Der Haflinger: Das nervenstarke und gutmütige Anfängerpferd

haflinger pferde
  • Haflinger sind sanftmütig, großherzig, trittsicher – und sie haben Nerven wie Drahtseile. Das perfekte Anfängerpferd.
  • Der Haflinger gehört zu den beliebtesten Pferderassen Deutschlands, was er unter anderem auch seiner Vielseitigkeit zu verdanken hat. Ob Sport, Arbeit oder Freizeit – diese Pferderasse ist ein echtes Allroundtalent.
  • Haflinger neigen dazu, sich bei falscher Fütterung schnell Fettpölsterchen anzufuttern. Wenn es gut schmeckt, können die Tiere gerne auch mal etwas zu gierig sein.

Der Haflinger trägt seine Herkunft im Namen – denn er stammt ursprünglich aus einem kleinen Dorf namens Hafling in TirolUrsprünglich wurde er im steilen Gebirge auf den Hochalmen der südtiroler Alpen als Zug- und Saumpferd verwendet, mittlerweile ist das Pony aber ein vielseitig genutztes Sportpferd, das nur so vor Energie strotzt.

In diesem Artikel können Sie alles nachlesen, was Sie über Haflinger wissen müssen. Sie erhalten einen Überblick über die Zuchtgeschichte der Kaltblüter und erfahren auch, in welchen Bereichen diese Pferde eingesetzt werden können und mit welchen vielfältigen Fähigkeiten und Charaktereigenschaften sie punkten. Am Schluss fassen wir dann noch einmal alle wichtigen Informationen und Merkmale in einem ausführlichen Tiersteckbrief für Sie zusammen.

1. Zuchtgeschichte: Das steckt hinter der beliebten Pferderasse

1.1. Wo der Haflinger herkommt

Die 700 Seelen kleine Gemeinde Hafling liegt auf dem Hochplateau des Tschöggelbergs in luftigen 2.000 Metern Höhe. Dieser Ort ist die Heimat der Haflinger Pferde, was sich auch am Namen der Tiere zeigt. Übrigens ist auch der Name „Aveligneser“ für diese Pferderasse nicht unüblich, denn durch die Italianisierung Haflings wurde die Ortschaft in Avelengo umbenannt.

haflinger gebirgspferd

Haflinger wurden eigens für die harschen Bedingungen in den Alpen gezüchtet

Da früher viele Orte in diesem Gebiet Tirols aufgrund der Höhenlage nur mühsam zu Fuß oder über Saumpfade zu erreichen waren, benötigte man passende Tiere: Lasttiere, mit denen man die steilen Wege für Menschen und die zu transportierenden Lasten bestreitbar machen konnte. Die Einheimischen arbeiteten an der Züchtung eines spezifischen Tieres – und so entstand die Spezies des Haflingers. Die eher dürftigen Futterverhältnisse, die in dieser Gegend herrschten, ließen daher ein robustes, relativ anspruchsloses, kleines, aber kräftiges Gebirgspferd entstehen, das perfekt an die dortigen Bedingungen angepasst war.

1.2. Seine Verbreitung in Europa

Vor allem in Italien wurden seither zahlreiche Zuchtverbände gegründet, die sich auf das Züchten von Haflingern bzw. Avelignesern spezialisierten. Und auch in Österreich stieg nach dem Ersten Weltkrieg die Nachfrage nach den kleinen, kräftigen Vierbeinern an, denn die damalige Wehrmacht hatte einen stetig steigenden Bedarf an belastbaren Tragtieren.

Bereits vor dem Ersten Weltkrieg wurden die Kaltblut-Pferde auch nach Bayern exportiert. Aufgrund der perfekten Eignung der Tiere für schwere Lastentransporte und als Zugtiere für Wagen, begann man schon bald mit dem züchterischen Aufbau und der Reinzucht in Deutschland. Vor allem für das Militär wurden die Pferde damals eingesetzt, weswegen der Absatz nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges auch drastisch zusammenbrach.

