Border Collie: Liebenswerter und arbeitsfreudiger Gebrauchshund

Border Collie Portrait
  • Der Border Collie ist ein Hütehundrasse aus Großbritannien und wurde schon von den Wikingern hoch geschätzt.
  • Border Collies sind sehr arbeitsfreudig und hüten, in dem sie das Vieh mit dem Auge fixieren. Haben sie keine anspruchsvolle Aufgabe, verkümmern Border Collies und zeigen Problemverhalten.
  • Border Collies gelten als intelligenteste Hunderasse und halten zahlreiche – auch lustige und verrückte – Rekorde.

Border Collies sind schlau, sehen toll aus und sind daher extrem beliebt. Mit einem solchen intelligenten Hütehund holt man sich aber ein echtes Arbeitstier mit ordentlich Temperament ins Haus.

In unserem Ratgeber erfahren Sie alles Wissenswerte und Infos rund um die Hunderasse Border Collie. Wir erklären Ihnen nicht nur, woher der Name „Border Collie“ eigentlich kommt, sondern auch, was Sie diesem Hund an Voraussetzungen bieten müssen.

1. Der Border Collie: Ein traditionsreicher Hütehund mit Geschichte

Der Border Collie ist eine alte Hütehundrasse aus Großbritannien, von wo aus er mit seinem Charme, seiner Intelligenz und Arbeitswillen die gesamte Welt eroberte. Bereits die Wikinger kannten Hunde, die die Hirten unterstützten.

Die erste Beschreibung eines Border Collies im heutigen Sinn stammt aber aus dem Jahre 1576. John Caius, der Leibarzt von Königin Elisabeth I., hielt im Buch „Of Englishe Dogges“ die Arbeitsweise des Border Collies fest und lobte den Einsatz der Hunde.

Als berühmter Stammvater, auf den alle heutigen Border Collies zurückgehen, gilt „Old Hemp“. Old Hemp lebte von 1893 bis 1901, wurde in dieser kurzen Zeitspanne aber zu einem bedeutenden Zuchtrüden, da er bei der Arbeit außergewöhnliche Fähigkeiten präsentierte. Der Rüde mit dem klingenden Hundenamen half seinem Besitzer, dem Farmer Adam Telfer, auf dem Hof und wurde 2015 gemeinsam mit ihm in einem Denkmal verewigt.

Die Bezeichnung „Border Collie“ geht auf zwei Begriffe zurück. Das englische Wort „Border“ für „Grenze“ geht auf das geografische „Border Country“, das Grenzland zwischen England und Schottland zurück. Der Namensbestandteil „Collie“ bezeichnet heute eine Reihe von Hütehunden und geht auf das das Wort für „nützlich“ zurück.

2. Rassestandard: Der perfekte Hütehund

Der Border Collie ist eine seit 1976 FCI-anerkannte Rasse und gehört zur Gruppe 1 „Hütehunde und Treibhunde“ mit der Standardnummer 297. In Deutschland wurde der erste Border Collie 1978 im Zuchtbuch des Clubs für britische Hütehunde eingetragen.

zwei Border Collies in einem See

Die vielfältigen Farbschläge beim Border Collie treffen jeden Geschmack.

Standardmäßig messen Rüden idealerweise 53 Zentimeter groß, Hündinnen liegen in der Größe etwas darunter. Die Lebenserwartung eines Border Collies liegt bei 13 bis 16 Jahren. Von der FCI sind zwei Haartypen anerkannt: langhaarig und stockhaarig (Kurzhaar). Das Haarkleid soll dabei dicht sein und ordentlich Unterwolle besitzen.

Ist der Hund langhaarig, sind eine dicke Mähne um den Hals und am Brustbereich, sowie so genannte „Hosen“ und „Fahnen“ erwünscht. Dabei handelt es sich um lange herabhängende Behaarung an der Rute und den Beinen.

Der Border Collie ist eine elegante, sportliche Erscheinung: Der Kopf ist hübsch, mit ausgeprägtem Stop, mäßig kurzem Fang und breit voneinander angesetzten Augen. Deren Farbe kann braun und blau (bei blue merle) sein. Typisch für den Border Collie ist die geduckte Körperhaltung mit schleichender Vorwärtsbewegung.

Info: Die International Sheep Dog Society hat bis heute keinen Rassestandard für den Border Collie festgelegt. Die Züchtervereinigung hat ausschließlich die Leistung als Hütehund im Blick und hält diese in einem Register fest.

