Schaf: Weit verbreitetes, freundliches und vorsichtiges Nutz- und Heimtier

Schaf an der Nordsee
  • Das Schaf wird seit Jahrtausenden als Haustier gehalten. Heute gibt es zwanzig Arten mit mehreren Gruppen, darunter Wildschafe und Hausschafe.
  • Schafe können sehr unterschiedlich aussehen, haben manchmal Hörner und ganz unterschiedliches Fell. Als Nutztier werden Schafe wegen ihres Fleisches, der Milch und der Wolle gehalten.
  • Ein Schaf kann bis zu 20 Jahre alt werden, ist ein tendenziell vorsichtiges Tier, lebt im Herdenverband und ernährt sich vorwiegend von Gräsern.

Schafe sind weltweit verbreitete Haus- und Nutztiere. Es sind anpassungsfähige und leistungsstarke Tiere mit sozialem Verhalten im Herdenverband. Sie gelten außerdem als ziemlich intelligent. 

In unserem Ratgeber lernen Sie das Schaf aus verschiedenen Perspektiven kennen und erfahren alles Wissenswerte rund um das Tier mit dem sanften Charakter.

1. Das Schaf: Ein weltweit verbreitetes Haus- und Nutztier

Schafe (Ovis) gehören zu den Säugetieren aus der Gruppe der Ziegenartigen. Insgesamt finden sich weltweit zwanzig Arten, innerhalb derer sich mehrere Gruppen finden lassen. Dazu gehörten unter anderem Wildschafe, die Vorfahren einer anderen Gruppe, den Hausschafen. Schafe gehören zu den Paarhufern.

In seiner domestizierten Form ist das Hausschaf aus dem Mufflon hervorgegangen und gehört zu den ältesten Haustieren überhaupt. Schon 8000 v. Chr. nutzten Menschen Fleisch, Milch und Wolle des Tieres, weshalb das Hausschaf schnell in Konkurrenz mit dem Wildschaf trat. Die wildlebenden Arten sind daher inzwischen vom Aussterben bedroht.

In manchen indogermanischen Kulturen gelten Schafböcke als Sinnbild für Fruchtbarkeit. Das liegt daran, dass ein einzelner Schafbock pro Tag 50 weibliche Tiere begatten kann – eine enorme Leistung.

2. Weltweit verbreitet: Schafe gibt es überall, vor allem in Neuseeland

Schafe kommen in ihrer domestizierten Form heute weltweit vor. Als Nutztier werden sie aber vor allem in China, Australien und Neuseeland gehalten, die gleichzeitig auch die größten Produzenten von Schaffleisch und -Wolle sind. Schafmilch und Produkte wie Schafskäse werden vor allem in China, Syrien und der Türkei produziert.

Mufflon Wildschafe im Wald

Die heutigen Hausschafe gehen auf das Mufflon zurück – ein Wildschaf, das es heute noch gibt.

In Neuseeland ist die Schafhaltung die wichtigste Weidenutzung. Im Vergleich zu früher sind die Zahlen zur Schafhaltung jedoch rückläufig! Dennoch leben hier noch rund 30 Millionen der Tiere – im Vergleich zu knapp 4,5 Millionen Menschen. Durchschnittlich 1400 Tiere pro Herde werden gehalten, wobei hauptsächlich wenig wetterempfindliche Schafe verwendet werden. In Neuseeland leben die Tiere oft lange Zeit ohne menschlichen Eingriff auf ihren Weiden, weshalb nur robuste Rassen in Frage kommen.

Wilde Schafe gibt es heute noch im westlichen Nordamerika sowie im westlichen, mittleren und nordöstlichen Asien. Ob die Mufflon-Populationen auf einigen Inseln im Mittelmeer tatsächlich Wildschafe oder verwilderte Hausschafe sind, ist umstritten.

Fast alle Wildschafe sind Gebirgsbewohner, Dickhornschafe kommen jedoch auch in Wüsten vor.