Doch auch in anderen Ländern erkannte man den Nutzen der Haflinger Pferde und begann, die Kaltblut-Pferde zu züchten. So gibt es auch Vereine in Großbritannien, der Schweiz, Frankreich und zahlreichen weiteren Ländern. Heute verfügt die sogenannte „Welt Haflinger Vereinigung“ über Zuchtvereine auf vier Kontinenten, in 22 Nationen dieser Erde.

Tipp: Eine Übersicht über Haflingerzucht-Vereine und Züchter finden Sie im Internet unter www.original-haflinger.de.

2. Charakter und Eleganz: Der Haflinger ist ein Allrounder

Durch die eher schwierigen Bedingungen, in denen der Haflinger gezüchtet wurde und an die er sich anpassen musste, hat sich ein Reittier entwickelt, das über zahlreiche unterschiedliche Charaktermerkmale verfügt.

Was bedeutet Cob?

Dem Begriff „Cob“ begegnet man vor allem bei Größenangaben für Pferdezubehör. Damit wird keine bestimmte Tierrasse bezeichnet, sondern eine Passform. Halfter in Cob-Form passen vor allem Tieren mit kleineren und breiteren Schädeln, wie sie Haflinger haben. Daneben gibt es auch noch die Passformen „Pony“ (kleiner) und „Warmblut“ (größer). Diese orientieren sich nicht nur an der Kopfgröße, sondern auch am Umfang und der Länge des Schädels. Gleiches gilt für die Wahl der Trense.

Egal, ob es um perfekte Trittsicherheit auf unwegsamen, gebirgigen Gelände, um Gutmütigkeit und Vertrauen dem Menschen gegenüber, um einen riesigen Arbeitswillen oder um absolute Nervenstärke geht – dem Haflinger macht so schnell keiner etwas vor. Ein positiver Charakter schließt aber auch ein bezauberndes Äußeres nicht aus. Die typischen Haflinger erkennt man bereits von weitem an ihrem fuchsfarbenen Fell, das von rotbraun bis golden schimmern kann. Mähne und Schweif heben sich in heller Farbe von flachsfarben bis weiß vom Rest des Körpers ab.

Der Körperbau ist kräftiger und fällt mit einem eher kleinen Kopf ins Auge – weshalb die Tiere oft auch Halfter in Cob-Halftergröße benötigen. Um die Übersicht zu wahren, haben wir für Sie die wichtigsten Merkmale der Haflinger in Kürze zusammengetragen.

2.1. Merkmale der Haflinger

Zu den wichtigsten optischen Merkmalen des Haflingerpferdes zählen:

  • Fellfarben: früher auch Braune und Rappen; heute nur noch Fuchsfarbe, in Variation von Kohlfuchs bis Hellfuchs;
  • Mähne und Schweif: flachsfarben bis weiß; Farbunreinheiten, Stichelhaar oder Edelflecken sind für die Zucht unerwünscht, kommen aber hin und wieder vor; teils Mehlmaul oder Kopfabzeichen
  • Fellstruktur: Kurzhaar oder Langhaar, wobei Langhaar möglichst hell sein sollte, dunkles Langhaar ist nicht erwünscht
  • Körperform: klein, kräftig, harmonisch, muskulös, breite Stirn, große Augen, kräftiger Rücken, kurze Beine
Haflinger als Reitpferd und Reiterin mit Zubehör zum Reiten

Dank ihres sanften Charakters sind Haflinger auch als Reitpferde beliebt.

Die Haupt-Charaktereigenschaften des Haflingers sind:

  • Nervenstärke
  • Freundlichkeit
  • Ausgeglichenheit und Ruhe in der Ausstrahlung
  • Genügsamkeit
  • Menschenfreundlichkeit
  • Arbeitswilligkeit
  • Sensibilität
  • Manchmal auch stur und widersetzlich

2.2. Der Haflinger – ein echtes Arbeitstier

Aufgrund seines Charakters und Körperbaus bieten sich für den Haflinger zahlreiche Beschäftigungs- und Arbeitsmöglichkeiten an. Der kräftige, gedrungene Körper erlaubt sowohl das Ziehen schwerer Lasten als auch die allgemeine Belastbarkeit dieser Tiere (vor allem beim Hengst oder beim Wallach, dem kastrierten männlichen Pferd). So sind selbige perfekt ausgerüstet für die Arbeit als Kutschpferd vor Wagen oder auf als Arbeitstiere auf dem Feld und im Gebirge.

