Bartagame: Dies sollten Sie über die kleinen Drachen im Terrarium wissen

ausgewachsener bartagame
  • Bartagamen sind australische Echsen, die neben den Wasseragamen zu den beliebtesten mittelgroßen Reptilien in deutschen Terrarien zählen.
  • Bartagamen brauchen artgerechte Pflege und ein mit viel Zubehör ausgestattetes, großes Terrarium.
  • Wer sich für eine Bartagame entscheidet, der hat die Qual der Wahl zwischen verschiedenen Farben.

Bartagamen sind faszinierende urzeitliche Drachen im Miniformat. Mit ihrem unverwechselbaren Aussehen und den schönen Farbnuancen beeindrucken sie nicht nur Reptilienliebhaber. Wer mit dem Kauf eines solchen Minidrachens spielt, der muss ähnlich wie bei seinem großen Verwandten, dem Leguan, am besten gleich in größeren Dimensionen denken. So faszinierend die Bartagamen auch sind, sie fordern von ihrem Halter einiges an Sachkenntnis und sind mitnichten „kleine Echsen für Anfänger“.

Dieser Ratgeber informiert Sie über alles, was Sie rund um die Bartagamen wissen sollten. Hier finden Sie Tipps und Hinweise, was bei der Pflege dieser Echsen zu beachten und vermeiden ist, damit es Ihren neuen Terrariumbewohnern gut geht.

1. Bartagamen im Kurzportrait

Farbbartagame gelb

Prächtige Farbbartagamen finden immer mehr Liebhaber.

Bartagamen, griechisch Pogona (deu. Bart), sind Echsen aus der Familie der Agamen (Agamidae) und gehören zur Ordnung der Schuppenkriechtiere (Squamata). Sie sind in Australien beheimatet, wo zurzeit acht ihrer Art wissenschaftlich anerkannt sind.

Mit ihren überlangen Schwänzen, die die Hälfte bis zwei Drittel ihrer Körperlänge ausmachen, können sie eine durchschnittliche Größe von 30 bis 60 cm erreichen. Somit gehören sie zu den mittelgroßen bis großen Echsen.

Ihr auffälligstes Merkmal sind ihre Stacheln, die an mehreren Stellen ihr Schuppenkleid schmücken. Die Stacheln treten entlang der Flanken, an den Beinen, dem Schwanz sowie am Kopf auf. Namensgebend für die Gattung ist aber ihr stachelbesetzter Kehlsack, der im gedehnten bzw. aufgestellten Zustand an einen Bart erinnern.

Achtung: Bartagamen sind keine Haustiere „für Anfänger“ und auch keine Schoßtiere, die man ständig anfassen sollte. Das gefährdet nämlich ihre Gesundheit, denn der Mensch überträgt an sie Bakterien.

Die höchste Lebenserwartung von Bartagamen beträgt ca. 20 Jahre. Das ist jedoch nur eine Schätzung, denn das Alter der Echsen lässt sich nur ungefähr anhand ihrer Körperlänge bezeichnen.

2. Lebensraum, Artenvielfalt und Nahrung

Der natürliche Lebensraum der Bartagamen in Australien besteht vorwiegend aus trockenen busch- und baumbestandenen Naturräumen. Eine Ausnahme bilden die Zwergbartagame, die grasbewachsene Wüstenregionen bewohnen.

Mit Ausnahme von den oben genannten Wüstenbewohnen leben die meisten Bartagame in versteppten Buschregionen oder in lichten, trockenen Wäldern wie bspw. den Eukalyptushainen. Sie suchen sich gelegentlich Unterschlüpfe in menschlichen Lebensräumen wie Zäunen, Hütten und Scheunen. Ihre bevorzugten Plätze tagsüber liegen leicht erhöht und exponiert in der Sonne.

