein lebhafter Hund, der gern zum Sprung ansetzt und dabei eine elegante Figur macht. Sein Fell ist kurz, glatt und glänzend, was die Muskulatur noch plastischer hervortreten lässt.

Zu den in der Boxerzucht zugelassenen Farben gehören vor allem die vielen Gelbvarianten. Den Boxer gibt es aber in vielen Farben, die Nuancen reichen von hellgelb, über rotgelb bis hin zu Dunkelhirschrot. Außerdem gibt es gelb gestromte Boxer. Bei diesem ziehen sich in Richtung Rippe dunkle bis hin zu schwarze Streifen.

bulldogge sitzt auf wiese

Die Bulldogge ist mit dem Deutschen Boxer verwandt.

Klassisch ziert die Züge des Boxers eine schwarze Maske. Weiße Abzeichen an bis zu einem Drittel des Körpers sind zulässig, aber selten. Es gibt auch weiße und gescheckte Boxer, die aber nicht dem Standard entsprechen und deshalb nicht anerkannt sind.

  • Lebenserwartung: 10 bis 13 Jahre
  • Gewicht: Rüden: 30 – 32 kg, Hündinnen: 25 – 27 kg
  • Größe: Rüden: 57 – 63 cm, Hündinnen: 53 – 60 cm
Merkmal Boxer Bulldogge
Kopf Harmonisches Verhältnis zwischen Oberkopf und Fang, ohne Falten Relativ großer Schädel, breit und kantig,  feine Falten
Kiefer Unterbiss (Unterkiefer ragt über den Oberkiefer) Unterbiss
Augen Dunkel umrandet, mittelgroß Weit auseinander liegend, mäßig groß, rund
Körperbau quadratisch kompakt
Ohren Hoch angesetzt, fallen nach unten bis auf die Wangen, mittelgroß, bei Aufmerksamkeit fallen sie nach vorne Klein und dünn, möglichst hoch angesetzt

Achtung: Das Kupieren der Ohren (1987) und des Schwanzes (1998) ist in Deutschland verboten.

3. Das Wesen des Boxers: Selbstbewusst und lebhaft

deutscher boxer mit kupierten ohren auf wiese

Das Kupieren ist in weiten Teilen Europas verboten.

Der Boxer ist ein freundlicher Hund mit einem lebhaften Charakter. Entsprechend seiner Größe möchte er sich gern viel bewegen, wobei er am liebsten herumtollt und mit Vorliebe hüpft. Gern döst der Boxer aber auch seine 17 bis 20 Stunden am Tag vor sich hin, hält ein Nickerchen und schaut anderen bei der Arbeit zu. Die restlichen Stunden möchte er dann mit Bewegungsspielen, dem Apportieren und Kopfarbeit auf Trab gehalten werden.

Der Boxer ist ein Familienhund, der gut mit Kindern zurechtkommt, denn er weiß sich unterzuordnen. Unbedingt möchte er aber seine Menschen beschützen, ohne dass er bei vermeintlicher Gefahr umgehend aggressiv wird. Er hat gern alles im Blick und ist Fremden gegenüber dementsprechend vorsichtig. WEgen ihrer körperlichen und charakterlichen Eigenschaften sind Boxer auch als Mischlingshunde sehr beliebt.

4. Boxer bedürfen einer konsequenten Erziehung

Ein Boxer hat einen standhaften Charakter, hat Temperament und einen unbestechlichen Mut. Als Kampfhund verschrien, hat er zu Unrecht ein negatives Image erhalten. Er muss in jedem Fall bereits als Welpe konsequent erzogen werden, damit seine natürliche Schärfe nicht ins Negative umschlägt und seine Treue und Nervenstärke in die richtigen Bahnen gelenkt werden.

Dafür sollte der Boxer mit seinem Halter eine Hundeschule besuchen. Durch das gemeinsame Training wird die Beziehung zwischen beiden noch intensiver und der Halter erhält die Möglichkeit, seinen Hund, der über einen großen Dickkopf verfügt, zu erziehen. Auf Krampf trainieren lässt sich der Boxer nicht: Wenn ihm etwas nicht als schlau erscheint, dann lässt er es einfach. Ein wenig Geduld benötigen Halter, wenn bei einer Boxerhündin das erste Mal die Läufigkeit einsetzt. Dann sollte der Halter die Zügel etwas straffer als sonst halten halten.

