Das Fjordpferd – Der Wikinger unter den Ponys

Fjordpferde
  • Das Fjordpferd wurde von den Wikingern als Lastentier genutzt.
  • Erst im 20. Jahrhundert fand es dauerhaft seinen Weg nach Deutschland.
  • Das Norweger-Pferd ist ein vielseitig nutzbares Pferd, das sowohl als Reitsportpferd wie auch Freizeitpferd genutzt werden kann.

Jede Pferderasse besticht durch ihren ganz eigenen Charakter und ein rassetypisches Aussehen. Fjordpferde gehören zu den gemütlichen Rassen, die schwer tragen können und dabei immer gelassen und bedacht bleiben.

Im hohen Norden brauchten sie diese Gelassenheit als Arbeitspferde. Heute macht sich diese Charakterstärke bezahlt, wenn die Norweger-Pferde als Therapiepferde oder Pferde für den Kinderreitunterricht eingesetzt werden. Erfahren Sie hier alles über die Vorteile des robusten Ponys und was Sie bei der Anschaffung beachten sollten.

1. Geschichte der Fjordpferde: Lastenträger der Wikinger

fjordpferd am ufer eines fjords

Im wilden Westen Norwegens sind die Fjordpferde zu Hause.

Wie der Name der Pferderasse es bereits andeutet, sind die Fjordpferde im hohen Norden zuhause. Die Wikinger nutzten die Vorfahren des heutigen Fjordpferdes in Norwegen als Arbeitstiere. Durch ihren kompakten Bau konnten sie sich an den steilen Fjorden und in dem unwegsamen Gelände besonders gut bewegen.

Als die Wikinger sesshafter wurden, wurden die Fjordpferde immer stärker in der Landwirtschaft eingesetzt. Auch heute noch sind viele Regionen an der Westküste Norwegens schwer zu erreichen und mit herkömmlichen landwirtschaftlichen Geräten schwer zu bearbeiten. Deshalb wird das Fjordpferd hier noch immer als Arbeitspferd eingesetzt, unter anderem, um Holz zu rücken.

Versuche, die kleine Rasse größer zu züchten, sind fehlgeschlagen. Die grazilere Statur ging immer zu Lasten des ruhigen Charakters der Tiere und der Lernwilligkeit. Deshalb wurden die Tiere nach Einkreuzungen von anderen Pferderassen bisher immer wieder auf das Original zurückgezüchtet. So gehört das Fjordpferd zu den Pferderassen, die in Reinzucht gezogen werden.

Nach Deutschland gelang das Norweger-Pferd zur Jahrhundertwende. Es erfreute sich dort großer Beliebtheit, weil es wenig Futter bei konstanter Leistung benötige. Nach den späteren Kriegsjahren und einem hohen Verlust an einheimischen Pferden wurde dieser Vorteil noch wichtiger.

2. Eigenschaften und Merkmale des Norweger-Pferdes: Kompakt und gesund

Das Fjordpferd gehört zu den kleinen Ponyrassen. Es verfügt über einen kompakten, stämmigen Körper und starke Beine. Diese robuste Statur macht es dem Pferd leichter als größeren Rassen, sich in steilem oder unwegsamem Gelände fortzubewegen. Der Kopf des Fjordpferdes ist groß, die Stirn ist breit und flach. Als Lastpferd verfügt es über einen gut bemuskelten Rücken und eine breite Brust, die einiges an Gewicht aushalten kann.

Falbe

Falben sind Pferde, die immer eine helle Fellfarbe und eine dunklere Mähne haben. Außerdem müssen die Tiere Wildfarbigkeitsabzeichen tragen. Diese Pferde tragen das Wildtyp-Allel, was ihnen das ursprüngliche Aussehen gibt.

Ob Grau, Braun oder Rot: Die Farben des Falbpferdes variieren immer im Falben-Spektrum:

  • Hellfalbe
  • Braunfalbe
  • Hellbraunfalbe
  • Dunkelbraunfalbe
  • Graufalbe
  • Rotfalbe
  • Gelbfalbe
  • Weißfalbe

Die lange Mähne wird traditionell kurz geschnitten und als Stehmähne getragen. Dies betont den Aalstrich und bringt die Zweifarbigkeit der Mähne noch besser zur Geltung.

