Einheimische Vögel: Besonderheiten und Merkmale der häufigsten Arten

einheimische Vögel
  • In Deutschland leben etwa 248 einheimische Vogelarten.
  • Die Bestände sind bei vielen Arten rückläufig, da den Vögeln der notwendige Lebensraum und Nahrung fehlen.
  • Die etwa 22 heimischen Greifvogelarten sind alle geschützt und dürfen nicht gejagt werden.

Sie gehören zu den schillerndsten Tierarten der Welt: Vögel fliegen elegant durch die Lüfte, singen uns den Sommer herbei und haben oftmals ein farbenfrohes Federkleid. Aber wie lassen sich beliebte einheimische Vögel identifizieren und was macht sie eigentlich aus?

Erfahren Sie hier, welche Singvögel und Raubvögel in Deutschland besonders häufig zu beobachten sind und wie sie die Vögel erkennen.


1. Bedrohte Vogelwelt: Der Vogel des Jahres 2018 wird seltener

Was wäre ein Frühling ohne die betörenden Rufe der Singvögel? Was wäre ein Frühstück auf der Terrasse, bei dem nicht mindestens ein frecher Spatz die Brotkrumen stibitz? Und wer freut sich nicht darüber, wenn er den roten Kopf des Stieglitz zu sehen bekommt? In Deutschland gibt es 248 einheimische Brutvogelarten. Davon sind die wenigsten uns so bekannt, dass wir sie auf Anhieb erkennen würden.

Die Vielfalt ist jedoch bedroht. Durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung und das Insektensterben gehen die Bestände in den vergangenen Jahren stark zurück. Seit 2005 sank die Zahl an Vogelbrutpaaren der Wildvögel um etwa 15 Prozent. Besonders stark betroffen ist der Star, der Vogel des Jahres 2018. Dennoch gehört er weiterhin zu den 5 häufigsten Singvögeln unseres Landes.

2. Top 5 der einheimischen Singvögel

Saisondimorphes Kleid

Insbesondere Entenvögel, Schnepfenvögel, Möwen und Sperlingsvögel tragen zum Werben eines Partners oder zur Revierabgrenzung ein Prachtkleid, das besonders bunte Farben trägt. Außerhalb der Brutzeit tragen sie nach einer Mauser ein Schlichtkleid, das weniger auffällig ist. 

Jedes Jahr führt der Deutsche Naturschutzbund (NABU) die Stunde der Gartenvögel durch. Im Mai sind sind Naturbeobachter dazu aufgerufen, die Häufigkeit von Vogelarten anzugeben, die sie innerhalb von einer Stunde im Garten oder Park entdecken können. 2018 haben über 56.000 Menschen bei der Aktion mitgemacht.

Die Auszählungen zeigen, dass die Bestände bei nahezu allen Singvögeln gleichbleibend oder abnehmend sind, selten jedoch zunehmen. Um die einheimischen Vögel weiterhin zu stärken, ist das Beschneiden von Gehölzen und Büschen, in denen sie brüten, währen der Brutzeit verboten. Die Saison beginnt mit dem 1. März und endet nach dem 30. September. Ganz vorn mit dabei sind bei den Auszählungen weiterhin die Klassiker, die in keinem Garten oder bei keinem Spaziergang im Frühling fehlen dürfen.

2.1. Der Star (Sturnus vulgaris)

star füttert küken

Der Star gehört zu den einheimischen Vögeln und ist Vogel des Jahres 2018.

Der Star ist weltweit zu finden und es gibt kaum Territorien, in denen er nicht zurecht kommt. Am liebsten lebt er in baumreichen Gegenden mit Wiesen. Dort sucht er insbesondere im Frühjahr nach Insekten und Kleinsttieren wie Regenwürmern und Schnecken.

Die restliche Zeit des Jahres ernährt der Star sich gern von Beeren und Obst. Besonders bekannt ist der einheimische Vogel für seine Gesangstimme. Er kann viele andere Singvögel nachahmen und besitzt selbst viele Gesangsmotive.

Aussehen: Weibchen und Männchen sehen gleich aus, Unterschiede gibt es beim Prachtkleid und Schlichtkleid. Das Prachtkleid wird während der Brutzeit getragen. Der Star trägt dann ein schwarzes Gefieder mit blau und einigen weißen Punkten als Highlight. Der Schnabel ist gelb. Das Schlichtkleid trägt der Star wie andere Vogelarten mit saisondimorphen Kleidern im Winter. Das Federkleid trägt nun sehr viele weiße Punkte, die Schwungfedern sind heller. Der Schnabel ist dafür dunkler.