Der Boxer kommt auch gut mit Kindern aus, jedoch benötigt das eine erfahrene Hand und Wissen zum Wesen des Boxers. Anfänger in der Hundehaltung sollten keinen Boxer wählen.

5. Boxer leiden oft an schweren Krankheiten

Der Deutsche Boxer ist leider ein sehr krankheitsanfälliger Hund. Er hat immer wieder mit verschiedenen Erkrankungen zu kämpfen, die Züchter aber seit einiger Zeit in den Griff zu bekommen versuchen. Die Ursachen liegen oft im Genpool begründet.

5.1. Hüftdysplasie (HD)

deutscher boxer mit hundespielzeug am strand

Zur artgerechten Haltung muss ein Boxer gefordert werden.

Bei einer Hüftdysplasie liegt der Kopf des Oberschenkelknochens nicht korrekt in der Gelenkpfanne. Die Erkrankung ist zumeist angeboren, wird aber durch eine zu große körperliche Belastung in den ersten Lebensmonaten in ihren Auswirkungen verschlimmert.

Je nach Ausprägung kann der Boxer, der durch seine Größe und sein Gewicht für diese Krankheit prädestiniert ist, fast ohne Symptome oder mit großen Schmerzen leben. Fast immer kommt es durch die Reibung von Knochen und Pfanne früher oder später zu einem Schmerzbild, das dem Boxer zu schaffen macht. Er möchte sich nicht mehr so gern bewegen und wird lahm. Die Hüftdysplasie ist nicht heilbar. Gegen die Schmerzen werden zumeist Schmerzmittel verabreicht.

5.2. Spondylose

Vor allem ältere Boxer erkranken an einer Spondylose. Es handelt sich um eine degenerative Erkrankung des Skeletts, bei der sich Teile der Wirbelsäule verknöchern und versteifen. Je nachdem wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist, kann der Boxer in seinem Alltag sehr eingeschränkt werden. Das Springen fällt schwer, Schmerzen, die in die Beine ausstrahlen, erschweren das Heben des Beines beim Urinlassen. Teilweise haben die Tiere Schwierigkeiten beim Kotlassen, weil sie ihren Rücken nicht mehr rund machen können. Die Verknöcherungen können auch auf bestimmte Nerven drücken, was sehr schmerzhaft sein kann.

Weitere Folgen können Bandscheibenvorfälle, chronische Schmerzen und Lähmungserscheinungen sein. Die Spondylose ist nicht heilbar, es können nur die Schmerzen mit Schmerzmitteln, Injektionen oder auch Akupunktur gemildert werden. Drücken die Verknöcherungen auf wichtige Nerven oder gibt es einen Bandscheibenvorfall, erfolgt ein operativer Eingriff.

5.3. Cauda Equina Syndrom

Wie die Spondylose ist auch das Cauda Equina Syndrom vor allem bei älteren Hunden anzutreffen. Bei der degenerativen neurologischen Erkrankung kommt es zu einer starken Einengung der Nervenwurzeln im Rückenmark. Das verursacht stärker werdende Schmerzen, es kommt zu Lähmungen.

Erste erkennbare Symptome für das Cauda Equina Syndrom ist ein nachlassender Bewegungsdrang, Inkontinenz, ein steifer und lahmender Gang. Bei leichten Krankheitsverläufen wird der Boxer mit Schmerzmitteln behandelt, schwerere Verläufe müssen operativ behoben werden. Nach der Operation und einiger Zeit für die Genesung kann der Hund im besten Fall wieder beschwerdefrei leben.

5.4. Magendrehung

Große Hunderassen mit einem tiefen Brustkorb sind besonders häufig von der Magendrehung betroffen, bei welcher der Magen sich ein Mal um sich selbst dreht. Dabei werden lebenswichtige Blutgefäße abgedrückt, so dass der Boxer bei einer fehlenden Not-OP daran stirbt.

Innerhalb weniger Sekunden bekommt der Hund einen aufgeblähten, prall gefüllten Bauch, der Hund hat sichtlich Schmerzen und hyperventiliert. Durch die Blockierung des Magens und der Gefäße werden die Schleimhäute sehr hell, fast weiß und alles, was der Boxer versucht, zu sich zu nehmen, wird sofort wieder erbrochen. In einer Not-OP wird der Magen in die natürliche Position zurückgebracht und fixiert. Um einen solchen Notfall zu verhindern, sollten Boxer keine großen Mengen Futter erhalten und nach dem Fressen ruhen, bevor es mit dem Toben weitergeht.

