Winkelspinne: nützlicher, weit verbreiteter und ungefährlicher Hausgast

Winkelspinne auf Stein
  • Die Winkelspinne kommt häufig vor, ist ungefährlich und ein nützlicher Insektenfänger.
  • Weltweit gibt es über 100 Arten. 70 davon leben in Europa, in Deutschland gibt es 10 Vertreter.
  • Winkelspinnen bauen Trichternetze, an deren Ende sie selbst auf Beute lauern. Die vor allem in den Sommermonaten häufig in Wohnräumen anzutreffenden Hauswinkelspinnen sind fast immer Männchen auf Brautschau.

Sie kommt in fast jedem Haushalt oder Keller vor und versetzt mit ihrem Anblick Arachnophobiker in Angst und Schrecken. Und doch ist sie gänzlich harmlos: die Winkelspinne.

In unserem Artikel erfahren Sie, welche Arten von Winkelspinnen es gibt, wo Sie sie antreffen und wie ihre Lebensweise aussieht. Zudem geben wir einige Tipps wie Sie die Tiere aus Ihrem Zuhause vertreiben können.

1. Die Winkelspinne kommt weltweit in 115 Arten vor

Die Winkelspinne ist eine sehr verbreitete Gattung aus der Familie der Trichterspinnen. Diese heißen so, weil sich ihre Wohnhöhlen in eine Trichterform verengen. Weltweit gibt es 115 bekannte Arten, 62 davon sind in Europa heimisch. Zehn Arten kann man auch in Deutschland antreffen, darunter die Hauswinkelspinne, die Mauerwinkelspinne und die Waldwinkelspinne.

2008 wurde die Große Winkelspinne (Tegenaria atrica) zur Spinne des Jahres erklärt. Und das nicht, weil sie besonders selten ist, sondern weil diese Art besonders geeignet ist, Vorurteile gegenüber Spinnen abzubauen.

2. Winkelspinnen sind häufige Gäste in unserem Zuhause

Große Winkelspinne auf Holz

Die Große Winkelspinne ist eine weit verbreitete Hausspinne. Am häufigsten begegnet man den männlichen Tieren.

Fast jeder hat schon einmal eine Winkelspinne gesehen, denn diese Spinnen sind häufig in Häusern, Schuppen, Garagen und Kellern anzutreffen. Vor allem ab dem Herbst zieht es die Hauswinkelspinne auf der Suche nach einem trockenen Platz in die Nähe des Menschen. Das Trichternetz findet sich häufig in Fensternischen oder zwischen Gerümpel, manchmal auch hinter Schränken oder in verstaubten Ecken.

Wahrscheinlich haben Sie auch im Badezimmer schon einmal Bekanntschaft mit dieser ungiftigen und sehr nützlichen Spinnenart gemacht. Da die Winkelspinne nicht nur in ihrem Netz auf Beute wartet, sondern aktiv auf die Jagd geht, gerät sie bisweilen in Situationen, aus denen sie sich selbst nicht mehr befreien kann, beispielsweise in ein glattwandiges Waschbecken oder die Badewanne. Wenn das passiert, sollten Sie diesen nützlichen Insektenfresser nicht töten, sondern am besten mit einem großen Glas einfangen und in die Freiheit entlassen.

3. Winkelspinnen sind geschickte Insektenjäger

Für ihr Netz wählt die Winkelspinne einen Standort, an dem Sie Stechmücken und Stubenfliegen vermutet. Den Großteil des Tages verbringt sie aber in ihrer Wohnhöhle. Erst mit Einbruch der Dunkelheit sitzt sie auf der feinen Gespinstdecke. Das Netz besteht nicht, wie bei anderen Spinnen, aus klebrigen Fäden, sondern stellt ein reines Fangnetz dar, das mit so genannten Meldefäden ausgestattet ist. Setzt sich ein Insekt, zum Beispiel eine Fliege, darauf und berührt diese Fäden, kommt die Spinne blitzschnell aus der Deckung und betäubt die Beute mit einem Biss.

Da Winkelspinnen uns lästige Stechmücken oder Ungeziefer vom Hals halten können, sollte Sie ihre Anwesenheit nicht als Bedrohung wahrnehmen. Spinnen leisten eine nützlichen Dienst, deshalb sollten Sie eine Spinne, die sich in ihre Wohnung verirrt hat, nicht töten, sondern an einer geeigneten Stelle wieder aussetzen.

Tipp: Winkelspinnen können auch mit toten Heimchen oder flugunfähigen Drosophila-Fliegen gefüttert werden.

4. Männliche Winkelspinnen gehen auf Brautschau, die weiblichen Tiere sind ortstreu

Netz einer Trichterspinne

Winkelspinnen weben Trichter und nutzen diese als Verstecke. Meldefäden verraten ein Insekt in der Nähe.