Dennoch kann man mit den Haflingerpferden auch zahlreiche diverse Freizeitaktivitäten unternehmen. Das gutmütige Tier eignet sich perfekt für das Dressurreiten, für die ersten Reitversuche mit Kindern oder Reitanfängern und sogar für Zirkuseinlagen kann der lern- und arbeitswillige Haflinger eingesetzt werden.

haflinger als zugpferde

Haflinger eignen sich auch als Kutsch- oder Zugpferde

Im Folgenden haben wir Ihnen eine Übersicht über die verschiedenen Betätigungsmöglichkeiten dieser Pferderasse zusammengetragen.

Haflinger werden in diesen Bereichen eingesetzt:

  • Saum- und Arbeitspferde: Versorgung entlegener Almhütten mit Nahrungsmitteln; Rückepferd in steilen Hanglagen, in Waldgebieten oder auf weichem Boden; Arbeitspferd für die Landwirtschaft als Ersatz von Traktoren, welche auf besonders steilen Ackerflächen nicht gut arbeiten können; in der Armee und beim Militär
  • Show: Da die Haflinger sehr neugierig und lernwillig sind, stehen ihnen zahlreiche Möglichkeiten wie Zirkus, Dressurübungen, professionelle Showauftritte und vieles andere offen
  • Freizeitgestaltung: Gespann- und Kutschfahrten, Distanzritte, Schlittenfahrten, Springreiten, Dressurreiten; speziell für Anfänger sind diese Pferde in besonderem Maße geeignet
  • Gewinnung von Lebensmitteln: Milch der Stute, Pferdefleisch

2.3. Der Haflinger – ein perfektes Anfängerpferd

Das Haupteinsatzgebiet des Haflingers liegt nach wie vor im Bereich der Freizeit, denn familienfreundlich sind die kleinen Kaltblut-Pferde durch ihren ausgeglichenen Charakter mehr als andere Rassen. Durch ihre Freundlichkeit im Umgang mit Menschen und ihre Ruhe auch in stressigen Situationen lässt es sich auf dem kleinen Freizeitpferd besonders gut reiten.

Achtung: Auch wenn diese Pferderasse gemeinhin als besonders ruhig und entspannt gilt, kann es auch dem Haflinger einmal zu viel werden. Wenn man keine große Pferdeerfahrung hat und die Tiere aus Unwissenheit falsch behandelt, können sie durchaus stur reagieren. Für Anfänger und vor allem Kinder kann das schnell gefährlich werden. Es gilt also wie bei jedem anderen Pferd: Kinder nie unbeaufsichtigt lassen!

3. So sorgen Sie am besten für Ihren Haflinger

Der Haflinger ist durch seinen Ursprung ziemlich anspruchslos, was die Haltung betrifft. Eine Weidefläche mit genügend Gras ist für den Kaltblüter absolut ausreichend.

Dann müssen Sie auch wenig bis kein zusätzliches Futter oder Kraftfutter zum Zufüttern kaufen. Über Heu freut sich das kleine Pferd allerdings besonders, denn selbiges ist ein wertvoller Energiespender und gut für den Magen-Darm-Trakt der Tiere.

3.1. Die richtige Umgebung und Ernährung

Obwohl Haflinger raues Wetter und extreme Klima- und Witterungsverhältnisse durchaus gewohnt sind, ist natürlich auch für sie ein trockener, zugfreier und sauberer Standort unabdingbar. Schutz vor der heißen Sommersonne, vor Schnee, Regen, Wind oder Unwettern sollte die Grundbedingung für die artgerechte Haltung der selbstlosen Tiere sein. Gerade Fohlen benötigen – vor allem wenn sie frisch geboren sind – einen besonders geschützten Ort.