5.5. Dilatative Kardiomyopathie (DCM)

deutscher boxer mit baby auf sofa

Trotz seines selbstbewussten Charakters ist der Boxer ein Familienhund.

Wahrscheinlich auf einen genetischen Defekt geht die Herzmuskelerkrankung Dilatative Kardiomyopathie zurück. Dabei weitet sich das Herz, was wiederum zu einer Verringerung der Pumpleistung führt. Das kompensiert der Körper mit einer Erhöhung des Blutvolumens. So normalisiert sich der niedrige Blutdruck vorübergehend, bevor das Herz die starke Belastung nicht mehr tragen kann.

Viele Hunde sterben ohne vorherige Symptome an Herzversagen. Einige Tiere zeigen unklare Symptome, die ein Hinweis auf eine Kardiomyopathie sein können. Dazu gehört schnelleres Atmen, nachlassender Bewegungsdrang, blaue Schleimhäute oder sogar Ohnmachtsanfälle. Je nachdem, wie schnell die Kardiomyopathie erkannt wird und in welchem Stadium sich die Erkrankung befindet, kann der Boxer therapiert werden, auch wenn die Lebenszeit stark verkürzt werden kann.

5.6. Osteochondrosis dissecans (OCD)

Die Osteochondrosis dissecans tritt zumeist bei sehr jungen Hunden vor Vollendung des ersten Lebensjahres auf. Bei junge Hunden sind die Knochen noch nicht vollständig ausgehärtet. Erst mit der Zeit härtet Knorpelgewebe aus. Bei der OCD wächst das Gewebe bis über den Punkt der Verhärtung weiter, bis es dick wird und sich schließlich teilweise ablöst. Das Knorpelgewebe bewegt sich dann frei im Gelenk.

Boxer mit „Gelenkmaus“ laufen wegen des Schmerzes ungern und haben womöglich geschwollene Gelenke. Zur Behandlung werden erst einmal alle nicht-operativen Möglichkeiten abgeschöpft, bei zu starker Belastung wird das Knorpelgewebe jedoch operativ entfernt. Ursachen für die Osteochondrosis dissecans können u.a.  zu große Belastungen und Übergewicht, Verletzungen der Gelenke oder genetische Faktoren sein.

5.7. Inflammatory Bowel Disease

deutscher boxer welpe auf wiese

Der Körperbau des Boxers ist durch seine starken Muskeln definiert.

Bei der chronischen Darmentzündung hat ein Hund lebenslang mit Magen- und Darmbeschwerden zu kämpfen. Der Kot ist schleimig oder blutig und nach dem Füttern hat er Magenbeschwerden. Krämpfe und Erbrechen sorgen für eine verminderte Futterzufuhr, eine starke Gewichtsabnahme kann die Folge sein.

Wurde das Inflammatory Bowel Disease diagnostiziert, erhält der Boxer Medikamente, die die Entzündungen abklingen lassen sollen. Der Hund muss lebenslang Diät halten. Es ist bisher nicht klar, ob IBD immer genetisch bedingt ist, auch Futterunverträglichkeit und Allergien könnten im Spiel sein. Gilt letzteres, müssen auch Lebensmittel mit den auslösenden Elementen vom Futterplan gestrichen werden.

6. Boxer sollte man bei anerkannten Züchter kaufen

Auf der Internetseite des Verbands für das Deutschen Hundewesen gibt es einen guten Überblick über seriöse Züchter im ganzen Bundesgebiet. Außerdem gibt es hier Informationen zu den Boxervereinen, die weitere Auskünfte geben können.

Der Preis für einen Welpen liegt zwischen 1000 und 1400 Euro, wenn er von einem geprüften Züchtern stammt. Hinzu kommen die Kosten für ein Hundegeschirr, weiteres Zubehör und natürlich die laufenden Kosten für Futter, Versicherungen und den Tierarzt.

Diese Tiere sind gechipt, geimpft und entwurmt, zeigen durch ein nahes Aufwachsen am Menschen bereits ein gutes Sozialverhalten und bringen einen Stammbaum mit sich. Das ist sicher keine Garantie für absolute und immerwährende Gesundheit, aber ein erster Schritt dahin.

 

 

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