Kaltblüter: Die sanften Riesen im Portrait

  • Kaltblüter sind große, muskulöse Pferde, die ihren Ursprung als Arbeitstiere in der Land- und Forstwirtschaft haben.
  • Mit ihrem imposanten Auftreten werden sie bis heute gerne als Kutschpferde besonders bei Festumzügen eingesetzt.
  • Sie haben ein sanftes und freundliches Wesen. Mit ihrer gutmütigen Art sind sie auch als Freizeit- und Familienpferd sehr beliebt.

Kaltblüter sind große, ausgeglichene Pferde. Trotz ihres massigen Körpers haben sie ein ruhiges Temperament. Deswegen werden sie auch gerne als die “sanften Riesen” unter den Pferden bezeichnet. Ihren Ursprung haben sie als Arbeitstiere und werden bis heute vorrangig als Kutschenpferde eingesetzt.

Im folgenden Artikel erfahren Sie, was ein Kaltblut auszeichnet, wofür sie sich eignen und was es mit ihrem “kalten” Blut eigentlich auf sich hat. Sie erhalten zudem alle Informationen über die freundlichen Pferde, ihr Aussehen und welche Rassen zu den Kaltblütern zählen.

1. Kaltblüter sind eine imposante Erscheinung

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Groß, muskulös und sanftmütig – Kaltblüter sind imposante Pferde.

Sie haben eine dicke Mähne und voluminösen Schweif. Ihr kräftiger Körperbau ist muskulös und massiv, ihr imposanter Kopf stämmig. Zu den Kaltblütern zählen die größten und kräftigsten Pferderassen der Welt. Besonders charakteristisch ist ihr häufig üppiger Behang an den Fesseln.

So gigantisch die Pferde auch wirken, so sanft ist auch ihr Gemüt. Sie lassen sich nur ungern aus der Fassung bringen, bleiben stets freundlich und ruhig. Diese Eigenschaften sind wichtig für ihren Einsatz als Arbeitstiere, die stets verlässlich bleiben müssen. Sie sind robust, halten auch kaltes Wetter aus, und sind sehr umgänglich.

2. Die Entstehung der Kaltblüter ist ungewiss

Über die genaue Entstehung der Kaltblüter ist leider wenig bekannt. Bereits vor vielen Jahrtausenden wurden Pferde domestiziert und als Trag- und Zugpferde eingesetzt. Pferde haben als Reit-, Abreits- und Lasttiere die Geschichte der Menschheit bedeutend mitgeprägt. Manche Forscher vermuten, dass die nordeuropäischen Waldpferde zu den Vorfahren der heutigen Kaltblüter zählen.

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Kaltblüter sind Arbeitspferde und wurden ursprünglich viel bei der Feldarbeit eingesetzt.

Mit Fortschreiten der Pferdezucht wurden die Einsatzgebiete der Rassen immer spezialisierter und so kam es zu einer Aufteilung in schwere und robuste Arbeitspferde sowie schnelle, wendige Reitpferde. Die Kaltblutrassen wurden vorwiegend in der Land- und Forstwirtschaft eingesetzt, da sie sehr leistungsfähig sind, aber auch eine enorme Gutmütigkeit besitzen. Zudem werden und wurden sie traditionell als Kutsch- und Transportpferde eingesetzt.

2.1. Kaltblüter haben kein “kaltes Blut”

Der Begriff “Kaltblut” bedeutet nicht, dass die Tiere eine niedrige Körpertemperatur haben: Pferde sind wie alle Säugetiere gleichwarme Tiere und haben eine durchschnittliche Körpertemperatur von 38 Grad Celcius.

Man unterscheidet vier verschiedene Pferdetypen:

Pferdetyp Merkmale
Kaltblut große, kräftige Arbeitspferde
Warmblut Dressur-, Spring- und Freizeitpferde
Vollblut schlanke Rennpferde
Ponys Kleinpferde (Widerristhöhe bis 148 Zentimeter)
Rassen Pferd Geschirr Arbeitspferd

Ein Ardenner bei der Forstarbeit.

Die Bezeichnungen Kalt-, Warm- und Vollblut beziehen sich auf das Temperament der Pferde:  Kaltblüter haben ein ruhiges und gelassenes Gemüt. Vollblüter sind im Gegensatz sehr heißblütige, flinke Rennpferde, die auf eine lange und geschlossene Zuchttradition zurückgehen. Dazu zählen vorrangig Araber und das englische Vollblut.