2.1. Bunte Vielfalt: Border Collies sind in vielen Farbschlägen vertreten

Farblich ist der Border Collie vielseitig, wobei Weiß als dominante Farbe nicht erlaubt ist. Erlaubt sind die typische schwarz-weiße Färbung (oder schwarz-weiß gemottelt mit grauer Farbe in weißen Stellen), Tricolor, Australian red, Rot, Zobelfarben, Lilac, Blau und die Merle-Varianten Blue-merle und Red-merle.

Alle Farben können auch in einer Tricolor-Variante auftauchen, wobei dann Abzeichen in hellem Braun hinzukommen (Tan).

2.2. Der Merle-Faktor: Verdünnung der Farbe durch ein mutiertes Gen

Border Collie in merle als Schäferhund

Ein Border Collie bei der Arbeit. Deutlich ist die Merle-Färbung in Form von Flecken erkennbar.

Der so genannte Merle-Faktor (kurz: Merle) ist eine Farbvariation bei Hunden, die beim Border Collie, beim Australian Shepherd, aber auch beim Sheltie, Chihuahua, Dackel, der Deutschen Dogge und einigen weiteren Rassen vorkommt. Da diese Färbung sehr beliebt ist, ist sie gerade bei Collierassen weit verbreitet, birgt aber auch einige Probleme.

Die Färbung geht auf das Merle-Gen zurück und bewirkt eine Aufhellung bestimmter Bereiche im Fell. Dadurch kommen unregelmäßige, „zerrissene“ Flecken und feine Sprenkelungen vor. Wird ein Träger des Merle-Gens mit einem Nicht-Träger gepaart, sind die Welpen bis zu 50 Prozent merlefarben.

Aus gesundheitlichen Gründen sollten keinesfalls zwei Merle-Träger miteinander verpaart werden. Schon Tiere mit nur einem Träger als Elterntier sind etwas anfälliger für Krankheiten, vor allem Taubheit ist verbreitet. Homozygote Träger jedoch, also Hunde, die das Merle-Gen von beiden Elterntieren bekommen, haben deutlich häufiger schwerwiegende gesundheitliche Probleme.

Fehlbildungen der Augen, Taubheit und ein allgemeines „Zurückbleiben“ hinter den Wurfgeschwistern sind weit verbreitet. Einige reinerbige Tiere haben gar eine Lebenserwartung von nur wenigen Monaten. Aus diesen Gründen ist die Zucht mit dem Merle-Faktor umstritten und aus Tierschutzgründen (§11 Tierschutzgesetz) abzulehnen, da es sich meist um eine Zucht rein aus ästhetischen Gründen handelt und die Weitergabe eines Gen-Defekts damit gefördert wird.

2.3. MDR1-Genddefekt beim Border Collie: Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke

Border Collies können außerdem vom so genannten MDR1-Defekt betroffen sein. Hierbei ist die Blut-Hirn-Schranke gestört, ein System, das normalerweise verhindert, dass sich bestimmte Stoffe im Gehirn anreichern.Bei Collies ist dieser Defekt besonders verbreitet.

Der MDR1-Defekt bewirkt eine Überempfindlichkeit gegenüber manchen Arzneimitteln – beispielsweise gegen Ivermectin, ein Mittel, das vielfach zur Bekämpfung von Parasiten eingesetzt wird. Selbst wenn es nicht direkt beim Hund zum Einsatz kommt, kann dieser damit in Berührung kommen. Beispielsweise, wenn er Pferdeäpfel von zuvor mit Ivermectin entwurmten Pferden frisst.

Symptome einer Überempfindlichkeit aufgrund des MDR1-Gendefekts sind neurotoxische Ausfälle wie Bewegungs- und Koordinationsstörungen. Aber auch Benommenheit, Zittern, Erbrechen und erhöhter Speichelfluss sind Anzeichen – genauso wie ein epileptischer Anfall.

Achtung: Liegt dieser Gendefekt vor, dürfen eine Reihe an Anti-Parasitika nicht mehr gegeben werden. Wichtig ist auch, einen neuen behandelnden Tierarzt auf die Überempfindlichkeit des eigenen Hundes hinzuweisen. Der MDR1-Defekt kann durch einen Gentest festgestellt werden. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier.

Weitere rassetypische Erkrankung beim Border Collie sind Hüftdysplasie und die Collie Eye Anomaly (CEA), eine angeborene Entwicklungsstörung in beiden Augen.

