Gottesanbeterin: eine Fangschrecke mit besonderen Fähigkeiten

Gottesanbeterin
  • Die Europäische Gottesanbeterin ist eine bis zu 7,5 cm große Fangschrecke, die ihren Namen aufgrund ihres Aussehens erhalten hat.
  • Eine Gottesanbeterin lauert mit vor der Brust gefalteten Fangbeinen auf Beute wie beispielsweise Fliegen und kann diese Position stundenlang reglos halten.
  • Männchen ist oft nur ein kurzes Leben bestimmt: Es endet nicht selten während der Paarung.

Insekten wie die Gottesanbeterin gehören zu den ältesten Lebewesen auf der Erde. Bereits vor 340 Millionen Jahre bevölkerten sie verschiedene Landschaften und Wälder.

In unserem Lexikon lernen Sie das kuriose Insekt in all seinen Facetten kennen – und vielleicht sogar zu lieben. Die Fangschrecke hat nämlich zahlreiche besondere Fähigkeiten.

 

1. Die Europäische Gottesanbeterin: Ursprünglich kommt sie aus Afrika

Die Gottesanbeterin kommt ursprünglich aus Afrika, ist inzwischen aber auch in Europa beheimatet. Zuerst wurde sie nur in wärmeren Gebieten, beispielsweise in Freiburg nachgewiesen. Inzwischen hat sie sich über Südeuropa aber immer weiter Richtung Norden ausgebreitet und kommt in fast allen deutschen Bundesländern vor. Bisher fehlen nur Schleswig-Holstein und Niedersachsen.

Die rasche Verbreitung kann auch auf eine Einschleppung durch Urlaubsreisende zurückgehen – Fakt ist: Selbst in freier Wildbahn fühlen sich Gottesanbeterinnen bei uns inzwischen so wohl, dass sie überleben. Experten gehen davon aus, dass sich das Insekt aufgrund des globalen Klimawandels weiter ausbreiten wird.

2. Steckbrief der Gottesanbeterin: Insekt des Jahres 2017

Steckbrief und Aussehen
Lateinischer Name: Mantis religiosa
Klasse: Insekten
Größe: 5,5cm (Männchen) bis 7,5cm (Weibchen)
Gewicht: ca. 8g
Lebenserwartung: 7 bis 12 Monate
Herkunft: ursprünglich Afrika
Lebensweise: tagaktiv
Nahrung: Insekten (Bienen, Wespen, Fliegen, Heuschrecken, Spinnen)
Lebensraum: Wiesen, Wald
Feinde: Vögel, Ameisen, Wespen

Das Insekt des Jahres wird seit 1999 gewählt, und zwar von einem Kuratorium aus Insektenkundlern und Vertretern wissenschaftlicher Einrichtungen. Ursprünglich stammt die Idee von Prof. Dr. Holger Dathe, dem damaligen Leiter des Senckenberg Deutschen Entomologischen Instituts in Müncheberg. 2017 wurde die Gottesanbeterin ausgesucht, um die faszinierende Fangschrecke zu ehren und mit Vorurteilen aufzuräumen.

3. Aussehen und Gebetshaltung – daher der Name

Gottesanbeterin auf Blüte

Gottesanbeterinnen halten sich dort auf, wo auch andere Insekten leben. Sie sind reine Fleischfresser.

Die „Mantis religiosa“ ist die einzige in Deutschland heimische Fangschrecke. Der Name bedeutet „Seherin“ (Mantis) und „betend/religiös“ (religiosa) und geht darauf zurück, dass die Gottesanbeterin die Fangarme so zusammenfaltet, als ob sie beten würde. Sowohl für weibliche als auch männliche Tiere lautet der Name Gottesanbeterin.

Die gebetsartige Haltung ist eine Lauerhaltung: Gottesanbeterinnen können stundenlang vollkommen ruhig sitzen, bis ihnen ein Insekt vor die Fangarme fliegt, das postwendend aufgefressen wird. Die Fangarme, quasi die Vorderbeine, besitzen Widerhaken, mit denen sie ihrer Beute keine Chance lässt. Gefressen wird nicht mit Zähnen, sondern mit sogenannten Mandibeln, die sie immer von links nach rechts bewegt und damit den Fang vertilgt.

Gottesanbeterinnen können fliegen, vor allem die Männchen, da sie ausgebildete Flügel haben und so bei Bedarf den Ort wechseln. Häufiger hüpfen die Tiere jedoch, was mit ihren kräftigen Sprungbeinen leichter möglich ist. Einem weiter entfernten Insekt nähert sich eine Gottesanbeterin ganz langsam, indem sie vor- und zurückschaukelnd näherklettert. Sie wird dann oft für ein sich im Wind bewegendes Blatt gehalten.

Europäische Gottesanbeterin braun

Mit jeder Häutung können sich Gottesanbeterinnen der Untergrundfarbe anpassen. So sind sie besser getarnt.

Weibliche Gottesanbeterinnen sind nicht nur deutlich größer, sondern auch korpulenter als die männlichen Tiere. Beide Geschlechter haben einen verlängerten Oberkörper mit einem frei beweglichen Kopf.

Dieser hat eine dreieckige Form, wobei zwei der Ecken mit den Facettenaugen besetzt sind. Der Mund mit den Beiß- und Greifwerkzeugen ist kräftig und ragt nach vorne.

Gottesanbeterinnen haben außerdem lange Fühler und sind meistens grasgrün. Allerdings können Gottesanbeterinnen bei jeder der sechs bis acht Häutungen ihre Farbe ändern. Damit passen sich sich den unterschiedlichen Untergründen, meist Töne zwischen Grün und hellem Braun, perfekt an.