Name Wissenschaftlicher Name Vorkommen LEBENSRAUM
Zwergbartagame Pogona henrylawsoni Nordöstliches Zentralaustralien; beliebte Terrarientiere Halbwüsten mit Grasbewuchs
Östliche Bartagame Pogona barbata Ostaustralien Busch-/Waldräume; auch besiedelten Gebiete
Westliche Bartagame Pogona minor West- bis Zentralaustralien Busch-/Waldräume
Streifenköpfige Bartagame Pogona vitticeps Zentral- bis Südaustralien; beliebte Terrarientiere Busch-/Waldräume
Kimberley  Bartagame Pogona microlepidota Nordwestliches Australien Busch-/Waldräume
Kleine Bartagame Pogona minima Houtman-Abrolhos-Archipel in Westaustralien Busch-/Waldräume
Mitchells Bartagame Pogona mitchelli Westliches und nördliches Australien Busch-/Waldräume
Nullarbor Bartagame Pogona nullarbor Nullarbor-Ebene in südlichem Zentralaustralien Busch-/Waldräume

Bartagamen ernähren sich omnivor, das heißt, dass sie prinzipiell Allesfresser sind. Ihre Nahrung besteht aus kleinen Lebewesen und Pflanzen: Aus Insekten, Heuschrecken, Käfern und Würmern einerseits und Blüten, Früchten, Körnern und frischen Blätter andererseits. Besonders große Exemplare können kleine Frösche, Vogeleier oder auch Küken verspeisen. Auch ihr eigener Nachwuchs wird nicht verschmäht.

3. Verhalten, Paarung und Lebensweise

Werden Bartagamen bedroht, so reagieren sie darauf in der Regel mit Flucht und Verstecken. Sie können aber auch an Ort und Stelle verharren, wobei sie ihren Körper möglichst abflachen und auf den Boden drücken.

bartagame drohgebaerde

Eine Bartagame droht mit aufgestelltem “Bart” ihres Kehlsacks. Dies ähnelt dem Balzverhalten dieser Echsen.

Das Drohverhalten der Bartagame besteht in der ersten Linie darin, sich für ihren Feind größer zu machen. Sie stemmen sich in ihren Beinen hoch, dehnen ihre Kehlen aus und reißen das Maul auf, so dass der Feind ihren rosafarbigen Rachen sieht. Mithilfe der Kontraktion spezifischer Halsmuskulatur, die an dem Zungenbeinskelett der Echsen ansetzt, sind sie in der Lage, den mit Stacheln besetzten Hals anschwellen zu lassen. Das lässt sie für den Feind gefährlicher aussehen.

Bartagamen sind Einzelgänger, die ihr Revier abgehen und notfalls gegen andere Männchen vehement verteidigen. Vor allem während der Paarungszeit, wenn das Männchen ein Weibchen für sich beansprucht, zeigen sie sich ihren Geschlechtsgenossen gegenüber aggressiv und kampfbereit.

Farbbartagame

Private Aufzuchten haben Farbmutationen von Streifenköpfigen Bartagamen begünstigt, die so in der Natur nur sehr selten oder gar nicht vorkommen. Insbesondere Züchter aus der USA haben sich dabei hervorgetan und bieten sogenannte Farbbartagamen an.

Die Paarungszeit beginnt im australischen Sommer, das heißt ab September. Die männlichen Bartagamen führen den Weibchen gegenüber ein auffälliges Balzritual vor. Dieses Ritual hat gewisse Ähnlichkeiten mit den Drohgebärden der Echsen, in Gänze betrachtet stellt es jedoch ein typisches Werbungsverhalten mit Imponiergehabe dar.

Es besteht aus:

  • Aufstellen der Bartstacheln und Weitung des Kehlsacks, der in dieser Zeit eine dunkle Färbung bekommt.
  • Rhythmischen Stampfen mit den Vorderbeinen auf der Erde
  • Einem auf und ab Kopfnicken

Dieses Nicken und Stampfen wird nach kurzen Unterbrechungen immer wieder wiederholt.

Ein paarungsinteressiertes Weibchen beobachtet zunächst das balzende Männchen und antwortet ihm mit langsamen Kopfnicken. Daraufhin umkreist das Männchen die Bartagame und beißt ihr in den Nacken. Dieser Biss ist ein ritualisierter Paarungsbiss, bei dem es zu kleinen Verletzungen kommen kann.

Der eigentliche Paarungsakt dauert eine knappe Minute. Danach trennen sich die Tiere voneinander. Das Weibchen legt nach einem Abstand von ca. eineinhalb Monaten befruchtete Eier im feuchten Sand ab. Nach 50 bis 80 Tagen schlüpfen daraus die Bartagamenbabys. Sie sind ab diesem Zeitpunkt ganz auf sich allein gestellt und können anderen Bartagamen zum Opfer fallen. Daher gilt für die private Aufzucht: Ein paar Stunden nach Eiablage im Terrarium werden die Eier vorsichtig entfernt und in einen Inkubator gelegt. Gibt es keinen Abnehmer für die Kleinen, dann sollten die Eier vernichtet werden.