2.2. Haussperling (Passer domesticus)

spatz auf zaunpfahl

Der Haussperling ist auch als Spatz bekannt und sehr beliebt.

Er gehört zu den häufigsten einheimischen Vögeln und fehlt in keinem Garten. Der Haussperling ist vor allem unter seinem zweiten Namen “Spatz” bekannt und seine “tschilp”-Rufe lassen uns an den Frühling denken.

Der Haussperling ist mit den Menschen sehr vertraut und deshalb auch ein Stadtbewohner. Das macht ihn auch zu einer sehr anpassungsfähigen Vogelart, denn er wählt als Behausung einfach das, was vorhanden ist. Das kann auch ein angebotener Nistkasten oder ein verlassenes Nest sein.

Aussehen: Der männliche Haussperling ist an seinem schwarzen Latz zu erkennen. Die Wangen setzen sich zum grau-braunen Gefieder weiß ab. Das Weibchen des Spatzes ist hingegen graubraun.

2.3. Amsel (Turdus merula)

amsel in garten, der häufigste einheimische vögel

Die Amsel fehlt in keinem Garten.

Die Amsel ist ein häufiger Gast im Garten, wo sie äußerst neugierig auf dem Boden herumhopst und in den Beeten oder auf der Wiese nach Nahrung Ausschau zu halten. Der einheimische Vogel aber auch in Parkanlagen von Großstädten wie Berlin zu entdecken.

Sie ist die häufigste Drosselart und die häufigste Vogelart in Deutschland. Interessant ist es zu beobachten, wie die Amseln bei der Nahrungssuche auf dem Boden den Kopf schräg halten: Dann versuchen sie nämlich Regenwürmer, Schnecken und Insekten zu hören.

Die Eier der Amsel sind grün, was immer wieder schön anzusehen ist. Die Amsel wird bis zu neun Jahre alt, womit er bei den einheimischen Vögeln im Durchschnitt liegt. Ein Großteil der Amseln (bis zu 75 Prozent) stirbt jedoch vor der Vollendung des ersten Lebensjahres.

Aussehen:  Amseln sind sehr gut zu erkennen. Die männlichen Vertreter sind komplett schwarz und haben einen gelben bis roten Schnabel.  Die Weibchen sind durchweg braun.

2.4. Die Kohlmeise (Parus major)

blaumeise auf moos

Die Kohlmeise nimmt Brutkästen gern an.

Die Kohlmeise ist die in Deutschland häufigste Meisenart. Sie gilt als intelligent und gewitzt, vor Menschen hat sie wenig Angst. Sie hüpft fröhlich auf die Terrasse, um sich etwas Nahrung für die bis zu zwölf Jungvögel pro Gelege zu erschleichen. Gern nimmt sie Nistkästen an, die ihr in Gärten angeboten werden.

Der klassische Ruf der Kohlmeise ist ein “zizibäh zizibäh”, jedoch ist sie eine Verwandlungskünstlerin und kann auch andere Rufe imitieren.

Aussehen: Kohlmeisen tragen ein farblich markantes Federkleid: Die Unterseite ist gelb gefärbt, im Kontrast dazu steht der schwarze Bauchstreifen. Der Kopf ist passend schwarz-weiß.

2.5. Der Feldsperling (Passer montanus)

feldsperling auf dünnem ast

Der Feldsperling: Er mag das Leben im Grünen und auf Dörfern.

Im Gegensatz zum Haussperling, der sich auch im urbanen Wohnraum sehr wohl fühlt, mag es der Feldsperling etwas dörflicher. Er ist dort zu Hause, wo es viel Grün und damit viel Nahrung für ihn gibt.

In Hecken, Gebüschen und am Waldrand sucht er nach Samen, Körnern und Insekten. Zu erkennen ist er an dem spatzentypischen “tschilp”, das aber etwas höher klingt als beim Haussperling. Der Feldsperling ist eine treue Seele: Hat er sich ein Mal an einen Lebenspartner gebunden, bleibt er ihm lebenslang treu.

Aussehen: Der Feldsperling ähnelt dem Haussperling. Jedoch kann man den kleinen Vogel gut an dem schwarzen Fleck erkennen, den er seitlich am Kopf trägt. Zudem hat er einen weißen Halsring und einen kastanienbraunen Scheitel.

3. Einheimische Raubvögel: Die geschützten Jäger des Himmels

Zu den Raubvögeln gehören in der modernen Klassifikation die Greifvögel, Eulen und falkenartige Vögel. Gemeinhin versteht man darunter jedoch die Greifvögel, von denen es 22 Arten in Deutschland gibt.