Steckbrief
Stockmaß (Größe) 135 – 150 cm (Die Stute ist etwas kleiner)
Gewicht ca. 375 kg
Farbe Falben
Gangarten verstärkt Schritt und Trab, aber auch Galopp
Hauptzuchtgebiet/ Verbreitung Norwegen/ Europa
Lebenserwartung ca. 30 Jahre

Info: Fjordpferde dürfen keine weißen Abzeichen tragen, wenn sie als Rassepferde anerkannt werden sollen.

3. Wesen der Fjordpferde: In der Ruhe liegt die Kraft

drei reiter auf norweger pferden

Ihr kompakter Körperbau macht sie zu guten Anfängerpferden für Kinder.

Das Pony gehört zu den ruhigen Pferdearten. Fjordpferde sind sehr ausgeglichen und lassen sich durch kaum etwas aus der Ruhe bringen. Ihr sanftes Wesen sicherte schon den Wikingern das Überleben, wenn die kleinen Pferde Vorräte und Materialien vorbei an steilen Abhängen und durch eine schroffe Landschaft transportierten.

Dabei ist das Pony sehr gelehrig und wird deshalb auch als Therapiepferd eingesetzt. Es mag den Umgang mit dem Menschen sehr und sucht deshalb auch bewusst dessen Nähe.

4. Haltung und Einsatzfelder der Fjordpferde: Vielseitigkeit als Trumpf

gruppe von fjordpferden

Fjordpferde sind ruhige Seelen, die auch schwere Lasten tragen können.

Das norwegische Klima hat die Fjordpferde sehr anpassungsfähig gemacht, sodass sie das ganze Jahr über auf der Weide stehen können. Im Sommer wie im Winter benötigen sie jedoch einen überdachten Platz, den sie zum Schutz vor zu starker Sonneneinstrahlung oder anderen extremen Witterungslagen aufsuchen können. Der Stall oder die Pferdebox sollte eher zu kalt als zu warm sein, denn Norweger lieben kühlere Temperaturen. 

Norweger-Pferde können vielseitig eingesetzt werden:

  • Familien- und Freizeitpferd: Besonders beliebt ist das Fjordpferd als Freizeitpferd. Es eignet sich für lange Ausritte und Wanderritte, besteht aber auch im Distanzreiten und Rallyes.
  • Therapiepferd: Das entspannte Pferd wird auch in Deutschland gern zum therapeutischen Reiten eingesetzt.
  • Arbeitspferd: Insbesondere in Norwegen werden sie noch immer als Reit- und Packtiere sowie zum Wagenziehen eingesetzt.
  • Dressur- und Turnierpferde: Trotz dem geringen Stockmaß sieht man Fjordpferde immer öfter in Wettbewerben. Vor allem bei Fahrwettbewerben machen sie eine gute Figur, sie können aber auch hervorragend springen.
  • Kinderreitpferde: Durch die geringe Höhe und sein ruhiges Wesen eignet sich das Pony hervorragend für den kindgerechten Reitunterricht.

Ob die Pferde zur Freizeitgestaltung oder zum professionellen Sport gehalten werden, immer benötigen sie den Kontakt zu Artgenossen, weshalb die Tiere niemals einzeln gehalten werden sollten. Außerdem benötigen sie eine Aufgabe, das sie sonst unterfordert sind.

Als Lasttiere kann ein norwegisches Fjordpferd einiges an Gewicht tragen, wenn sie in einem gesunden Zustand sind und der Rücken gut bemuskelt ist. Wichtiger als das Gewicht des Reiters ist dabei die Reiterfahrung: Ein wenig erfahrener Reiter kann dem Rücken des Pferdes eher zusetzen als ein erfahrener Reiter in einer guten Reitposition.

4.1. Ernährung: Weniger ist mehr

fjordpferd im schneetreiben

Als Norweger-Pferde mögen sie die kühleren Temperaturen.

