Friesen: Die schwarzen Perlen unter der Pferden

Friesenhengst Friesenstute Friesenwallch schwarz
  • Friesen sind elegante Pferde mit kräftigem Körperbau. Ihr freundliches und entspanntes Wesen macht sie zu einem beliebten Freizeitpferd.
  • Pferde dieser Rasse haben schwungvolle Gänge, sind fleißig und lernfähig, wodurch sie vielseitig einsetzbar sind als Show-, Dressur- und Kutschpferd.
  • Das glänzende schwarze Fell, die lange gewellte Mähne und der üppige Schweif sind charakteristisch für ihr schönes Aussehen.

Friesen zählen zu den bekanntesten und ältesten Pferderassen Europas. Ihre imposante Erscheinung, das pechschwarze Fell und die fließende Mähne brachten ihnen den Spitznamen “schwarze Perle”. Die eleganten Pferde ziehen jeden Pferdenarr in ihren Bann. Kaum zu glauben, dass diese beliebten Pferde einst vom Aussterben bedroht waren. Heute werden die freundlichen Allrounder von Freizeitreitern und Profis gleichermaßen im Reit-, Fahr- und Showsport eingesetzt.

In diesem Artikel erhalten Sie einen Überblick über die Zuchtgeschichte der Friesen, wofür sie eingesetzt werden und welche Eigenschaften sie besitzen. Am Ende fassen wir alle Informationen in einem Steckbrief übersichtlich für Sie zusammen.

1. Friesen haben eine turbulente Zuchtgeschichte

Der Friese ist eine niederländische Pferderasse aus der Provinz Friesland. Ursprünglich waren es kräftige Tiere – von der Statur eher ein Kaltblut – die in der Landwirtschaft sowie als Kriegspferd eingesetzt wurden.

friesenwallach in geschirr zieht eine kutsche

Bis heute sind Friesen sehr beliebte Kutschenpferde.

Zur Zeit der spanischen Besetzung der Niederlande im 16./17. Jahrhundert kreuzte man diesen robusten und schweren Pferdetyp mit den majestätischen Pferden der Spanier. Das Ergebnis war ein deutlich feineres Erscheinungsbild, wodurch der elegante Barockfriese im 18. Jahrhundert in herrschaftlichen Kreisen zu einem sehr beliebten Kutschenpferd wurde.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts sank die Nachfrage so stark, dass der Friese kurz vor dem Aussterben stand und Gefahr lief, in Vergessenheit zu geraten. Im Jahr 1913 waren nur noch drei Friesenhengste übrig. Durch das Engagement einiger Züchter konnte die Rasse allmählich wieder aufgepäppelt und der Fortbestand gesichert werden. Dies geschah ausschließlich durch Reinzucht. Abgesehen von den spanischen Blutlinien, wurde in der Friesenzucht nie wieder eine Einkreuzung vorgenommen.

1.1. Die moderne Friesenzucht ist streng reinrassig

Ab den 1970er Jahren überzeugten die imposanten Bewegungen des Friesen die Reitsportler, ihn als Dressurpferd einzusetzen. Von da an war sein Bestand gesichert und seine Popularität stieg rasant an.

Der kurze Zusammenbruch der Friesenpopulation hinterließ jedoch seine Spuren: Inzucht war die einzige Möglichkeit einen reinrassigen Fortbestand zu sichern. Bis heute gibt ein sogenannter Inzuchtfaktor in den Papieren an, zu wie viel Prozent das Tier aus genetisch gleichem Erbe stammt.

1.2. Eine neue Linie: Mix aus Friese und Araber

Um die hohe Inzuchtrate bei den Friesen zu minimieren werden seit den 1970ern sogenannte Arabofriesen gezüchtet. Die erste Zucht entstand aus der Kreuzung einer Friesenstute mit dem Vollblutaraber Gharib vom Gestüt Marbach. Das Erscheinungsbild des Arabofriesen ist von einem reinrassigen Friesen kaum zu unterscheiden.

2. Friesen sind bildhübsche und unverkennbare Tiere

friese mit elegantem schritt

Charakteristisch für Friesen ist ein kräftiger, eleganter Körperbau mit glänzendem Langhaar und Kötenbehang.

Friesen haben einen stattlichen, stämmigen Körperbau. Ihr kräftiger und gewölbter Hals, die muskulöse Hinterhand in Kombination mit ihrem glänzenden Fell machen sie zu einer wahrhaftig imposanten und einzigartigen Erscheinung.