3. Ein leistungsfähiger Arbeitshund: Der Border Collie ist nichts für Couchpotatoes

Ein Border Collie ist ein anspruchsvoller Arbeitshund und weder für Hundeanfänger geeignet noch für Menschen, die sich eigentlich einen gemütlichen Familienhund zuhause wünschen. Prinzipiell ist er aber für Familien geeignet, da er vom Wesen her sehr anhänglich ist und sich eng an seine Bezugspersonen bindet. Für eine Haltung in der Stadt ist er eher nicht geeignet.

Einen Border Collie müssen Sie richtig beschäftigen und ihm sinnvolle Aufgaben stellen. Zwar muss das nicht zwingend Schafe hüten sein, aber fordernde Rettungshundearbeit oder Hundesport ist fast obligatorisch.

Aufgepasst: Wer sich wider besseren Wissens einen Arbeitshund anschafft, aber eigentlich keine Zeit für tägliche Beschäftigung mit dem Hund hat oder maximal lange Spaziergänge bieten kann, wird mit einem Border Collie mit großer Wahrscheinlichkeit nicht glücklich. Viele Hunde gewöhnen sich dann schnell Unarten an, „hüten“ die Kinder, zeigen anderweitig ihren Jagdtrieb oder zerstören aus lauter Unterforderung die Inneneinrichtung. In den richtigen Händen ist ein Border Collie jedoch ein absoluter Traumhund mit tollem Charakter!

3.1. Die Arbeitslinie: Eine herausfordernde Aufgabe ist ein Muss

Von einer Arbeitslinie spricht man, wenn die Elterntiere an Schafen oder anderen Tieren „arbeiten“, also als echte Koppelgebrauchshunde eingesetzt werden. Diese Hunde zeichnen sich durch einen extremen Arbeitswillen aus, haben eine schnelle Auffassungsgabe und sind ohne eine solche Aufgabe hoffnungslos unterfordert.

Border Collie beim Agility

Ein Border Collie ist ein echtes Arbeitstier – ob beim Hüten oder beim Leistungssport.

Umgekehrt sind sie beim Hüten von Tieren fast unschlagbar, weil viele Hütehunde intuitiv die Arbeit als Treibhund verstehen. Dennoch dauert eine sorgfältige Ausbildung seine Zeit, weil ein Border Collie dafür wichtige Kommandos lernen muss.

Natürlich ist die Arbeit als Koppelgebrauchshund in erster Linie ökonomisch motiviert. Allerdings kann man mit seinem an Tieren arbeitenden Border Collie auch an den immer häufiger werdenden Sheepdogtrials teilnehmen – den Hütewettbewerben. Hier müssen nach festen Regeln Schafe durch einen Parcours getrieben werden, wobei sich der englische Stil vom deutschen Leistungshüten unterscheidet. Einen Einblick in derart erfolgreiche Hütearbeit sehen Sie in diesem Video.

3.2. Die Showlinie: Etwas weniger Hütetrieb, aber immer noch anspruchsvoll

Border Collie Mix spielt mit Treibball am Hundeabrichteplatz

Ein Border Collie in rot-weiß beim Treibball – ein spielerischer Ersatz für Hütearbeit an Tieren.

Von einer Showlinie spricht man wenn mit Hunden gezüchtet wird, die nicht mehr in ihrem ursprünglichen Arbeitsfeld eingesetzt werden. Showhunde sind daher meistens etwas ruhigere Vertreter ihrer Rasse und nicht ganz so arbeitswütig.

Couchpotatoes sind sie aber noch lange nicht: Auch bei Hunden aus einer Showlinie handelt es sich nach wie vor um Arbeitshunde. Eine geistig auslastende Beschäftigung ist auch hier ein Muss. Allerdings kann die Hütearbeit hier beispielsweise mit Agility, Obedience, Treibball, Flyball, Dog Frisbee oder Rettungshundearbeit „ersetzt“ werden.

Toll: Weil der Border Collie sehr intelligent ist, lernt er auch sehr schnell Tricks. Bekannt wurde der deutsche Border Collie Rico, der 1999 in der Sendung „Wetten, dass ..?“ 77 Wörter den jeweiligen Spielzeugen zuordnen und diese auf Kommando aus einem Nebenraum holen konnte. Weil seine Besitzerin immer weiter mit Rico trainierte, konnte er am Ende sogar 250 Gegenstände unterscheiden.