4. Lebensraum und Nahrung: Auf der Jagd nach anderen Insekten

Gottesanbeterinnen sind räuberische Insekten, die sich von anderen Insekten ernähren. Da sie nach dem Prinzip vorgehen “Was sich bewegt, wird gefressen”, trifft es manchmal auch andere Gottesanbeterinnen. Beispielsweise Geschwister beim Schlüpfen oder den Partner nach der Paarung.

Obwohl sie Kannibalen sind, ernähren sich die Fangschrecken bevorzugt von anderen Insekten, beispielsweise Wildbienen, Fliegen und Spinnen. Das erklärt auch ihren Lebensraum. Gottesanbeterinnen sind auf Wiesen zu finden, vor allem aber in Böschungen sowie in sehr vielen Hausgärten.

In Deutschland leben sie vor allem im Gebiet um den Kaiserstuhl, weil es dort außergewöhnlich warm ist. Verständlicherweise bevorzugen sie Orte, die auch andere Insekten anziehen, also beispielsweise Orte mit blühenden Pflanzen.

5. Gefährliche Paarungszeit: Für viele Männchen endet sie tödlich

Gottesanbeterin Paarung

Bei der Paarung wird der Größenunterschied zwischen Weibchen und Männchen sichtbar.

Paarungszeit ist für Gottesanbeterinnen zwischen Juli und September. Die Männchen, die rund zwei Zentimeter kleiner sind als die Weibchen, müssen bei der Paarung sehr aufpassen – für sie endet sie nicht selten tödlich. Ist das Weibchen nämlich gerade hungrig, verspeist sie den Kopf des Männchens im Anschluss.

Normalerweise legt eine Gottesanbeterin zwischen 50 und 70 Eier, es können aber auch bis zu 400 sein. Die Eier werden in einer Art Kokon an Grashalmen oder Steinen befestigt, aber auch an Hausmauern oder an Holz. Ausgesucht wird dieser Ort danach, ob es in der Umgebung blühende Pflanzen gibt, die andere Insekten anziehen. Denn Nahrung ist die Grundlage für den Nachwuchs, der alleine zurechtkommen muss.

Nymphen

Nymphen sind juvenile Gottesanbeterinnen. Sie häuten sich mehrmals; erst bei der letzten Häutung kommen die Flügel dazu und die Tiere sind geschlechtsreif.

Der Kokon heißt Oothek (gesprochen O-o-thek) und enthält eine schnell härtende Schaummasse, die vor zu kalten Temperaturen schützt. Darin können die Larven auch den Winter überstehen. Werden die Temperaturen wieder wärmer, schlüpfen die wurmartigen Larven nach fünf bis sechs Wochen.

Nur wenige Minuten nach dem Schlüpfen aus dem Kokon platzt die Hülle der Larven und ganz kleine Fangschrecken, die Nymphen kommen zum Vorschein. Sie sind sofort selbständig und gehen auch ihren Geschwistern sofort aus dem Weg. Ansonsten laufen sie zu große Gefahr, sofort gefressen zu werden.

Nach der Eiablage sterben die erwachsenen Weibchen, meist im Oktober oder Anfang November. Sie werden dann häufig von Vögeln gefressen oder warten im Gebüsch auf ihren Tod. Der Lebenszyklus beginnt im darauffolgenden Frühling, meist im Mai, mit dem Schlüpfen des Nachwuchses von Neuem.

6. Gottesanbeterin als Haustier: Die Parameter müssen stimmen

Gottesanbeterinnen beißen nicht und sind weder giftig noch schädlich. Weil sie so faszinierend aussehen, wünschen sie sich viele Menschen als exotisches Haustier. Allerdings sind für die Heimhaltung nur bestimmte Arten geeignet. Diese stammen meist aus Afrika. Die Europäische Gottesanbeterin steht hingegen unter strengem Artenschutz und darf nicht einfach zuhause gehalten und auch nicht der Natur entnommen werden!

Geistermantis - Gottesanbeterin

Die Geistermantis ist eine Gottesanbeterin und eignet sich für die Heimhaltung. Expertenwissen ist aber Pflicht.

Für die Heimhaltung eignen sich einige Arten, beispielsweise die grüne Gottesanbeterin (Sphodromantis viridis), die Indische Riesenmantis (Hierodula membranacea), die Ghana-Gottesanbeterin (Sphodromantis lineola) und die Gespenstermantis (Phyllocrania paradoxa). Sie sind in der Haltung pflegeleichter als andere und vertragen auch kurze Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen.

Allerdings sollten die Halter zumindest Terraristik-Erfahrung mitbringen, denn es ist, gerade zu Beginn, nicht ganz leicht, wichtige Parameter im Griff zu haben. Wenn Sie Gottesanbeterinnen halten wollen, achten Sie beim Kauf auf seriöse Nachzuchten mit Herkunftsnachweis.

Gottesanbeterinnen sind keine Kuscheltiere, sondern eignen sich vor allem zum Beobachten. Das Terrarium muss hochwertig ausgestattet sein, mit Geräten zur Messung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit, Heizmatte oder Wärmelampe, Bodengrund, Grünpflanzen, Ästen und Futtertieren, beispielsweise Käfern oder Heuschrecken.

Aufgepasst: Während den Phasen der Häutung sind Gottesanbeterinnen völlig wehrlos. Wenn sie in dieser Zeit kopfüber von Ästen hängen, können sie leicht von anderen Tieren (auch Futtertieren) angeknabbert werden.

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