4. Artgerechte Haltung im Terrarium: Das sollten Sie wissen

Bartagame mit Bart

Bartagamen sind wilde Tiere und brauchen daher ausreichend Platz und einen Stein zum Sonnen.

Bevor Sie eine Bartagame kaufen, müssen Sie zunächst für ihre artgerechte Bleibe im neuen Zuhause sorgen. Dazu zählen an erster Stelle ein mit passendem Zubehör ausgestattetes Terrarium und die artgerechte Verpflegung.

Ob Sie ein Terrarium selbst bauen, oder sich für ein vorgefertigtes Terrarium aus Glas oder Holz entscheiden, ist zunächst reine Geschmackssache. Wichtig hingegen die Größe des Terrariums, denn damit bestimmen Sie, wieviel Bewegungsraum Sie Ihrem Tier zubilligen. Bedenken Sie, dass Bartagamen durchaus Bewegung brauchen, auch wenn sie gerne für einen Sonnenbad lange auf einem Flecken ausharren.

Ein artgerechter Innenausbau besteht aus vielen Kletter- und Versteckmöglichkeiten, denn Bartagamen sind scheue Haustiere.

4.1. Größe des Terrariums

Der Richtwert für die Größe eines Terrariums berechnet sich nach der Größe der Tiere und ihrer Anzahl.

Tipp: Nutzen Sie die Faustregel, die sich etabliert hat, und die von der sogenannten KRL, der Körper-Rumpf-Länge der Bartagame ausgeht. Die Formel für die Länge, Breite und Höhe des Terrariums lautet: KRL x (5x4x3). Dabei handelt es sich um eine Empfehlung für die Mindestmaße.

Für eine 25 cm lange Streifenköpfige Bartagame (Pogona vitticeps) ergeben sich folgende Mindestmaße des Terrariums: 25 x (5x4x3) = L 125 x B 100 x H 74 cm, die aufgerundet werden auf 150 x 100 x 80 cm.

Beachten Sie beim Bau oder Kauf des Terrariums, dass Ihr Tier noch wachsen wird! Wenn Sie gerne mehrere Tiere vergesellschaften möchten, so sollten Sie auch das in Ihre Kaufüberlegung einrechnen. Jedes weitere Tier braucht mind. 15% mehr der Grundfläche. Fragen zur Mehrtierhaltung beantworten wir weiter unten im Text.

4.2. Innenausstattung

Bei der Materialwahl ist zu bedenken, dass Glasterrarien selten in den erforderlichen Größen zu kaufen sind, sondern nach Wunsch in Auftrag gegeben werden müssen. Terrarien aus Holz haben den Vorteil, dass sie aus einfachen Bausätzen herzustellen sind. Darüber hinaus verlieren Glasterrarien schneller an Wärme, wohingegen das Holz ein besseres Dämmmaterial ist.

Info: Bartagamen mögen es, aus erhöhter Position heraus ihre Umgebung zu beobachten und sich am liebsten dabei zu sonnen. 45° C in praller Sonne zu genießen, ist für Bartagame in Australien kein Problem. Achten Sie aber darauf, dass im Terrarium kühlere Plätze zwischen 20° bis zu 30° C zu selbständigen Körpertemperaturregulierung vorhanden sind.

Sorgen Sie für Folgendes:

terrarium gross

Bartagamen klettern, sonnen und sandbaden am besten in einem großen Terrarium.

  • Wärmelampen auf richtiger Höhe anbringen (Verbrennungsgefahr)
  • Lampen mit einem Gitternetz oder anderen Schutzmaßnahmen absichern
  • Keine Klettervorrichtungen an den Wärmelampen (Verletzungs- und Verbrennungsgefahr)
  • Ausreichend und interessante Klettermöglichkeiten
  • Versteckmöglichkeiten und Ruheplätze
  • Steine als erhöhte Ruhe- und Aussichtsplätze, gerne unter Wärmelampen
  • Keine giftigen Pflanzen im Terrarium

Idealerweise sollten die Wärmelampen über einem Stein hängen, auf dem die Bartagamen leicht erhöht liegen und sich sonnen können. Achten Sie bei dieser Kombination unbedingt auf den richtigen Abstand zwischen Bartagame und Lampe – nur so vermeiden Sie gefährliche Verbrennungen und andere Verletzungen des Tieres. Der notwendige Abstand berechnet sich je nach der eingesetzten Lampe und ihrer Leucht- bzw. Wärmequalität. Er liegt im Durchschnitt zwischen 30 und 45 cm.