Warmblüter sind wiederum eine Mischung aus beiden Typen und als Freizeit- und Sportpferd sehr beliebt. Äußerlich werden sie als kompakte, leicht gebaute Pferde beschrieben. Allerdings gibt es auch hier kräftiger gebaute Rassen, wie den Friesen, der eher an ein Kaltblut erinnert.

2.2. Mit der Technologisierung ging die Kaltblutzucht zurück

Waren Kaltblüter in den vergangenen Jahrhundert noch sehr stark vertreten, ging ihr Bestand ab Mitte des 20. Jahrhunderts stark zurück. Die maschinellen Fortschritte machten den Einsatz der Kaltblutpferde mehr und mehr überflüssig. Es gab keinen Bedarf mehr an den Tieren und sie wurden immer weniger gezüchtet.

Mittlerweile sind einige Kaltblutrassen sogar vom Aussterben bedroht, die meisten Rassenbestände gelten jedoch als gesichert. In den letzten Jahrzehnten haben sich einige engagierte Pferdezüchter für den Erhalt dieser alten Rassen verstärkt eingesetzt.

 Kaltblut Hengst

Der Noriker ist ein alte österreichische Kaltblutrasse.

Zu den gefährdeten Rassen gehören:

  • Noriker
  • Pfalz-Ardenner Kaltblut
  • Rheinisch-Deutsches Kaltblut
  • Schleswiger Kaltblut
  • Schwarzwälder Kaltblut
  • Süddeutsches Kaltblut

3. Kaltblüter haben eine Tradition als Arbeits- und Kutschenpferde

Kaltblüter haben ursprünglich in der Landwirtschaft geholfen, die Äcker zu pflügen oder Lebensmittel, Rohstoffe und Personen zu transportieren. Auch in der Forstwirtschaft wurden die starken Pferde eingesetzt, um Baumstämme zu ziehen. Im Mittelalter dienten sie darüber hinaus als Kriegspferde, weil sie kräftig genug waren, Ritter in voller Montur zu tragen.

Achtung: Heutzutage weiß man, dass Kaltblüter eigentlich keine guten Gewichtsträger sind und sich deswegen zum Reiten weniger eignen. Ihr massiger Körperbau wirkt, als ob sie auch schwere Reiter problemlos tragen könnten. Jedoch müssen ihre Beine bereits genug Eigengewicht tragen, sodass viel zusätzliches Gewicht nicht gut für die Tiere ist. Ihre Stärke ist das Ziehen!

3.1. Das Ziehen von Kutschen oder Baumstämmen bereitet ihnen keine Probleme

Zucht für Pferdefleisch

Eine weitere, nicht so schöne Verwendung mancher Kaltblüter ist die Schlachtung: Es landen zwar viele Pferde irgendwann beim Schlachter, wenn sie ausgedient haben, jedoch gibt es nur wenige Pferderassen, die speziell gehalten werden, um ihr Fleisch zu verkaufen. Die Ardenner sind eine solche Rasse, die vorwiegend zur Mast gezüchtet werden. Sie haben einen sehr guten Fleischansatz und bringen locker ein Gewicht von 800 bis 1.000 Kilo auf die Waage.

Kaltblüter werden nach wie vor als Zugpferde eingesetzt. Manche land- und forstwirtschaftlichen Betriebe verwenden auch heute noch solche Pferde, wenn der Einsatz von Maschinen nicht möglich ist. Die Tiere meistern selbst unebenes Gelände oder steile Hänge, sind wendig und zuverlässig.

Die wohl bekannteste Anwendung finden die Pferde als Kaltblutgespann vor prächtig geschmückten Festwägen. Bei keinem Oktoberfest dürfen die Brauereipferde beim Einzug auf das Festgelände fehlen. Dank ihrer ruhigen Art, bleiben sie auch bei großem Trubel ruhig, lassen sich streicheln und sorgen immer wieder für Begeisterung beim Publikum.

3.2. Sie eignen sich gut als Freizeitpferd

Auf Fahrturnieren sind Kaltblüter Meister vor der Kutsche.

Für Dressur und Springreiten sind Kaltblüter nicht geeignet. Sie bewegen sich gerne im Schritt, sind gelassen und gemächlich. Für einen entspannten Freizeitritt in die Natur sind sie hingegen der ideale Partner.