Charakteristisch ist ihre volle Mähne, der voluminöse Schweif sowie der dichte Fesselbehang. Das Langhaar sollte üppig und gewellt sein. In Deutschland und Österreich werden sie deswegen auch als Langhaarpferde bezeichnet. Alle diese Merkmale verleihen ihnen trotz ihrer großrahmigen Statur ein sehr elegantes Exterieur.

Die Körpergröße variiert je nach Geschlecht und Alter zwischen 150 und 170 Zentimetern. Um zur Zucht zugelassen zu werden, sollte das Stockmaß bei Friesenstuten 155 Zentimetern und bei Hengsten 160 Zentimetern betragen.

Ursprünglich waren Friesen etwas kleiner als heute. In den letzten Jahrzehnten wurde jedoch vermehrt Wert auf einen sportlichen Typ gelegt, wodurch die Pferde größer gezüchtet wurden.

2.1. Die Fellfarbe der Friesen ist grundsätzlich schwarz

Friesenschimmel

Weiße Friesen gibt es reinrassig grundsätzlich nicht, können aber als Kreuzung vorkommen. Der bekannteste Vertreter ist wahrscheinlich der Friesen-Araber-Mix Nero.

Friesen werden nur noch als Rappen gezüchtet. Einst gab es auch braune Tiere, jedoch wurde seit 1928 keine braune Stute mehr ins Stammbuch eingetragen. Andere Farben als reinerbig schwarz sind offiziell nicht mehr zugelassen. Ganz selten treten noch Friesenfüchse auf. Diese Tiere werden allerdings nicht zur Zucht verwendet.

Offiziell erlaubt sind weiße Abzeichen am Kopf, sofern sie maximal drei Zentimeter groß sind und nicht unterhalb der Augenlinie liegen. An anderen Körperstellen dürfen keine weißen Abzeichen vorkommen.

Die Fohlenfarbe: Friesenfohlen sind bei der Geburt immer braun und werden erst mit der Zeit dunkler.

3. Ihre Vielseitigkeit kommt durch ihr tolles Wesen und die schönen Bewegungen

Friesenfohlen mit stute auf gestüt eines züchters

Eine Friesenstute mit ihrem Fohlen auf der Koppel.

Friesen besitzen einen sehr freundlichen und entspannten Charakter. Ihr umgängliches Wesen macht sie zu einem angenehmen Begleiter, wodurch sie vielseitig einsetzbar sind.

Sie arbeiten gerne und eignen sich mit ihrer Lernbereitschaft hervorragend für den Einsatz in der Dressur. Ihr Gang ist kraft- und schwungvoll mit einer deutlichen Schwebephase dank ihrer kräftigen Hinterhand. Der Trab zeichnet sich durch eine beeindruckende Knieaktion aus.

Kalt- oder Warmblut?

Offiziell wird der Friese zu den Warmblütern gezählt. Allerdings gibt es rege Diskussionen darüber, welches Blut der Friese nun wirklich hat: Einige Merkmale wie der reiche Kötenbehang und der schwere Körperbau sprechen durchaus für ein Kaltblut. Seine gute Eignung als leistungsbereites Gebrauchspferd dient wiederum als Argument für das Warmblut. Ein Kompromiss lautet: Ursprünglich als Kaltblut gezüchtet, später als Warmblut veredelt.

Aber auch vor der Kutsche machen Friesen eine gute Figur, da sie sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lassen. Als nervenstarke Pferde mit einem ausgeglichenen Temperament laufen sie zuverlässig im Geschirr. Aufgrund ihres Charakters und des edlen Erscheinungsbildes werden sie auch in Pferdeshows häufig eingesetzt.

Der Friese ist sehr umgänglich und sucht den Kontakt zum Menschen. Er baut schnell eine Verbindung zu seinem Reiter auf, den er mit seiner Geduld und Sanftmut immer wieder begeistern wird. Sein ursprüngliches Einsatzgebiet als reines Arbeitspferd merkt man ihm heute nur noch an seiner hohen Belastbarkeit an.

4. Friesen bevorzugen offene Ställe mit viel Auslauf

Der Friese ist in Sachen Haltung ein sehr genügsames Tier. Am liebsten hat er einen offenen Stall, wo er sich ausreichend bewegen kann und Kontakte hat. Wie alle Pferde ist er ein Herdentier und bevorzugt es, in einer Gruppe mit anderen Artgenossen zu leben.

mehrere friesen auf einer wiese

Friesen leben gerne in einer Herde mit viel Kontakt zu anderen Pferden.