Tipp: Gestalten Sie das Terrarium etwas höher als die allgemeinen Empfehlungen, damit Ihr kleiner Drache Raum zum Klettern hat.

Ein besonderes Augenmerk müssen Sie auf die richtigen UVA- und UVB-Beleuchtungs- bzw. Wärmelampen sowie der richtigen Befeuchtung- bzw. Entfeuchtungsanlage legen. Maßgeblich dafür ist die richtige Vorstellung von den klimatischen Verhältnissen in ihrem Ursprungsland Australien. Tagsüber herrscht dort ein trockenes Klima mit hohen Temperaturen. In australischen Steppen ist es tagsüber sehr hell, das heißt: viel UVA- und UVB-Lichteinstrahlung. In der Nacht steigt die Luftfeuchtigkeit und erreicht im Durchschnitt im Morgengrauen ihren Zenit mit ca. 30% bis 45% Luftfeuchtigkeit.

Info: Im Durchschnitt sind die meisten Terrarien für Bartagamen zu dunkel. Bartagamen sind Tetrachromaten: Sie sehen – anders als Menschen – UVA-Licht, wodurch sie andere Farben und Muster erkennen. Das spielt eine große Rolle bei ihrer Nahrungsfindung. Daher gilt: Terrarien für Bartagamen können praktisch nie zu hell ausgeleuchtet sein.

Beispiele für die richtige Ausstattung eines Bartagamen-Terrariums mit UVA- und UVB-Lampen finden Sie hier.

4.3. Futter

Bartagamen sind echte Allesfresser. Auf ihrem Speiseplan stehen sowohl Lebendfutter wie Insekten, Käfer, Fliegen, Würmer als auch Gemüse, etwas Obst und Blüten. Sorgen Sie für eine ausgewogene Ernährung, indem Sie den Speiseplan dieser Agamen auch nach dem Alter Ihrer Tiere erstellen.

Junge Bartagamen, die noch im schnellen Wachstum begriffen sind, und trächtige Weibchen sollten vor allem tierische Frischkost bekommen, um ausreichend mit Vitaminen und Spurenelementen versorgt zu sein. Bei ausgewachsenen und alten Bartagamen sind Sie mit einem Speiseplan gut beraten, der aus 70% bis 80% pflanzlicher und 30% oder 20% tierischer Frischkost besteht. Verteilen Sie die tierische Fütterung auf zwei bis drei Tage in der Woche.

Achtung: Gut gemeint aber für Ihre Bartagame gefährlich: Käfer und Blätter zu sammeln von Feldern und Wiesen, die agrarwirtschaftlich genutzt werden. Hierbei droht Gefahr der Vergiftung durch Pestizide!

bartagame fressen

Bartagamen fressen Lebendfutter wie Heuschrecken, Grashüpfer oder Käfer.

Achten Sie bei der Fütterung auf Gemüse und Obstsorten, die nicht oder nur selten auf dem Speisezettel der Bartagamen stehen sollten. Obst sollte nur selten verfüttert werden, da es viel Säure und Zucker enthält. Gemüse und Obst mit viel Oxalsäure oder Solanin (Tomaten) sollten gar nicht verfüttert werden. Kräuter wegen ihrer ätherischen Öle nur in Maßen. Und auch Gurken und Kopfsalate sind keine gute Wahl: Sie enthalten zu viel Wasser, das zum Durchfall bei den Bartagamen führen kann.

Hier finden Sie eine weiterführende Liste der pflanzlichen Nahrung von Bartagamen und was dabei zu beachten ist.

Tipp: Sollten Ihre junge Bartagame keine Pflanzen annehmen, dann setzen Sie sie einen Tag in der Woche auf Diät und verfüttern nichts. Ein solcher fressfreier Tag schadet den Tieren nicht, vorausgesetzt es handelt sich dabei um absolut gesunde Echsen, und ist für junge und ausgewachsene Tiere gleichermaßen empfohlen.

Frisches Wasser sollte den Bartagamen immer angeboten werden, doch wundern Sie sich nicht, wenn sie nur wenig davon trinken, da sie ausreichend Feuchtigkeit über frische Nahrung aufnehmen.