3. Die äußerliche Erscheinung kann vielfältig sein

Schafrassen lassen sich sowohl aufgrund ihrer Verwendung als auch ihrer Optik nach in Gruppen einteilen: Bergschafe, Fleischschafe, Milchschafe und Landschafe, Merinoschafe und Haarschafe.

Zwei Skuddenlämmer beim Grasen

Zwei Skuddenlämmer beim Grasen. Mit etwa fünf bis sechs Monaten fressen die Kleinen selbständig.

Besonders groß wird das Schwarzköpfige Fleischschaf mit bis zu 160kg Gewicht und 95cm Schulterhöhe, eher klein ist das Ouessantschaf mit rund 20kg Gewicht und 45cm Schulterhöhe.

Fast zierlich sehen auch die Ostpreußischen Skuddenschafe aus, eine der ältesten Hausschafrassen. Je nach Rasse variiert die Beschaffenheit der Wolle sowie die Fellzeichnung.

Von Ziegen unterscheiden sich Schafe optisch durch ihren langen hängenden Schwanz. Ziegen stellen ihren Schwanz auf und haben dazu noch ein Kinnbärtchen.

Nicht alle Schafe haben Hörner. Bei manchen Rassen tragen beide Geschlechter, also auch ein weibliches Schaf (auch Aue oder Zibbe genannt) Hörner, oder auch nur die männlichen Tiere. Im Alter drehen sich diese spiralförmig ein und können sehr lange werden. Gerade männliche Schafe mit Hörnern sind extrem wehrhaft. Revierkämpfe zwischen fremden Böcken können tödlich enden und auch für Menschen sind die Böcke nicht ungefährlich.

4. Schlau, vorsichtig, sozial: Schafe sind freundlich im Charakter

Schafe sind soziale Tiere, die in der Herde leben und dort mit ihren eigenen Charakteren zu einem starken Gruppenverband beitragen. Es sind vorsichtige Tiere, die sich Neuem nur misstrauisch nähern und immer auf der Hut sind. Gleichzeitig können sie zu ihren Bezugspersonen, beispielsweise dem Hirten, eine starke Bindung aufbauen.

Schaf wird von Besitzerin gestreichelt

Schafe bauen zu ihrer Bezugsperson eine enge Bindung auf, können Gesichter erkennen und sind sehr gewitzt.

Wer seine Schafe zu sehr verwöhnt, eher unregelmäßig füttert und ihnen beibringt, dass es bei jedem „Besuch“ auch eine Leckerei gibt, wird mit der unwahrscheinlichen Lernfähigkeit der Tiere konfrontiert. Sie wissen nämlich ganz genau, dass sie dann mit lautem Geblöke und Meckern das bekommen, was sie wollen.

Schafe sind freundlich, können sich aber auch mit ihren kräftigen Körpern durchsetzen, wenn sie etwas wollen. Manche sind regelrecht dreist, vor allem wenn es ums Futter geht. Gerade bei handaufgezogenen Böcken muss man durchaus vorsichtig sein, damit sie nicht lernen, zu boxen (sprich: die Köpfe gegeneinander zu hauen), wenn es nicht nach ihrem Willen geht.

Toll: Ein Schaf ist entgegen eines Sprichtworts alles andere als dumm. Forschungen zeigen, dass Schafe sogar sehr intelligent sind und komplexe Aufgaben bewältigen können. Beispielsweise können sich Schafe Gesichter merken und erkennen diese auf Fotos, selbst wenn sie aus einem anderen Winkel zu sehen sind.

5. Lebensweise und Haltung: Schafe können bei guter Haltung bis zu 20 Jahre alt werden

Werden Schafe gut gepflegt und artgemäß gehalten, können sie richtig alt werden – je nach Rasse bis zu 20 Jahre! In der konventionellen Schafszucht ist dies leider nicht der Fall. Ein Wollschaf wird in der Intensivhaltung sieben Jahre alt, Mastlämmer haben sogar nur drei bis vier Monate Lebenserwartung.