Auch im Turniersport bei fahrenden Wettbewerben, wenn schwere Kutschen gezogen werden müssen, sind Kaltblüter anzutreffen. Manchmal überraschen sie auch als Showpferde mit eleganten Bewegungen das Publikum, jedoch ist das eher die Ausnahme. Als Dressurpferd im Turniersport haben es die mächtigen Tiere gegenüber den kleineren und wendigeren Warmblütern deutlich schwerer.

4. Kaltblüter sind die größten Pferderassen

Rekordpferde

Angeblich war das größte Pferd der Welt ein Shire Horse aus dem 19. Jahrhundert. Der Wallach Sampson soll ein Stockmaß von 2,19 Meter gehabt haben. Ob diese Angabe wirklich stimmt, gilt jedoch nicht als gesichert. Das größte lebende Pferd ist laut dem Guiness Buch der Rekorde der Brabanter Big Jake mit einer Widerristhöhe von 2,10 Meter.

Insgesamt unterscheidet man weltweit 36 Kaltblutrassen. Dazu zählt auch die größte Pferderasse der Welt: das Shire Horse mit einer Widerristhöhe von durchschnittlich 178 Zentimeter. Sie können allerdings auch noch deutlich größer sein und erreichen manchmal ein Stockmaß von über zwei Metern. Zu den kleinsten Kaltblütern zählen das Schwarzwälder Kaltblut (Stockmaß 148–160 Zentimeter) sowie der österreichische Noriker (155–165 Zentimeter).

Eigentlich ist der Haflinger die kleinste Kaltblutrasse. Allerdings wird er mit einem Stockmaß von 138–150 Zentimetern offiziell zu den Ponys gezählt.

In der folgenden Übersicht stellen wir Ihnen repräsentative Arten der Kaltblüter vor:

Rasse ursprung/Stockmass
Ardenner Belgien, Frankreich / 155–162 Zentimeter
Brabanter Belgien / 165–173 Zentimeter
Bretone Frankreich / 150 – 160 Zentimeter
Clydesdale Schottland / 163–193 Zentimeter
Jütländer Nordeuropa, Dänemark / 158–165 Zentimeter
Niederländisches Kaltblut Niederlande / 160–170 Zentimeter
Noriker Österreich / 155–165 Zentimeter
Percheron Frankreich / 155–172 Zentimeter
Poitevin  Frankreich / 160–175 Zentimeter
Rheinisch-Deutsches Kaltblut Nordrhein-Westfalen / 158–170 Zentimeter
Schleswiger Kaltblut Schleswig-Holstein, Dänemark / 156–162 Zentimeter
Schwarzwälder Kaltblut / Schwarzwälder Fuchs Deutschland / 148–160 Zentimeter
Shire Horse Großbritannien / 165–180 Zentimeter
Süddeutsches Kaltblut Bayern / 160–165 Zentimeter

5. Kaltblüter sind genügsame Freizeit- und Familienpferde

Kaltblut Geschirr Hengst Stute

Immer wieder eine Attraktion: Festlich geschmückte Brauereipferde.

Wenn Sie sich überlegen, einen Kaltblüter zu kaufen, sollten Sie sich vorher gut überlegen, was Sie mit dem Pferd vorhaben. Viele Freizeitreiter schätzen das ruhige Gemüt der Pferde und nutzen sie für gemütliche Ausritte. Schon lange werden die Tiere nicht mehr ausschließlich als Arbeitspferde eingesetzt. Auch als prächtige Kutschpferde sind sie nach wie vor sehr beliebt, weil sie zuverlässig und motiviert im Geschirr laufen.

Auch in der Haltung sind die robusten Pferde sehr genügsam. Am meisten freuen sie sich, wenn ein offener Stall und eine große Weide vorhanden sind. Wenn Sie allerdings auf der Suche nach einem leistungsstarken Dressur- oder Springpferd sind, ist ein Kaltblüter nicht die richtige Wahl. Er kommt zwar mit Sattel und Trense sehr gut aus, aber für die höhere Reitschule ist er meist nicht geeignet.

Ein Reiterwettbewerb, Bodenarbeit oder schöne Touren durch das Gelände sind mit den liebenswerten Tieren sehr gut machbar. Sie arbeiten gerne mit dem Menschen, sind trittsicher und damit auch als Familienpferd eine gute Wahl.

Wie bei allen Pferden ist es wichtig, dass Sie auf eine artgerechte Haltung und die jeweiligen Ansprüche Ihres Tieres achten. Sie und Ihr Pferd müssen sich wohlfühlen und zueinander passen, dann wird er Ihnen ein zuverlässiger und gutmütiger Begleiter sein.

 

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