Wildkatze: Scheuer Jäger auf vier Pfoten

Wildkatze Felis silvestris
  • Die meisten Wildkatzenarten leben in naturnahen Wäldern oder Halboffenlandschaften. Wildkatzen sind sehr gut getarnt, sehr scheu und gehen dem Menschen aus dem Weg.
  • Weil die Europäische Wildkatze streng geschützt ist, konnte sich der Bestand etwas erholen. Heute ist sie in Deutschland in fast allen großen Waldgebieten heimisch.
  • Als alleinige Vorfahrin der heutigen Hauskatzen gilt die Afrikanische Wildkatze, auch Falbkatze genannt. Wie alle Wildkatzen ist auch die Falbkatze eine außerordentlich gute Jägerin.

Die Wildkatze gehört zu den echten Katzen, hat aber mit unseren heutigen Hauskatzen nur wenig gemeinsam. Sie kommt in mehreren Unterarten vor und ist vor allem in Europa verbreitet. Wildkatzenarten finden sich aber auch in West- und Zentralasien, in Afrika sowie in Indien. Die afrikanische Wildkatze gilt als Stammform der heutigen Hauskatze.

In unserem Ratgeber erfahren Sie, welche Wildkatzenarten unterschieden werden, wie Wildkatzen leben und alles, was es sonst noch zum Räuber auf vier Pfoten zu wissen gibt.

1. Die Wildkatze: Ein kleines Raubtier in unserem Wald

europaeische wildkatze

Die Europäische Wildkatze kommt auch in Deutschland vor. Schätzungen gehen hier von 6000 Exemplaren aus.

Wildkatzen gehören wie der Luchs zu den Raubtieren, die auch in Deutschland beheimatet sind. Sie gehören zur Familie der Katzen, sind aber sehr scheu und als normaler Waldbesucher bekommt man sie so gut wie nie zu Gesicht.

Im Gegensatz zu einem weit verbreiteten Irrglauben stammen Wildkatzen nicht von Hauskatzen ab. Es ist umgekehrt: Aus einer bestimmten Wildkatzenart haben sich unsere heutigen Hauskatzen entwickelt.

2. Steckbrief der drei Typen

Das große Verbreitungsgebiet der Wildkatze hat eine geordnete Systematik längere Zeit erschwert. Heute differenziert man drei Typen, die sich vor allem aufgrund des Verbreitungsgebietes aber auch aufgrund des Aussehens in unten stehendem Steckbrief unterscheiden lassen: die Europäische Wildkatze, die Afrikanische Wildkatze und die Asiatische Wildkatze.

Name Verbreitungsgebiet Körperbau Aussehen Besonderheiten
Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) Europa, Mittelmeerinseln, Südwestasien 3-5kg (weiblich); Gesamtlänge bis 97cm kräftig, buschiger Schwanz, dichtes Fell mit Streifen wird auch Waldkatze genannt
Afrikanische Wildkatze (Felis silvestris lybica) Afrika, Arabische Halbinsel, Südwestasien, Mittelmeerinseln Gewicht: 5-6kg, Gesamtlänge ca. 75cm sandfarbenes Fell, spitz zulaufender Schwanz, rötliche Ohr-Hinterseiten, schwaches Streifenmuster wird auch Falbkatze genannt
Asiatische Wildkatze (Felis silvestris ornata) Zentralasien, westliches Indien 3-4kg, Gesamtlänge bis 80cm gräulich-gelbes, rötliches Fell mit schwarzen bis rot-braunen Flecken, auch Streifen wird auch Steppenkatze genannt

3. Lebensraum der Wildkatze: Der scheue Jäger braucht Platz

Der Lebensraum der Wildkatze hängt von dem Kontinent ab, auf dem sie leben. Die Europäische Wildkatze wird nicht umsonst auch Waldkatze genannt, denn sie lebt vor allem in strukturreichen Laub- und Mischwäldern. Von dort aus startet sie ihre Streifzüge, die sie auch in die offene Kulturlandschaft führen – Brachen, Grünlandflächen und benachbarte Waldgebiete sind ergiebige Jagdgebiete. Allerdings ist die Europäische Wildkatze immer auf Deckung bedacht und nutzt daher vor allem Hecken, zugewucherte Wegränder und versteckreiche Ufer von Fließgewässern.

afrikanische wildkatze

Die Afrikanische Wildkatze (Falbkatze) gilt als Vorfahrin der heutigen Hauskatze.