Sie sind im Vergleich zu Singvögeln groß und fressen besonders häufig lebende Tiere. Sie unterscheiden sich von Eulen vor allem dadurch, dass sie nicht nachtaktiv sind. Nachfolgend die 5 häufigsten deutschen Greifvogelarten.

3.1. Der Mäusebussard

einheimische Vögel

Der Mäusebussard ist der häufigste Greifvogel in Deutschland.

Er ist der häufigste Greifvogel Deutschlands. Mit Flügelspannweite von bis zu 137 cm und einer Länge von bis 56 cm ist er ein mittelgroßer Greifvogel. Seine Gefiederfarbe variiert stark und kann von fast weiß bis zu einem dunklen Braun gehen.

Sehr gut erkennen kann man den Mäusebussard an seinen Lauten, die einem Miauen ähneln. Wie sein Name es vermuten lässt, frisst der Greifvogel gern Mäuse. Auf seinem Speiseplan finden sich aber auch Insekten, andere Kleintiere oder verletzte Hasen. Zu finden ist er häufig in feldnahen Gehölzen und am Waldrand.

3.2. Der Sperber

weiblicher sperber guckt in kamera

Im Gegensatz zum Männchen ist das Sperberweibchen am Bauch schwarz weiß gestreift.

Die Weibchen sind graubraun und tragen auf der weißlichen Unterseite eine schwärze Querbänderung. Bei Männchen ist diese eher rötlich bis orange, das obere Federkleid ist schiefergrau. Der Schwanz des Sperbers ist zumeist nicht gefächert und die Flügel sind länglich.

Beeindruckend: Das Weibchen ist oftmals doppelt so schwer wie das Männchen und kann auch Tauben erjagen, während die kleineren Männchen sich mit Kleinvögeln von der Größe eines Buntspechtes begnügen müssen. In Deutschland findet man den Greifvogel besonders häufig in Bayern und Niedersachsen, wo er ausreichend Wälder und Feldgehölze vorfindet.

3.3. Der Turmfalke

nahansicht von turmfalke auf einem ast

Turmfalken fühlen sich neben der Natur auch in Städten wohl.

Sein Name rührt wahrscheinlich von seiner Vorliebe für hochgelegene Brutplätze her. Die Urbanisierung hat dem kleinen Greifvogel deshalb sogar geholfen, denn mit mehr Scheunen, Türmen und hohen Häusern gewinnt er an Brutmöglichkeiten. Er mag offene Flächen, auf denen er nach Mäusen Ausschau halten kann.

Charakteristisch für den Turmfalken ist sein “kikikikiki”- Ruf, den er vor allem beim Jagen aussendet. Beim Weibchen sind der Kopf, Rücken und der Schwanz rostbraun. Unterbrochen wird die Farbe durch dunkle Flecken und einer Querbänderung. Männchen haben hingegen einen hellgrauen Kopf, der Rücken ist rotbraun und mit dunklen Flecken getupft. Markant ist bei Männchen der Schwanz, der hellblaugrau ist und eine schwarze Endbinde trägt. Die Unterseite Turmfalkenmännchens ist gelb mit Längsstreifen und dunklen Punkten.

3.4. Der Habicht

habicht auf ast schreit

Ein Habicht hält Ausschau nach Beute.

Ein langer Schwanz, starke, gelbe Augen und ein fast weißer Überaugenstreif sind charakteristisch für den Habicht. Auch die Unterseite ist mit den schwarzen Querstreifen schnell auszumachen.

Der Greifvogel ist selten zu sehen, obwohl er neben Wäldern auch Dörfer, Städte und Parklandschaften als Lebensraum wählt. Er ernährt sich vor allem von mittelgroßen Vögeln, die er lebend bevorzugt.

3.5. Der Rotmilan

rotmilan schreit

Der Rotmilan ist überwiegend in Deutschland zuhause.

Zu bestimmen ist der Greifvogel an seiner rötlichbraunen Farbe. Die Enden der langen Flügel sind dunkel, sein Schwanz ist stark gegabelt. Charakteristisch ist auch sein Schnabel, der gelb und an der Spitze dunkel ist. Mit einer Spannweite von bis zu 180 cm gehört er zu den größten deutschen Greifvögeln.

Die Mehrheit des Bestandes ist in Deutschland zu finden, weshalb der bedrohte Greifvogel einen besonderen Schutz benötigt. Er hat sich in den vergangenen Jahren vor allem in Mittelgebirge zurückgezogen, wo er tote oder kranke Fische, kleine Tiere, Regenwürmer oder auch Aas frisst.