Kälte macht ihm mit seinem dichten Fell nichts aus. Die pralle Sommerhitze verträgt er hingegen weniger gut. Ratsam ist ein Witterungsschutz, der Schatten spendet und einen Unterschlupf vor Wind und Regen bietet. Aufgrund seines starken Kötenbehangs ist es wichtig, dass Sie ihn auf einem trockenen Untergrund halten, da zu viel Nässe Hauterkrankungen in der Fesselbeuge begünstigen kann.

Wenn Sie Ihren Friesen in einer Box halten, sollten Sie ihm genügend Auslauf an der frischen Luft ermöglichen und nicht nur in der Halle reiten. Eine große Koppel und ausgiebige Ausritte sind für ihn absolut notwendig.

Achtung: Im Winter sollten Sie ihm wenigstens den Zugang zu einem Paddock ermöglichen, wobei das nur ein Kompromiss für eine artgerechte Haltung darstellt. Ein Offen- oder Laufstall ist in jedem Fall die bessere Wahl.

4.1. Bei der Pflege besonders auf die Fesseln achten

Die lange und glänzende Mähne ist natürlich ein ganz besonderes Aushängeschild für einen Friesenhalter. Dennoch sollten Sie das Langhaar nicht zu viel Kämmen, da es sonst ausdünnt. Es braucht viel Zeit, bis es auf volle Länge nachgewachsen ist.

Am besten flechten Sie eine lange Mähne zu einem Zopf, damit der Friese beim Grasen nicht aus Versehen drauftritt. Der Schweif bleibt am schönsten, wenn Sie ihn von Hand verlesen. Hin und wieder ist der Griff zur Schere jedoch notwendig, wenn er unten zu lang wird.

friese mit geflochtener mähne

Flechten hilft, um die lange Mähne zu schützen und dem Pferd das Grasen zu erleichtern

Kontrollieren Sie täglich das Einstreu auf seinem Schlafplatz, damit dieser schön trocken und sauber ist. So verhindern Sie Feuchtigkeit in der Fesselbeuge, da Dreck und Nässe leicht im Behang hängenbleiben und zu Problemen mit Mauke oder anderen Krankheiten führen kann.

Befreien Sie zudem vorbeugend den Behang täglich mit einer Bürste von Verunreinigungen.

5. Was es beim Kauf eines Friesen zu beachten gibt

Die Anschaffungskosten für ein Pferd lassen sich allgemein nur schwer vorher bestimmen und hängen von unterschiedlichen Faktoren ab:

  • Alter
  • Abstammung
  • Prämierung
  • Eignung
  • Fähigkeiten

Der Wert eines Friesen wird von Züchtern meist ganz anders wahrgenommen als von einem Freizeitreiter, der mehr nach Sympathie und Aussehen des Pferdes geht. Grundsätzlich ist der Preis für Fohlen und Jungpferde günstiger, als für ein ausgebildetes Pferd ab vier Jahren, in das bereits Kosten für Beritt und Haltung investiert werden musste.

Wenn Sie sich dafür entscheiden, einen Friesen zu kaufen, aber nur wenig Erfahrung auf dem Pferdemarkt besitzen, raten wir Ihnen die Hilfe eines erfahrenen Fachmannes zu suchen. Denn einen hübschen, gesunden, ausgebildeten, kinderlieben und braven Friesen zu finden ist nicht unmöglich, aber ohne das nötige Fachwissen kann es sehr schwierig werden – besonders wenn Sie nicht von einem Händler abgezockt werden möchten.

Angebote für Friesen von eingetragenen Züchtern finden Sie beispielsweise beim Friesenpferde Zuchtverband e.V. 

6. Alles auf einen Blick

Steckbrief Friese
Ursprung Niederlande: Westfriesland
Verbreitung in Europa stark vertreten
Stockmaß 155–175 Zentimeter
Gewicht 550–745 Kilogramm
Lebenserwartung 20–25 Jahre
Charakter und Wesen freundlich, ruhig, robust, zuverlässig, menschenbezogen, nervenstark
Aussehen muskulöser, kräftiger Körper mit dichtem Behang, langer Mähne und Schweif; elegantes Exterieur
Gang schwungvoll, deutliche Schwebephase, hohes Knie, weich
Farbe Rappe
Verwendung Allrounder als Freizeit-, Show- und Dressurpferd sowie zum Fahren
Weniger geeignet für Springreiten

 

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