Die Afrikanische Wildkatze ist vor allem in Nordafrika vorzufinden, mit Ausnahme der Wüstenregionen und tropischen Regenwälder. Sie lebt sehr gut angepasst und kommt in vielen Lebensräumen zurecht, ob Halbwüste oder Savanne. Weil das Nahrungsangebot stark vom jeweiligen Lebensraum abhängt und kleine Nagetiere nicht immer vorzufinden sind, ernähren sich Afrikanische Wildkatzen gelegentlich auch von Spinnen oder sogar Skorpionen.

Die Asiatische Wildkatze ist im Nahen Osten zuhause, bis ins westliche Indien und nach Zentralasien verbreitet. Auch in Nordwestchina und der Mongolei lebt sie, wobei der Kaukasus eine natürliche Grenze zwischen der Verbreitung der Europäischen und der Asiatischen Wildkatze bildet. Letztere kommt wie schon die Afrikanische Wildkatze mit verschiedenen Habitaten zurecht und ist sowohl in Wald- als auch Steppengebieten zuhause.

Die Graukatze: Die Graukatze ist eine seltene Unterart der asiatischen Wildkatze, unterscheidet sich aber deutlich von der „Steppenkatze“ und kommt natürlicherweise ausschließlich in China vor (endemisch). Echte Graukatzen sind sehr selten und über sie ist wenig bekannt.

4. Charakter und Verhalten der Wildkatze

Wildkatzen sind Einzelgänger und haben im Vergleich zu ihrer Körpergröße große Territorien. Ihr Streifgebiet umfasst bis zu 3.000 Hektar, wobei Männchen deutlich größere Aktionsräume nutzen als Weibchen. Allerdings grenzen sich die weiblichen Wildkatzen innerhalb ihrer Gebiete von etwa 800 Hektar deutlicher gegenüber Konkurrentinnen ab, die Streifgebiete der Kater überlappen oftmals.

wildkatze auf baumstamm

Wildkatzen verschlafen den Tag und gehen mit Beginn der Dämmerung auf Jagd

Wildkatzen sind sehr scheu, meiden die Nähe des Menschen und man bekommt sie in freier Wildbahn sehr selten zu sehen. Zudem sind Wildkatzen nachtaktiv und verschlafen den Tag meist in bodennahen Baumhöhlen, alten Bauten von Dachsen und Füchsen oder hoch oben auf Bäumen, wenn es sich anbietet.

Bei Dämmerung verlassen Wildkatzen ihre Schlafplätze und machen sich auf Nahrungssuche. Auf dem Speiseplan der Wildkatze stehen vor allem Kleinsäuger wie Mäuse und Kaninchenjunge, sie können aber auch Vögel erbeuten und sogar Hasen. Ist das Nahrungsangebot eher knapp, weichen Wildkatzen auch auf Eidechsen, Frösche und große Insekten aus.

5. Fortpflanzung und Aufzucht der Jungen

wildkatze kitten

Wildkatzen sind als Kitten fast nicht von Hauskatzen zu unterscheiden. Sie sind aber von Beginn an sehr scheu.

Die Paarungszeit liegt bei Wildkatzen normal zwischen Januar und März. Männliche Wildkatzen vergrößern in diesem Zeitraum ihr Streifgebiet, immer auf der Suche nach paarungswilligen Kätzinnen. Diese bringen nach einer Tragezeit von rund 68 Tagen zwei bis sechs Junge zur Welt, meist im April. Die Jungen sind wie bei Hauskatzen zu Beginn blind und relativ hilflos und sie lassen sich zu Beginn oft schwer von wildfarbenen Hauskatzenbabys unterscheiden.