Es gibt ein weit verbreitetes Vorurteil gegenüber Ponys: Sie sind behäbig und verfressen. Tatsächlich sind die Fjordpferde nicht faul, sondern ruhen in sich. Jedoch fressen sie sehr gern und ausgiebig. Wir dem nicht Einhalt geboten, neigen sie zu Übergewicht, was sich auf die Knochen schlägt.

Deshalb sollten sie wenn möglich nicht auf fetten Weiden stehen, wo sie sich nach Belieben den Bauch vollschlagen können. Grundsätzlich reicht den kleinen Pferden Raufutter in Form von Heu und Stroh, mineralische Zusätze und ein Salzleckstein aus. Noch etwas frisches Wasser und das Fjordpferd ist rundum gut versorgt.

4.2. Bewegung: Höchstleistungen möglich

reiterin springt mit fjordpferd über baumstamm

Fjordpferde sind vielseitig und können auch gut in Wettbewerben bestehen.

Wie viel Bewegung ein Pferd im Allgemeinen benötigt, ist eine höchst umstrittene Frage. Allgemein lässt sich sagen, dass Pferde in ihrer natürlichen Umgebung bis zu 16 Stunden am Tag in einer langsamen Schrittart unterwegs sind. Eher selten verfallen sie in einen Galopp.

Zumindest im Sommer, wenn die Pferde auf die Wiesen können, sollten sie das möglichst ganztägig machen können. Steht auch im Winter eine Weide zur Verfügung, ist das umso besser. Der Normalfall ist es aber, dass die Pferde im Winter im Stall stehen. Ob Warmblüter oder Kaltblüter, Besitzer sollten die Tiere dann möglichst oft aus dem Stall holen, um sie bei einem längeren Schrittspaziergang zu bewegen.

Fjordpferde sind ein raues Klima gewöhnt, weshalb man sie ohne Probleme auch im Winter auf der Weide lassen kann, wenn dies möglich ist. Paddocks, befestigte Ausläufe für Pferde, sind eine Alternative. Die Paddocks sollten ausreichend Fläche, aber auch die Möglichkeit der sozialen Interaktion bieten. Denn neben Bewegen und Fressen ist das Spielen und Balgen mit den Artgenossen die wichtigste Tagesbeschäftigung der Pferde.

In Bezug auf Fjordpferde lässt sich sagen, dass sie selten als Reitsportpferde gehalten werden und deshalb keinem strengen Bewegungs- und Trainingsplan unterliegen. Die kleinen Ponys müssen auch nicht übermäßig oft ausgeritten werden, die gleichmäßige Bewegung im Schritttempo ist für Norweger viel wichtiger.

4.3. Pflege: Kerngesundheit bei artgerechter Haltung

Wird das Fjordpferd im Stall gehalten, sollte es täglich gestriegelt werden. Wenn es ganzjährig im Freiland gehalten wird, ist nur alle paar Tage striegeln notwendig. Enorm wichtig ist hingegen die tägliche Hufkontrolle. Der Schmied sollte mindestens alle acht Wochen nach dem Pferd sehen und die Hufe pflegen.

Bei zu wenig Bewegung und schlechter Pflege treten oft folgende Erkrankungen auf:

  • Hufrehe (Laminitis): Dabei handelt es sich um eine aseptische keimfreie Entzündung der Klauenlederhaut. Sie tritt insbesondere durch Fütterungsfehler und eine Überernährung, zu wenig Bewegung und/oder Weidehaltung auf. Vor allem Pferde, die eine energiearme Ernährung benötigen (Haflinger, Islandpferde, Fjordpferde und viele andere Ponys) werden durch zu energiereiche Weidefütterung krank. Alle Ursachen für die Hufrehe sind noch nicht bekannt.
  • Mauke: Bei diesem Fesselekzem entstehen Knötchen, Bläschen und blutiger Schorf. Folgt ein Pilz- oder Bakterienbefall, bildet sich an den Fesseln zudem ein schmieriger Belag. Die Ursache für Mauke können Ernährungsfehler sein.
  • Sommerekzem: Eine Überfütterung und zu wenig Bewegung können auch Ursachen für eine allergische Reaktion auf Mückenstiche sein. Dann reagieren die betroffenen Pferde, „Ekzemer“, mit schmerzenden Exzemen, schuppiger Haut, Unruhe, Verkrustungen und nässenden Wunden.