3.3. In der Ruhe liegt die Kraft: Dauerbeschäftigung ist nicht sinnvoll

Border Collies – egal ob Arbeits- oder Showlinie – arbeiten bis zum Umfallen, ohne zu zeigen, wie erschöpft sie sind. Es ist daher eher kontraproduktiv, einen Border Collie durch permanente Beschäftigung „auslasten“ zu wollen. Dadurch bekommt man einen Hund, der überhaupt nicht mehr zu Ruhe kommt und bisweilen auch Ticks wie das Jagen von Schatten entwickelt.

Border Collie liegend

Ruhe tanken ist wichtig. Ein Border Collie muss auch lernen zu entspannen und nichts zu tun.

Einem Border Collie müssen Sie daher gezielt Ruhepausen verordnen und zwar vom Welpenalter an. Es ist wichtig, dass Ihr Hund lernt, nichts zu tun und dabei vor allem auch zu entspannen.

Ebenso ist es eher kontraproduktiv, mit einem Border Collie schon sehr früh Wurfspiele zu machen. Erstens kann man sich so ganz schnell einen hysterisch kläffenden Hund heranziehen, zweitens werden manche Hunde so regelrecht süchtig und sehen nichts anderes mehr.

4. Durchschnittlicher Pflegeaufwand: Langes Fell muss gebürstet werden

Border Collies sind nicht pflegeintensiv. Wie bei allen Hunden sollte das Fell regelmäßig gebürstet werden, vor allem bei der langhaarigen Variante. Wenn Sie viel in unebenem Gelände unterwegs sind, müssen Sie das Fell möglichst schnell von Kletten und Co. befreien, damit es nicht verfilzt.

Ansonsten ist regelmäßiges Krallenschneiden (selbst oder vom Tierarzt), die Kontrolle von Pfoten, Ohren und Augen ein Muss, kann aber spielerisch ins tägliche Training integriert werden.

5. Das müssen Sie bei der Anschaffung eines Border Collies beachten

Border Collie Kurzhaar Agility

Ein kurzhaariger Border Collie in rot-weiß im Slalom. Im Agility ist diese Rasse sehr erfolgreich.

Wenn Sie einen Border Collie Welpen aus guter Zucht kaufen wollen, müssen Sie mit einem Anschaffungspreis von etwa 1.250 Euro rechnen.

Aufgrund der genannten rassetypischen Erkrankungen sollten Sie auf einen seriösen Züchter achten, der einem Verband angehört. Weicht der Preis deutlich nach unten ab, ist das eher ein Alarmzeichen.

Alternativ können Sie sich natürlich auch in einem Tierheim umsehen und dort mit etwas Glück einen Border Collie oder Mischling der Art finden. Auch die Tierschutzinitiative “Border Collie in Not” vermittelt Abgabetiere – ein Blick auf die Seite lohnt sich immer.

Tipp: Viele Border Collies werden aufgrund einer Überforderung der Besitzer, die die Anforderungen eines Hütehundes unterschätzt haben, abgegeben. Gehen Sie davon aus, dass diese Hunde Erziehungsprobleme mitbringen – die man aber mit Erfahrung in der Hundeerziehung und ggf. der Unterstützung einer guten Hundeschule in den Griff bekommen kann.

6. Steckbrief Border Collie

Merkmal Ausprägung
Ursprung Großbritannien
Rassegruppe Gruppe 1: Hütehunde und Treibhunde, Sektion: Schäferhunde, Mit Arbeitsprüfung
Widerristhöhe Rüden ideal 53 Zentimeter; Hündin etwas weniger
Gewicht 12–20 Kilogramm
Lebenserwartung 13–16 Jahre
Fell Lang- oder Stockhaar
Farbe Schwarz-Weiß, Tricolor, Australian Red, Rot, Zobelfarben, Lilac, Blau, Blue- und Red Merle
Charakter Starker Beschäftigungs- und Herausforderungsdrang, intelligent, anhänglich, starker “will to please” gegenüber der Bezugsperson, neigt bei zu wenig Auslastung zu Verhaltensauffälligkeiten
Verwendung Hütehund, Hundesport
Geeignet für aktive erfahrene Hundehalter (auch als Teil einer Familie), Schäfer
Nicht geeignet für Stubenhocker, Hundeanfänger
Anschaffungspreis Welpe ca. 1250 Euro
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