Während ausgewachsene Wildkatzen kaum natürliche Feinde haben, fallen die Welpen bisweilen Füchsen oder Baummardern zum Opfer. Geht ein Wurf verloren, wird die Kätzin erneut paarungsbereit und kann bis in den September hinein wieder werfen. Für erwachsene Wildkatzen wird vor allem der zunehmende Straßenverkehr und die damit verbundene Zerstückelung ihres Lebensraums zum Problem. Waldkorridore können hier helfen, den Wildkatzen ein Netz an Waldgebieten zur Verfügung zu stellen.

Info: Wildkatzen lassen sich nicht „einfach“ zählen: Will man Wildkatzen nachweisen, muss man mit Tricks arbeiten. Forscher besprühen beispielsweise in den Boden gerammte Holzpflöcke mit Baldrianextrakt. Wie alle Katzen lieben auch Wildkatzen diesen Geruch und reiben sich am Holz, wobei sie Haare verlieren. Diese können genetisch untersucht und somit das Vorkommen von Wildkatzen nachgewiesen werden.

6. Die Wildkatze braucht aktiven Schutz, um die Population konstant zu halten

Projekt „Wildkatzensprung“

Im Projekt „Wildkatzensprung“ des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland wurde untersucht, wo Wildkatzen leben und wie viele Exemplare es gibt. Wildkatzen wurden in fast allen großen Waldgebieten Deutschlands mit Ausnahme von Thüringen und Teilen des Harzes nachgewiesen. Mehr Informationen zum Wildkatzen-Gen-Projekt finden Sie hier.

Ursprünglich war die Wildkatze sehr viel weiter verbreitet als heute, ist es aber durch Jagd und den Verlust von Lebensraum dezimiert worden. In Europa war sie zwischenzeitlich fast komplett verschwunden. Nur durch strenge Schutzmaßnahmen und Wiederansiedlungsprogramme konnte sich der Bestand wieder auf einige tausend Exemplare erholen.

In Deutschland gibt es heute noch etwa 6.000 Wildkatzen, manche Schätzungen gehen von bis zu 10.000 aus. Während die Vermischung mit Hauskatzen in Deutschland sehr selten ist (unter 2%), gibt es von der Afrikanischen und die Asiatischen Wildkatze häufiger Kreuzungen mit verwilderten Katzen und können von diesen oft nicht mehr gut unterschieden werden.

Ein großes Problem der Wildkatze ist neben dem Verlust von Lebensraum die hohe Sterblichkeitsrate unter den Katzenbabys. Nur im besten Fall überleben 25 Prozent der Wildkatzenbabys, also eins von vier Geschwistern, das erste Lebensjahr. Die Deutsche Wildtier Stiftung setzt sich wie auch andere Naturschutzverbände aus diesem Grund für weitere Schutzmaßnahmen ein, da die Reproduktionsrate der Wildkatzen so gering ist.

7. Die Falbkatze als Vorfahrin der heutigen Hauskatze

Zwar ähneln sich Wild- und Hauskatzen in einigen Merkmalen wie zum Beispiel Größe, Aussehen und Gewicht, allerdings gehen die Hauskatzen nur auf eine Wildkatzenart zurück – die Falbkatze. Das Fell fast aller Wildkatzenarten ist im Vergleich zur Hauskatze sehr dicht, der Schwanz deutlich buschiger und die Ohren sind meist von Pinselhaaren geschmückt.

afrikanische wildkatze (falbkatze)

Die Falbkatze ist sehr anpassungsfähig und jagt bei kleinem Nahrungsangebot auch große Insekten.

Der Schwanz endet zudem meist stumpf, hat weniger Ringe als der von Hauskatzen und der dunkle Aalstrich auf dem Rücken der Wildkatzen endet normalerweise an der Schwanzwurzel – bei Hauskatzen erstreckt er sich darüber hinaus. Wildkatzen sind Wildtiere. Sie lassen sich nicht zähmen oder als Haustier halten und können in Gefangenschaft nur dann weitgehend artgerecht gehalten werden, wenn man ihnen ein entsprechend großes Gehege (mehrere hundert Hektar) zur Verfügung stellt. Das ist in der Regel nur in Nationalparks möglich.

Europäische Wildkatze Tier des Jahres 2018: Um auf den Schutzbedarf aufmerksam zu machen, wurde die Europäische Wildkatze von der Deutschen Wildtier Stiftung zum Tier des Jahres 2018 gewählt.

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