Winkelspinnen können sich das ganze Jahr über paaren, tun dies aber bevorzugt im Herbst. Vor allem im September und Oktober gehen die männlichen Tiere auf Brautschau. Deshalb findet man sie zu dieser Zeit auch besonders häufig in der Wohnung. Die weiblichen Tiere sind dagegen deutlich ortstreuer und bleiben in der Nähe des Netzes.

Die Paarung ist ein relativ komplizierter Vorgang, der von chemischer Kommunikation begleitet wird. Zudem nähert sich ein Männchen immer nur sehr vorsichtig an ein Weibchen an – es klopft und zieht wiederholt an ihrem Netz, um herauszufinden, ob das Weibchen paarungsbereit ist.

Klappt die Paarung, legt das Weibchen zwischen 30 und 100 Eier in besonderen Kokons ab. Die Große Winkelspinne beispielsweise produziert hierfür weiche Spinnseide. Nach etwa vier Wochen schlüpfen die Jungtiere, die sich anschließend noch mehrfach häuten müssen.

5. Steckbrief der Winkelspinne

Merkmal Ausprägung
Lateinischer Name: Tegenaria
Familie: Trichterspinnen
Größe: 1,5 bis 2,5 cm (Körper)
Farbe: rotbraun, dunkelbraun, schwarzbraun
Ernährung: Insektenfresser
Lebensweise: dämmerungs- und nachtaktiv
Lebensraum: Kulturfolger des Menschen, bevorzugt trockene Lebensräume

6. Mit natürlichen Mitteln können Sie die Winkelspinne vertreiben

Die schlechte Nachricht vorweg: Selbst die wirksamsten Mittelchen können nicht verhindern, dass es die eine oder andere Spinne ins Haus oder die Wohnung schafft. Aber es gibt doch einige Tricks, mit denen Sie es den Tierchen deutlich erschweren, gerade Ihr Domizil auszuwählen.

Im Handel finden Sie verschiedene Sprays und Abwehrmittel, die Sie allerdings nicht direkt auf die Spinnen anwenden sollten. Sie können sie aber dazu verwenden, mögliche Eintrittsstellen zu Ihrem Haus oder Ihrer Wohnung zu besprühen, beispielsweise Fensterrahmen oder Türen.

Beißwerkzeuge der Winkelspinne

Beißwerkzeuge einer Winkelspinne. Für Menschen sind die in Deutschland lebenden Arten ungiftig.

Es gibt aber auch natürliche Mittel mit denen Sie Spinnen loswerden können. Eine Möglichkeit sind ätherische Öle. Wenn Sie Haustiere haben, sollten Sie damit aber vorsichtig umgehen. Katzen beispielsweise reagieren nicht nur auf chemische Abwehrsprays empfindlich, sondern vertragen auch keine solchen Öle.

Um ein wirksames Abwehrmittel herzustellen, brauchen Sie fünf bis 10 Tropfen Neem-, Teebaum- oder Lavendelöl. Dieses sollten Sie anschließend mit ca. 450 ml warmen Wasser verdünnen. Ein Spritzer Spülmittel dazu, damit das Öl aufgespalten wird, und schon können Sie die Mischung an den Eintrittsstellen aufbringen. Aber Vorsicht bei empfindlichen Hölzern: Öl kann Flecken hinterlassen!

Aus Tierschutzgründen sollten Sie auf das Einsaugen der Spinnen verzichten. Wenn Sie sich das Einfangen der schnellen Tierchen mit einem Glas nicht zutrauen, können Sie spezielle Geräte kaufen, mit denen Sie die Spinne unverletzt aber ohne Kontakt ins Freie tragen können.

7. Spinnenliebhaber halten Winkelspinnen sogar als Haustiere

Winkelspinne als Haustier

Spinnenliebhaber sind von der Winkelspinne fasziniert. Ortstreue Weibchen lassen sich sogar in Terrarien halten.

Manche Menschen wollen die interessanten Tiere am liebsten ganz nah bei sich haben – denn Spinnenliebhaber sind von Winkelspinnen meist begeistert. Die heimischen Hausspinnen lassen sich durchaus wie ein Haustier halten, allerdings nur die ortstreuen und ruhigeren Weibchen. Da Winkelspinnen bei günstigen Bedingungen bis zu sieben Jahre alt werden können, kann man sich an die Tierchen richtig gewöhnen.

In vielen Foren tauschen sich Winkelspinnen-Fans über die bestmögliche Haltungsform und Pflege der Spinnen aus. Wichtig ist: Winkelspinnen bevorzugen trockene Habitate und dementsprechend eingerichtete, ausreichend große Terrarien.

Die in Deutschland heimischen Winkelspinnen beißen normalerweise nicht – ein Biss wird ausschließlich für das Betäuben von Beute eingesetzt. Selbst wenn Sie von einer solchen Spinne gebissen werden sollten, sind Sorgen unbegründet – die hier beheimateten Tierchen sind ungiftig.

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