Achtung: Greifvögel dürfen seit der Novelle der Bundesjagdzeiten-Verordnung (BJagdZ-VO) im Jahr 1977 nicht mehr gejagt werden, wodurch sich der Bestand schon erholen konnte.

4. Einheimische Vögel im Winter

einheimische Vögel im winter: ente auf gefrorenem see

Enten bleiben auch im Winter in Deutschland.

Auch wenn wir sie im Winter nicht hören und selten sehen können, so sind sie doch da. Einige einheimische Vögel scheuen sich nicht vor Minustemperaturen und verzichten auf den Zug gen Süden.

Neben Wasservögeln wie Enten bleiben  auch beliebte Vogelarten wie Kleiber, Rotkehlchen, Buntspecht, Buchfink und Grünfink in Deutschland.

Weitere einheimische Vögel, die im Winter in Deutschland bleiben:

  • Gimpel
  • Goldammer
  • Eichelhäher
  • Sperber
  • Zaunkönig
  • Elster
  • Blaumeise
  • Kernbeißer
  • Fink

Diese heimischen Vögel haben sich an die kalten Temperaturen angepasst.

4.1. Plustern: Körpertemperatur regulieren

Das sehen Spaziergänger im Winter häufig: Vögel plustern sich auf, bis sie wie große, weiche Kugeln aussehen. Das hat Sinn, denn eine Kugel hat das geringste Oberflächenvolumen, womit der Wärmeverlust möglichst gering gehalten wird.

Kategorie Verhalten Vertreter
Standvögel Sie verbleiben immer an demselben Ort. z.B. Buchfink, Amsel, Kleiber, Hausrotschwanz, Nebelkrähe
Strichvögel Sie ziehen  nicht in den Süden, sondern wechseln den “Landstrich” (wärmere Stadtrandsiedlungen, Gebiete mit vergleichsweise milden Temperaturen). z.B. Finken, Goldammer, Gänsegeier
Teilzieher Die Vögel dieser Kategorie ziehen teilweise in den Süden, bleiben auch auch am Ort. z.B. Buchfink, Mönchsgrasmücke, Rotkehlchen, Star, Stieglitz und Zilpzalp
Zugvögel Die Vögel ziehen bei sinkenden Temperaturen in ihre südlichen Winterquartiere z.B. Weißstorch, Rauchschwalbe, Kuckuck, Singdrossel, Brachvogel

4.2. Tricks der Natur: So wappen sich Wintervögel für die kalte Jahreszeit

Einheimische Vögel, die in Deutschland überwintern, verfügen über das sogenannte Wundernetz. So wird das Prinzip des Wärmetausches genannt, das die Füße von Vögeln warm hält. Das warme Blut aus dem Körper fließt in die zarten Beine. Das geschieht sehr nahe an den Venen, die für den Rücktransport des Blutes in den Körper zuständig ist. So wärmt das Blut aus dem Körper das kältere Blut, womit die Beinchen nicht erfrieren können.

Das Prinzip des Wundernetzes erklärt auch, warum heimische Vögel wie Enten im Winter nicht auf gefrorenen Seen festkleben.

Sobald im Winter die Sonne herauskommt, tanken Vögel wie auch Menschen gern etwas Licht. Besonders hilfreich sind den einheimischen Vögeln dabei die dunkleren Stellen ihres Gefieders. Dunkle Farben nehmen mehr Sonnenwärme auf als helle Farben. Wird es den Vögeln in Deutschland doch einmal zu kalt, dann fahren sie ihre Körpertemperatur herunter, um weniger Energie zu verbrauchen. Die Vögel wirken dann wie in eine Starre verfallen.

4.3. Ernährung von Wintervögeln

Bis es ganz kalt wird, suchen die Vögel nach letzten Beeren und Hülsenfrüchten, die sich in Gärten, Grünanlagen und am Wegesrand finden lassen. In den versteckten Winkeln von Baumrinden, zwischen Mauern und Steinen entdecken die findigen Vögel noch lange Insekten und deren Eier und Larven.

Wenn der Winter dann die meisten Futterquellen versiegen lässt, haben Vögel wie der Eichelhäher schon vorgesorgt. Der vergräbt seine gesammelten Eicheln und holt sie bei Hunger wieder hervor. Auch anderen Vogelarten wie die Haubenmeise verstecken Samen und Kerne für schlechte Zeiten. Andere einheimische Vögel ernähren sich im Winter von Samen, Nüsse und Körnern, die sie dort finden, wo der Mensch die Reste des Sommers nicht beseitigt hat.

Info: In Deutschland gelten etwa 80 Prozent aller Vögel als Teilzieher.

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