Windhund: Schnelle Läufer mit ausgeprägtem Jagdtrieb

Windhund sprintet
  • Windhunde sind stolze, anmutige Tiere mit einem eleganten Körperbau. Schnelligkeit zählt zu ihren besonderen Eigenschaften.
  • Es sind sehr liebevolle Hunde, die aber zuweilen auch eigenwillig sein können. Doch gerade darin liegt für viele Menschen die Faszination der Tiere.
  • Der Jagdinstinkt ist beim Windhund fest verankert. Eine gute Erziehung und Konsequenz ist deswegen sehr wichtig.

Zu den Windhunden zählen unterschiedliche schlanke, grazile und auf Schnelligkeit gezüchtete Hunderassen. Einst wurden sie für die Jagd eingesetzt, später als Rennhunde. Windhunde sind faszinierende Tiere, die zwei scheinbar gegensätzliche Wesenszüge in sich vereinen: Als athletische Jadghunde sind sie energiegeladen, selbständig und unabhängig. Auf der anderen Seite aber ruhige und liebevolle Hausgenossen, die auch ein ausgiebiges Nickerchen auf dem Sofa nicht verschmähen.

In unserem Portrait erfahren Sie, welche Windhundrassen es gibt, was den besonderen Charakter der Hunde ausmacht und worauf Sie bei der Haltung achten müssen.

1. Als Windhund werden unterschiedliche Rassen bezeichnet

Unter dem Begriff “Windhund” werden mehrere schlanke, hochläufige Rassen zusammengefasst, die für die Hetzjagd gezüchtet wurden. Der FCI führt Windhunde in der Gruppe 10 und unterscheidet drei Sektionen:

Sektion Rassen Übersicht
1: Langhaarige oder befederte Windhunde Afghanischer Windhund, Saluki, Barsoi (Russischer Jagdwindhund)
2: Rauhaarige Windhunde Deerhound (Schottischer Hirschhund), Irischer Wolfshund
3: Kurzhaarige Windhunde Greyhound, Whippet, Italienisches Windspiel, Azawakh, Sloughi, Chart Polski (Polnischer Windhund), Galgo Español (Spanischer Windhund), Magyar Agar (Ungarischer Windhund)

Diese Rassen gelten als repräsentative Arten der Windhunde. Daneben gibt es noch windhundähnliche Rassen, die beim FCI in der Gruppe 5 (Spitze und Hunde vom Urtyp) zu finden sind. Dazu zählen:

    • Cirneco dell’Etna
    • Pharaoh Hound (Kelb tal-Fenek)
    • Podenco Canario
    • Podenco Ibicenco
    • Podengo Português

1.1. Windhunde werden auch nach Herkunft unterschieden

größe rassen übersicht

Der Irische Wolfshund ist nicht nur der größte Windhund, er zählt auch zu den größten Hunden weltweit.

Neben dieser systematischen Einteilung wird der Windhund weiterhin nach Herkunft unterschieden. Auch hier gibt es drei unterschiedliche Typen, die vor allem an der Stellung der Ohren erkennbar sind:

  • Okzidentaler Typ (Rosenohren: Rückseite des Ohrs ist nach Innen geklappt)
  • Orientaler Typ (Schlappohren)
  • Mediterraner Typ (Stehohren)

Zum okzidentalten Typ zählen unter anderen der Barsoi, der Irische Wolfshund und der Greyhound. Afghane und Saluki sind vom orientalischen Typ, Podencos zählen zu den mediterranen Windhunden. Sämtliche windhundeähnlichen Arten sind vom mediterranen Typ.

1.2. Alle Windhundrassen vereint ein schlanker Körperbau

Wie schnell ist ein Windhund?

Der schnellste Windhund ist der Greyhound, der eine Geschwindigkeit von bis zu 70-80 km/h erreicht. In Relation zur Körpergröße gilt der Whippet jedoch als noch schneller, da er kleiner und wendiger ist. Absolut erreicht er jedoch “nur” eine Geschwindigkeit von etwa 55 km/h. Die anderen Windhunderassen können je nach Größe und Gewicht zwischen 40-70 km/h schnell rennen.

Mit seinem grazilen Körper, dem ausgeprägten Brustkorb und der aufgezogenen Bauchpartie hat der Windhund ein sehr charakteristisches Aussehen. Die Beine sind schlank, der Hals gestreckt und der Kopf schmal. Sämtliche Proportionen wirken absolut athletisch und stromlinienförmig. Schließlich ist seine ganze Anatomie auf Schnelligkeit ausgelegt. Der Windhund ist nach dem Geparden das schnellste Landtier der Welt.

Windhunde haben einen leichten, federnden Gang. Zusammen mit ihrer stolzen Haltung wirken sie überaus elegant. Jedoch sind nicht alle Menschen gleichermaßen begeistert von der Statur der Tiere. Besonders bei den kurzhaarigen Rassen sind die Knochen sowie Sehnen und Muskeln, die sich unter der Haut abzeichnen, deutlich erkennbar. So stößt der Windhund immer wieder auf Unverständnis ob seiner schlanken Erscheinung – und genauso oft auf absolute Begeisterung aufgrund seiner vornehmen Schönheit.