4.4. Sonderfall: Wenn die Bartagame nicht fressen will

Hat Ihre Bartagame keinen Appetit oder hat das Fressen sogar eingestellt, so kann das viele Ursachen haben. Wenn sie sich gleichzeitig gänzlich zurückzieht und inaktiver wird, dann könnte dies ein Hinweis auf ihre beginnende Winterruhe sein.

Weitere Ursachen für ihr verändertes Fressverhalten können sein:

  • Verdorbenes oder nicht artgerechtes Futter
  • Darmverstopfung
  • Zu große Lebendkost (Insekten)
  • Darmbefall (Würmer)

Für weitere Informationen besuchen Sie die tierärztliche Ratgeberseite zum Thema „Haltungsfehler“.

Achtung: Bei anhaltenden Beschwerden sollte umgehend ein auf Reptilien spezialisierter Tierarzt aufgesucht werden.

5. Problemfall: die Vergesellschaftung

zwei Farbbartagamen

Wenn Sie versuchen Bartagamen zu vergesellschaften, müssen Sie die Tiere genau beobachten.

Es ist verständlich, wenn Liebhaber dieser besonderen Echsen sich nicht nur mit einer einzigen Bartagame begnügen möchten. Bartagamen sind jedoch absolute Einzelgänger. Männchen verhalten sich ihren Geschlechtsgenossen territorial und verteidigen ihr Revier vehement. Weibliche und männliche Bartagamen akzeptieren sich am besten während der Paarungszeit.

Eine Vergesellschaftung von einem männlichen und einem weiblichen Bartagamen kann funktionieren, ist aber in der Regel zum Wohle beider nicht ratsam. Der Grund dafür liegt in dem aufdringlichen Werbeverhalten männlicher Bartagamen. Das stresst sowohl das Weibchen, das in natürlicher Umgebung flüchten könnte, als auch das permanent werbende Männchen selbst.

Wenn Sie unbedingt mehrere Bartagamen halten möchten, müssen Sie ihnen eine artgerechte Haltung anbieten. Dazu gehören am besten separate Terrarien.

Bei entsprechender Größe des Terrariums können Sie eine Vergesellschaftung von zwei Weibchen mit einer männlichen Bartagame versuchen. Der Hintergedanke dabei ist, dass das Werbeverhalten des Männchens auf zwei Weibchen verteilt wird, was sich entlastend auf die einzelnen Weibchen auswirkt, jedoch wahrscheinlich das Männchen weiterhin stressen wird.

Achtung: Achten Sie auf das Verhalten des Weibchens. Neigt sie zu Flucht – bspw. entlang der Terrariumwand –, so muss das Männchen von ihr separiert werden.

Gestresste männliche und manchmal auch weibliche Bartagamen, die keine Fluchtmöglichkeit haben, können in permanente Kampfbereitschaft verfallen und sich in erbitterten Kämpfen schwer verstümmeln. Davon zeugen zum Teil stark verletzte Füße, Beine oder abgebissene Schwänze. Dieses Verhalten betrifft gleichermaßen weibliche wie männliche Bartagamen. Eine solche Haltung von Bartagamen ist nicht artgerecht und definitiv zu vermeiden.

Info: Haben Sie es gewusst? Die verstümmelten Gliedmaßen wachsen den Bartagamen nicht nach!

Bei Vergesellschaftung eines zweigeschlechtlichen Paares kann die permanente Anwesenheit eines Weibchens die männliche Bartagame durch ihr häufiges Werbeverhalten stressen und körperlich auslaugen. Beobachten Sie daher das Verhalten Ihrer Tiere sehr genau, wenn sie mehrere Bartagamen in einem Terrarium halten.

6. Umstrittenes Thema: die Winterruhe

Bartagamen sind Wechselwarmblüter, das heißt, dass ihre Körpertemperatur an die der Außentemperatur gekoppelt ist. Um ihre Vitalfunktionen aufrechtzuerhalten, brauchen Bartagamen Wärme. Dazu nehmen sie ausgiebige Sonnenbäder, bevorzugt auf Steinen und Felsen, und kühlen ihre Körpertemperatur ab, indem sie hecheln und sich an schattig-kühlere Plätze begeben.

Streifenköpfige Farbbartagame

Ist es mindestens 16 Grad warm, brauchen wilde Bartagamen in der Regel keine Winterruhe.

Je nach ursprünglichem Lebensraum der Echsen gibt es in Australien keine relevant niedrigen Tagestemperaturen, die Winterruhezeiten für Bartagamen notwendig machten.