5.1. Schafe sind Wiederkäuer und können Zellulose verwerten

Alle Schafe sind Wiederkäuer und haben als solche im bleibenden Gebiss 32 Zähne. Wiederkäuer heißen so, weil sie einen mehrteiligen Wiederkäuermagen besitzen. In diesem ist es möglich, durch mikrobielle Verdauung auch Kohlenhydrate zu verwerten, die andere Säugetiere nicht nutzen können. Ein klassisches Beispiel ist Zellulose – deswegen sind Wiederkäuer auch Pflanzenfresser.

Schafe rülpsen

Wiederkauen von Gräsern setzt Gase frei, vor allem Kohlendioxid und Methan. Diese werden Schafe los, in dem sie zwischendurch rülpsen.

Schafe ernähren sich daher vor allem von Gräsern. Sie fressen aber auch bestimmte Blätter, wenn sie sie erreichen und können mit Getreide und Rübenschnitzel zugefüttert werden, falls nötig. Älteren und schwachen Tieren sowie Mutterschafen kann man so wieder etwas Speck auffüttern. Da das Gras im Winter nicht ausreicht, muss Heu zugefüttert werden.

Die vorverdaute Nahrung wird in Ruhephasen des Tieres hochgewürgt und wieder zerkaut. Der so sehr zerkleinerte Nahrungsbrei wird erneut geschluckt und der eigentlichen Verdauung zugeführt.

Als Wiederkäuer haben Schafe ausgeprägte Sinne, da sie permanent auf mögliche Feinde achten und notfalls schnell flüchten müssen.

5.2. Schafe sind tagaktiv und bilden Gruppen

Da Schafe viel fressen müssen, sind sie vorwiegend tagaktiv. Sie laufen auf ihrer Weise in ihrer Schafsherde grasend umher, meiden aber oft die heißen Mittagsstunden im Sommer. Dann liegen sie gemeinsam im Schatten, käuen wieder und ruhen sich aus.

Schafherde im Winter

Schafe fühlen sich im Herdenverband am wohlsten. Dennoch hat jedes Tier seinen eigenen Charakter.

Nachts schlafen Schafen geschützt in ihrer Herde, schrecken bei Störungen aber auf und verhalten sich fluchttiertypisch dann unruhig.

Die weiblichen Tiere schließen sich mit den Jungtieren meist zu Verbänden zusammen – je nach dem, wie groß die Herde ist.

Männliche Tiere (Widder) leben als Einzelgänger oder in kleinen Männergruppen und haben dort eine streng hierarchische Rangordnung.

5.3. Lammzeit ist im Frühjahr: Zwischen einem und vier Lämmer pro Muttertier

Üblicherweise fällt die Paarungszeit von Schafen in den Herbst, damit die Lämmer im Frühjahr zur Welt kommen – nach einer Tragezeit von fünf bis sechs Monaten. Allerdings sind beispielsweise Merinoschafe das ganze Jahr über paarungsbereit, so dass Geburten auch das ganze Jahr über stattfinden, sobald ein Bock in der Herde ist.

Normal sind ein bis zwei Lämmer pro Muttertier, in Ausnahmefällen gibt es aber auch Drillings- und sogar Vierlingsgeburten. Ein Lamm säugt bis zu einem halben Jahr bei der Mutter, beginnt aber früh, an Gras herumzuknuspern und schon etwas feste Nahrung zu sich zu nehmen. Die meisten Schafe werden im Alter zwischen sieben und 18 Monaten geschlechtsreif.

5.4. Schaf und Wolf: Herdenschutzhunde können eine Lösung sein

Pyrenäenberghund als Schutzhund für eine Schafsherde

Ein Pyrenäenberghund hat seine Herde immer im Blick und kann Situationen selbständig einschätzen.

Mit der Rückkehr des Wolfes nach Deutschland – aber auch in anderen Ländern – werden immer wieder Schutzmaßnahmen für Weidetiere diskutiert. Seit Tausenden von Jahren wurden und werden spezielle Herdenschutzhunde eingesetzt, die bereits als Welpe in ihrer zu beschützenden Herde leben und diese daher wie ihre eigene Familie sehen. Im Gegensatz zu Hütenhunden, wie der Border Collie, aber auch der Schäferhund, sind Herdenschutzhunde rein zum Schutz der Weidetiere da.