1.3. Fell, Farbe und Größe unterscheidet die Rassen

Windhunde sind von der Statur her zwar sehr ähnlich, jedoch unterscheiden sich die Rassen in Größe und Fell sehr stark voneinander. Der Irische Wolfshund zählt mit einer Höhe von mindestens 79 Zentimetern bei Rüden und 71 Zentimetern bei Hündinnen zu den größten Hunden der Welt. Sein rauhes Fell ist meist grau und leicht zottelig.

Der kleinste Vertreter unter den Windhunden ist das Italienische Windspiel mit einer Größe von 32–38 Zentimetern. Es hat kurzes, feines Fell in schwarz, grau oder beige. Ein Afghanischer Windhund hingegen besitzt seidige, lange Haare, die besonders den Kopf üppig zieren. Bei ihm sind alle Farben erlaubt. Ausführliche Rassenbeschreibungen aller Windhunde finden Sie im jeweiligen Steckbrief beim FCI.

2. Schon in der Antike gab es die schnellen Jagdhunde

Saluki Windhund im Wald

Als Jagdhund ist der Wald für diesen Saluki das reinste Paradies.

Die ersten Darstellungen von Hunden mit der windhundtypischen Erscheinung finden sich bereits im alten Ägypten. Die abgebildeten Hunde ähneln dabei stark dem heutigen Podenco. Aber auch im antiken Griechenland und Rom wurden schon Jagdhunde von diesem Typ beschrieben.

Im Mittelalter war der Besitz von Windhunden dem Adel vorbehalten. Es gab sogar Könige, die per Gesetz die Haltung der Hunde von Nicht-Adligen verboten haben.

2.1. In der Hetzjagd lag einst ihre Bestimmung

Ursprünglich wurde der Windhund, früher auch als Windspiel bezeichnet, für die Jagd gezüchtet. Seine Aufgabe bestand bei der Hetzjagd im Einholen von gesundem Wild wie Hasen, Füchse und Rehe. Deswegen mussten die Hunde auch so schnell sein, damit sie es mit den flinken Wildtieren aufnehmen konnten.

Die Hunde arbeiteten dabei nicht mit ihrem Geruchssinn, sondern mit ihren Augen. Man bezeichnet diese Methode auch als Sichtjagd. Im Englischen werden sie deswegen auch als Sighthound bezeichnet. Am häufigsten wurden sie zur Hasenhetze eingesetzt, jedoch teilweise auch speziell für größere Tiere wie Hirsche (Deerhound) oder Wölfe (Irischer Wolfshund) eingesetzt.

2.2. Windhunderennen gehen immer mehr zurück

Hunderennen

Bei Windhunden denken viele sofort an Hunderennen.

Mit seinen ausgeprägten Eigenschaften als Jagdhund wird der Windhund besonders in den angelsächsischen Ländern in kommerziellen Windhunderennen eingesetzt. Aufgrund seines starken Jagdinstinkts und der Fähigkeit zu äußerst schnellen Sprinten, war er wie für die Rennbahn gemacht. Angesichts der schlechten Bedingungen, unter denen die Hunde jedoch zu Höchstleistungen getrimmt werden, sind diese Rennen heute mehr und mehr in Verruf geraten.

In Deutschland sind kommerzielle Rennen offiziell verboten. Allerdings gibt es Windhundevereine, die unter artgerechten Bedingungen Rennen mit Windhunden als Beschäftigungssport ausrichten.

3. Ein liebevoller und eigensinniger Charakter

Der Windhund gilt als sehr ruhiger und stolzer Hund. Fremden gegenüber zeigt er sich häufig reserviert und schüchtern. Seinem Herrchen gegenüber ist er hingegen sehr liebevoll und menschenbezogen. Er genießt die Aufmerksamkeit und braucht das Zusammenleben in seiner Familie. Daraus ergibt sich aber auch ein sehr starker Beschützerinstinkt.

Im Gegensatz zu anderen Gebrauchshunden, musste der Windhund bei der Jagd nicht aufs Wort folgen, sondern vielmehr eigenständig dem Wild hinterherhetzen. Aus diesem Grund ist er auch nicht immer der Folgsamste, wenn es um Befehle geht. Dafür ist er ein unglaublich zärtlicher und verspielter Begleiter mit einem anhänglichen Wesen.

Achtung: Sie sollten niemals seinen Jagdtrieb unterschätzen. Selbst bei guter Erziehung wird es vorkommen, dass sein Instinkt ihn übermannt und er in gestrecktem Galopp abgeht.

3.1. Zu Hause sind Windhunde ruhig und angenehm

kleiner Windhund

Der kleinste Vertreter der Windhunde: Das goldige Italienische Windspiel.