In ihrem natürlichen Lebensraum lebende Bartagame geht nur dann in eine Ruhephase über, wenn die Tagestemperaturen über einen längeren Zeitraum auf ca. 16° C sinken. Das betrifft nur Bartagamen, die im Süden Australiens leben, da dort in den Monaten Juni bis August der australischer Winter einbricht, und mit Tagestemperaturen bis unter 10° C aufwartet. Bartagamen aus Zentralaustralien und den nördlichen Regionen haben hingegen das ganze Jahr über ausreichend Sonne, so dass sie keine Winterruhe einhalten brauchen.

Es gibt bisher keine wissenschaftlich belegten Studien aus Australien, die das spezielle Verhalten der verschiedenen Arten untersucht hätten. So gehen die Meinungen zu diesem Thema stark auseinander.

Fakt ist, dass die Tiere in nördlichen Regionen Australiens keine kalten Temperaturen haben, die ihnen eine Winterruhe aufzwingen würden.

Achtung: Bartagamen halten keinen Winterschlaf ab. Das heißt, sie verfallen in eine Ruhezeit, in der sie mitunter stark verlangsamt oder sogar inaktiv sind. Sie können jedoch aus diesem Zustand jederzeit „aufwachen“ und zeitlich begrenzt wieder aktiver werden. Füttern Sie die Bartagame in dieser “Zwischenzeit” noch nicht wieder.

Der Deutsche Tierschutzbund (PDF) empfiehlt eine dreimonatige Winterpause für Bartagamen während der deutschen Winterzeit und begründet es damit, dass es sich bei den in den Tierhandlungen erhältlichen Echsen um Zuchttiere handelt. Diese Begründung ist zu hinterfragen, denn entweder ist das Bedürfnis nach einer Auszeit für alle Bartagamen genetisch festgelegt oder witterungsbedingt.

Fakt ist, dass viele Bartagamehalter von sehr indifferenten Verhalten ihrer Tiere in Terrarien berichten. So beobachten einige Tierhalter, dass ihre Echsen keine Winterpause einleiten möchten und weiterhin aktiv bleiben.

Die in einschlägiger Literatur zu Bartagamen in Terrarien vertretene Meinung, die Winterruhe der Tiere stärke ihr Immunsystem, ist nicht ausreichend für Bartagamen in Australien belegt.

6.1. Empfehlung Winterruhe

Bartagame Winterschlaf

Bartagamen sollten selber entscheiden, ob sie eine Winterruhe machen wollen.

Die Bartagame sollte selbst darüber entscheiden, wann (und ob) sie in Winterruhe gehen möchte. Sie macht es dadurch deutlich, dass sie sich häufiger als sonst zurückzieht, inaktiver wird und weniger Lust am Fressen zeigt. Zum Einleiten der Winterruhe wird die Beleuchtungszeit verkürzt und die Temperatur auf ca. 16° C herabgesetzt. Gleichzeitig wird das Füttern stufenweise reduziert und schließlich eingestellt. Das Füttern sollte ungefähr 3 Wochen vor der eigentlichen Winterruhe komplett eingestellt werden. Damit garantieren Sie, dass der Darm des Tieres vollständig entleert ist. Das verhindert krankmachende Gärungsvorgänge während der Ruhezeit der Echsen.

7. Kurze Antworten auf häufig gestellte Fragen

Seit wann gibt es Bartagame?

Agamen sind urzeitliche Tiere, die es vor 60 Millionen Jahren gab. Prähistorische Knochenfunde auf der Kangaroo Insel belegen, dass es dort Bartagamen bereits vor mehr als  16.000 Jahren gab.

Was kosten Bartagamen?

Der Preis für Bartagamen liegt zwischen 20,- Euro für Jungtier und bis zu 100,- Euro für ausgewachsenes Exemplar. Spezielle Arten können mehr kosten. Rechnen Sie zu einer Bartagame auch laufende Haltungskosten (Futter, Strom), Terrariumanschaffung und das notwendige Equipment hinzu.

Wie bestimme ich das Geschlecht der Bartagame?

Dies ist nicht ganz einfach. Betrachten Sie die Stellen an der Unterseite des Schwanzes Ihrer Echse. Vielleicht entdecken Sie unter der Haut zwei runde sich gegenüberliegende Dellen, dann haben Sie es mit einem Männchen zu tun.

 

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