Wie bereits erwähnt, neigen Haflinger zum Überfressen, wenn das Nahrungsangebot reichlich vorhanden ist. Daher sollte ein besonderer Fokus auf der angebotenen Futtermenge liegen.

heu haflinger

Staubfreies Heu ist das täglich Brot der Haflinger.

Ansonsten kann es schnell passieren, dass das Körpergewicht des Tieres in die Höhe schnellt und es damit einhergehend auch anfällig für entsprechende Krankheiten wird. Da der Haflinger zu den Kleinpferden zählt, benötigt er nicht so viel Futter wie größere Pferde – benutzt man ihn für keinerlei Arbeit, reichen ca. 8 Kilogramm Heu am Tag aus. Gras, Stroh und eventuell Kraftfutter, mehr Anspruch hat der kleine Wirbelwind in der Regel nicht.

Hinweis: Kraftfutter eignet sich nicht als Alleinfuttermittel. Die Nahrungsgrundlage der Pferde ist Gras, Heu und Stroh. Kraftfutter ist lediglich als Ergänzungsfuttermittel zu sehen und sollte, wenn überhaupt, erst nach Fütterung mit Raufutter gegeben werden. Die Verwendung von Kraftfutter sollte dabei immer auf den tatsächlichen Energieverbrauch Ihres Pferdes abgestimmt sein, da zu große Mengen dem Organismus schaden und sogar ein gesundheitliches Risiko darstellen.

Pro und Kontra Kraftfutter

  • nähr- und wirkstoffreich
  • guter Energielieferant schon in kleinen Mengen
  • kann gut gelagert werden
  • besonders für beanspruchte Arbeitstiere eine unverzichtbare Energiequelle
  • gibt es in vielen Variationen abgestimmt auf die Beanspruchung des Pferdes
  • Pferde sind von Natur aus nicht auf große Mengen Kraftfutter eingestellt
  • Nicht als Alleinfuttermittel verwendbar
  • bei falscher Lagerung schimmelanfällig
  • kann bei übermäßiger Fütterung schwere gesundheitliche Folgen haben (Koliken, Stoffwechselprobleme)
  • beinhaltet häufig große Mengen Fett und Zucker

3.3. Jede Menge Bewegung

Und natürlich muss das Tier – egal, ob Edelbluthaflinger oder Kreuzung – gefördert und gefordert werden. Als ursprüngliches Arbeitstier steckt ihm das Auspowern in den Knochen. Das sollte dem Tier auch ermöglicht werden.

Haflinger Kaltblutpferde auf der Weide

Auf der Weide fühlen sich die Hafis, wie die Kaltblüter auch genannt werden, besonders wohl.

Mindestens eine große Weidefläche, auf der sich das Tier nach Lust und Laune austoben kann, sollte vorhanden sein. Werden die Tiere im Stall oder in der Box auf dem Haflingerhof gehalten, ist ausreichender, regelmäßiger Auslauf Pflicht. Daneben gibt es eine Menge Möglichkeiten wie Pferdesport, Dressur oder den Einsatz als Arbeitstier in der Landwirtschaft, womit Sie Ihre Tiere in Bewegung halten können. Langeweile und Faulenzen sind nichts für den Haflinger.

4. Steckbrief: Alles über Haflinger auf einen Blick

Steckbrief Haflinger
Ursprungsland Italien (Südtirol)
Gezüchtet seit 1874
Stockmaß 138-150 Zentimeter
Größe bis zu 150 Zentimeter
Gewicht 450-600 Kilogramm
Lebenserwartung bei guter Pflege bis zu 40 Jahre
Wesen robust, nervenstark, sozialverträglich, arbeitswillig, braucht Beschäftigung
Charakter freundlich, ruhig, ausgeglichen, belastbar, tolerant, lernwillig
Verwendung als Sporthaflinger, Saumpferd, Zugpferd für mittelschwere Lasten, Dressurpferd und für landwirtschaftliche Arbeiten,
Geeignet für Familien, Kinder, Anfänger, erfahrene Reiter
Weniger geeignet für inaktive Personen
Anschaffungspreis ab 1.000 Euro

 

 

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