Ein Windhund lässt sich sehr gut in der Wohnung halten, denn entgegen der Vermutung sind die aktiven Hunde zu Hause erstaunlich ruhig. Sie nutzen die Zeit, um sich zu erholen und wieder Kräfte zu sammeln für den nächsten “Einsatz”.

Windhunde bevorzugen durchaus eine ruhige Umgebung und sind deswegen für Familien mit Kindern weniger geeignet. Wobei jede Rasse und jeder Hund natürlich auch ein unterschiedliches Wesen besitzt. Generell gilt bei Windhunden: je kleiner die Rasse, desto lebhafter ist sie.

3.2. Laufen ist seine Bestimmung: Bewegung muss sein

Das Rennen ist dem Windhund angeboren. Deswegen braucht Ihr Vierbeiner sehr viel Auslauf. Ausgiebige Bewegung mehrmals täglich ist für ihn sehr wichtig. Die Zeit zu Hause nutzt er wieder zur Regeneration. Gehen Sie mit ihm mehrmals täglich Strecken, auf denen er sich austoben kann. Vergessen Sie jedoch niemals seinen Jagdinstinkt: Das Ableinen ist bei einem Windhund nicht ohne Weiteres überall möglich. Leinen Sie Ihren Hund niemals in Gebieten mit Wild ab, da sonst die Gefahr besteht, dass er abhaut. Besonders in der Nähe von Straßen kann dies eine Gefahr für ihn selbst und die Verkehrsteilnehmer darstellen.

Eine Haltung in der Stadt ist zwar möglich, jedoch zum Teil sehr erschwert, da Sie Ihrem Hund nicht den nötigen Auslauf bieten können. Am besten ist es, wenn Sie ein großes abgezäuntes Grundstück haben, auf dem Ihr Windhund rennen kann, sowie gute Spazierwege in der Umgebung. Außerdem bietet es sich an, Hundesport wie Windhunderennen oder Coursing zu betreiben. Informationen hierzu finden Sie beim VDH.

3.3. Darauf gilt es bei Erziehung, Pflege und Ernährung zu achten

afghanische Windhunde auf Wiese

Majestätisch sitzen die beiden Afghanen auf einer Wiese.

Auch wenn ein Windhund nicht immer auf das erste Wort folgt, lässt er sich grundsätzlich gut erziehen. Jedoch müssen Sie bei der Erziehung etwas Geduld einplanen, denn sein stolzer und eigensinniger Charakter erfordert viel Konsequenz.

In Sachen Pflege sind die kurzhaarigen Windhundrassen größtenteils sehr einfach. Mit der Länge des Fells steigt selbstverständlich auch der Aufwand. Besonders ein Afghane erfordert tägliche Fellpflege. Bei der Fütterung sollten Sie bei den größeren Rassen auf eine sehr nährstoffreiche Ernährung als Welpe achten, da diese Tiere sehr schnell wachsen.

Die Lebenserwartung schwankt ebenfalls je nach Größe des Tiers: Ein Irischer Wolfshund hat eine relativ kurze Lebensdauer von 8–10 Jahren, ein Greyhound wird bis zu 12 Jahre alt, der Whippet meist zwischen 12 und 15 Jahre.

3.4. Windhunde sind teure Hunderassen

Möchten Sie sich einen Windhund anschaffen, informieren Sie sich zunächst ausführlich über Ihre Wunschrasse und deren spezifischen Anforderungen. Die in unserem Ratgeber zusammengefassten Informationen geben lediglich einen Überblick über diese faszinierenden Hunde. Jede Rasse hat jedoch ihre eigenen Ansprüche und Wesenszüge.

Haben Sie sich dazu entscheiden, einen Windhund zu kaufen, wenden Sie sich an einen seriösen Züchter, bei dem eine gesunde sowie artgerechte Aufzucht gewährleistet ist. Windhunde gelten zwar generell als sehr robust, aber wie bei jedem Rassehund gibt es auch hier rassetypische Erbkrankheiten, die bei einer seriösen Zucht minimiert werden. Eine Übersicht über seriöse Züchter finden Sie beim Deutschen Windhundzucht- und Rennverband.

Ein reinrassiger Windhund aus guter Zucht hat seinen Preis: Rund 1000 bis 2000 Euro sollten Sie je nach Rasse einplanen. Hinzu kommen Kosten für Ausrüstung, Tierarztbesuche, Steuer sowie Futter. Ein ausgewachsener großer Windhund verspeist eine Menge Futter am Tag. Auch das gilt es vor der Anschaffung zu beachten.

Tipp: Es muss nicht immer ein Welpe vom Züchter sein. Auch ein Blick ins Tierheim lohnt sich. Ebenso vermitteln Ihnen Vereine wie Windhundehilfe oder Windhunde in Not gerne einen hilfsbedürftigen Windhund.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (47 votes, average: 4,30 out of 5)
Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.