Herdenschutzhunde sind große, starke und wehrhafte Tiere, die Schafe vor Angreifern von außen beschützen. Sie können Gefahren eigenständig einschätzen und sind für Wölfe und andere Beutegreifer ein echtes Hindernis, das lieber vermieden wird.

Info: Bestimmte Herdenschutzhunde eignen sich auch für dichtbesiedelte Länder wie Deutschland. Dazu gehören der französische Pyrienäenberghund und der italienische Maremmano-Abruzzese. Richtig aufgestellt ist ein konfliktarmes Miteinander von Weidetierhaltung und Wolf möglich.

6. Private Schafhaltung: Mit Sachkunde und nicht im Vorgarten

Prinzipiell darf jeder Schafe als Haustiere halten, der dies möchte. Als Halter oder Halterin ist man jedoch nach dem Tierschutzgesetz verpflichtet, sich die nötige Sachkunde hierfür anzueignen. Wer sich noch gar nicht auskennt, sollte dies am besten über Lehrgänge tun, die von Regionalverbänden angeboten werden.  Grundsätzlich sollten Anfänger am besten auf eine robuste Landschafrasse zurückgreifen, die anfängliche kleine Fehler in der Haltung und Fütterung recht gut verzeihen.

Aufgepasst: Schafhaltung muss sowohl beim zuständigen Veterinäramt als auch bei der Tierseuchenkasse angezeigt werden. Zudem brauchen Schafe ab dem Alter von 9 Monaten und beim Verlassen des Grundstückes Ohrmarken.

Da Schafe Platz und vor allem genug Weidefläche brauchen, kann man sie nicht als Rasenmäher in den Vorgarten stellen. Zwar sind es robuste und prinzipiell genügsame Tiere, sie fressen aber nicht jedes Gras. Schafe müssen außerdem mindestens zu zweit gehalten werden, ein wetterfester Unterstand muss vorhanden sein und im Sommer Schattenplätze auf der Weide. Wer keinen Nachwuchs will, kann dennoch weibliche und männliche Tiere zusammen halten, wenn die Männchen kastriert sind. Ein kastriertes männliches Schaf heißt übrigens Hammel.

Bei der Pflege müssen ein paar Dinge beachtet werden. Es ist wichtig, Schafe bis zu drei Mal pro Jahr zu entwurmen. Dazu kommt zweimal im Jahr das Klauenschneiden sowie einmal pro Jahr das Scheren, am besten zu Beginn des Sommers und frühestens nach den Eisheiligen Mitte Mai.

Schafscherer bei der Schur

Wie man ein Schaf richtig schert, kann man lernen, beispielsweise in speziellen Workshops von Verbänden.

Das gilt für alle Schafe, die erblich bedingt keinen Wollwechsel haben – was auf alle heimischen Wollschafrassen, der Heid- und der Moorschnucken zutrifft. Werden diese Schafe nicht einmal pro Jahr geschoren, wird das Wärmeregulationsvermögen empfindlich gestört.

Prinzipiell ist das Scheren kein Hexenwerk, aber es braucht etwas Übung und vor allem jemanden, der es genau erklärt. Landwirtschaftskammern bieten auch hierzu Lehrgänge an, in denen Sie die Grundlagen gezeigt bekommen und selbst ausprobieren können.

Kosten im Blick: Um einen Überblick über alle möglichen Kosten für ein Schaf als Haustier zu bekommen, hat das Bündnis Mensch und Tier diese bereits vor einigen Jahren auf ca. 1.500 Euro pro Jahr kalkuliert. Aufgrund inzwischen gestiegener Preise ist das nur als Richtwert zu sehen. Einige der Kostenpunkte teilen sich wiederum auf mehrere Tiere auf. Dennoch ist Schafhaltung kein günstiges Hobby, vor allem wenn Weideland gepachtet werden muss.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (35 votes, average: 4,40 out of 5)
Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.