Fjordpferde sind spätreif, was bedeutet, dass sie erst mit etwa sieben oder acht Jahren ihr endgültiges Stockmaß erreichen und ausgewachsen sind. Ein Training oder die Ausbildung sollte deshalb frühestens mit etwa fünf Jahren beginnen.

5. Fjordpferd kaufen: Kosten im Blick behalten

fjordpferd fohlen mit mutter auf weide

Fjordpferde sind wahre Spätzünder: Es braucht viele Jahre, bis sie ihre endgültige Größe erreicht haben.

Auch in Deutschland gibt es Züchter für Fjordpferde. Die Interessengemeinschaft Fjordpferd e.V. bietet einen Überblick über die seriöse Fjordpferdezucht nach Bundesländern an.

Bei der Überlegung, ein Fjordpferd zu kaufen, sollten neben den einmaligen Kosten für die Anschaffung unbedingt auch die laufenden Kosten berücksichtigt werden.

5.1. Anschaffungspreis

Der Preis für ein norwegisches Fjordpferd ist sehr unterschiedlich. Zum einen hängt es davon ab, wie alt das Tier ist und wie gut es trainiert ist. Ein untrainiertes Fohlen kostet weniger als ein mehrfacher Preisträger bei Wettbewerben. Einen weiteren Preisunterschied macht der potenzielle Einsatz des Norwegers: Für ein Freizeitpferd zahlt man durchschnittlich weniger als für ein Reitsport- oder Therapiepferd.

Zudem ist zwischen Hengst und Wallach zu unterscheiden. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn ein Norweger-Pferd für die Zucht gesucht wird. So variieren die Preise zwischen 750 Euro für ältere Tiere und bis zu 5.000 Euro für den reinrassigen Wallach.

5.2. Haltungskosten

Neben den Anschaffungskosten sollten bei Pferden auch die monatlichen bzw. jährlich anfallenden Kosten nicht außer Acht gelassen werden. Diese variieren je nach dem Standort und der Nutzung des Pferdes.

  • Stallmiete: In der Nähe von Großstädten kann die monatliche Miete für einen Stall sehr hoch, in ländlichen Gegenden eher gering ausfallen. Neben dem Standort ist auch die Ausstattung entscheidend. Ein Offenstall mit einfacher Haltung kostet weniger Geld als ein Pensionsstall. Bei letzterem sind in den Kosten zumeist auch das Futter, die Benutzung des Reitplatzes und weitere Pflegeservices enthalten. So kann die Stallmiete zwischen 100 und 500 Euro variieren.
  • Hufschmied: Alle sechs bis acht Wochen pflegt der Schmied die Hufen des Tieres. Die Kosten dafür betragen je nach Aufwand zwischen 30 und 100 Euro pro Monat.
  • Besuch von Veterinär- und Pferdezahnarzt: Für die jährlich anfallenden Impfungen sollten etwa 150 Euro kalkuliert werden. Hinzu kommen etwa 130 Euro für den jährlichen Pferdezahnarzt.
  • Pferdehaftpflichtversicherung: Etwa 100 Euro pro Jahr kostet die Haftpflichtversicherung für Pferde bzw. Ponys.
  • Reitunterricht: Je nach dem Ziel und der Häufigkeit des Reitunterrichts und des Trainings können die Kosten hier stark variieren. Eine einfache Gruppenstunde kann zwischen 15 und 20 Euro kosten, Dressurtraining kann wiederum mit bis zu 50 Euro pro Stunde zu Buche schlagen. Einzelstunden sind zudem teurer als Gruppenstunden. Zu den Reitstunden kommen oft die Kosten für die Mitgliedschaft in einem örtlichen Reitverein.
  • Ausrüstung: Sattel, Zügel, Knebel – Pferd und Reiter müssen je nach Bedarf ausgestattet sein. Durchschnittlich sollten dafür 300 Euro pro Jahr einberechnet werden.
  • Rücklagen: Bei unvorhergesehenen Erkrankungen, dem Wechsel des Reitstalls oder mehr Ausgaben für Materialien sollten immer Rücklagen vorhanden sein.
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