Neunaugen: Die Wasserbewohner mit Saugmaul im Portrait

Neunauge

Wissenschaftliche Informationen über Neunaugen, einer Überklasse der Wirbeltiere.
wissenschaftlicher Name: Petromyzontomorphi.

Bonaparte, 1832

Allgemeines

Neunauge Saugmaul an Aquarium

Gut zu erkennen: Das unverwechselbare Saugmaul eines Neunauges.

Zur Überklasse der Neunaugen gehören etwa 40 Arten. Die Neunaugen unterscheiden sich deutlich von den Ingern. Sie haben nämlich gut entwickelte Augen. Die Neunaugen haben zwei Rückenflossen und eine Schwanzflosse. Sie sehen wie Fische aus, sind aber nicht näher mit ihnen verwandt. Sie durchlaufen ein langes Larvenstadium. Die Larven von allen Arten sind Süßwasserbewohner, während die Geschlechtstiere einiger Arten im Brack- oder Seewasser leben. Zur Fortpflanzung wandern sie fluss- und bachaufwärts.

Die Larven der Neunaugen sah man lange Zeit als eigenständige Art an, weil sie sich völlig von den Geschlechtstieren unterscheiden. Die Larven führen im Schlamm des Bachgrundes in Röhren, mit dem Kopf nach oben, ein wurmähnliches Leben. Der augenlose Kopf und der quer geringelte Körper erinnern tatsächlich an Gliederwürmer. Mit der zweilappigen, zahnlosen Mundöffnungen, die von borstenähnlichen Fortsätzen umgeben ist, werden Schlammstoffe eingestrudelt und im Kiemendarm gefiltert. Dabei werden Mikroorganismen, z.B. Kieselalgen und organische Zerfallsprodukte, verdaut. Unverdauliches wie Sand wird ausgeschieden. Das Larvenstadium ist die längste Phase im Leben der Neunaugen. Es dauert bei den Meerneunaugen bis zu sieben Jahre, bei der Art Ichthyomyzon fossor sechs, bei den Bachneunaugen drei bis sechs und bei der Art Mordacia mordax drei Jahre.

Erwachsene Neunaugen, sogenannte „Lampreten“, haben gut entwickelte Augen. Die kreisförmige Mundöffnung ist zum Saugmund mit hornigen Raspelzähnen geworden, in die eine kräftige, ebenfalls zahnbesetzte Zunge hineinragt. Die Neunaugen ernähren sich nun von Aas, kleinen Tieren und großen Fischen, die sie anfallen und deren Blut, Muskelfleisch und Eingeweide sich aufnehmen.

Erwachsene Neunaugen haben 7 Paar Kiementaschen, von denen jede für sich nach außen mündet. Innen sind sie miteinander verbunden. Rechnet man das Nasenloch das Auge und die 7 Kiemenlöcher einer Körperseite zusammen, so kommt man auf 9 „Augen“. So haben die Tiere ihren Namen erhalten.

Verbreitung

In Mitteleuropa kommen drei Arten vor: Flussneunaugen oder PrickenBachneunaugen und Meerneunaugen. Im übrigen Europa sind noch 10 weitere Arten beheimatet.

Fortpflanzung

Vor der Laichzeit bilden sich Zähne und Darm zurück. Die Neunaugen stellen die Nahrungsaufnahme ein. Bei den Männchen werden die Rückenflossen größer und der Kloakenbereich (Genitalpapille) dicker und länger. Bei den Weibchen werden die Rückenflossen dicker und hinter der Kloake bildet sich eine wulstartige Verdickung. Die Neunaugen versammeln sich im Sommer in den Flussmündungen, um flussaufwärts zu ihren Laichplätzen zu ziehen. Das geschieht überwiegend nachts. Sie legen täglich 25-35 kg zurück. An sonnigen Bachstellen heben die Tiere Laichgruben aus. Bei der Paarung umschlingt das Männchen das Weibchen in typischer Weise am Hinterende und presst dadurch die Eier aus, die es sofort bei Austritt besamt. Es können etwa 200.000 Eier sein. Danach sterben die Alttiere.

Systematik

Die Gesamtsystematik:

Zur Überklasse der Neunaugen (Petromyzontomorphi) gehört nur eine Klasse.

Zur Klasse der Neunaugen (Petromyzontida) gehört nur eine Ordnung.

Zur Ordnung der Neunaugen (Petromyzontiformes) gehört nur eine Familie.

Zur Familie der Neunaugen (Petromyzontidae) gehören die Unterfamilien:

  • Geotriinae mit einer Art
  • Mordaciinae mit 3 Arten
  • Petromyzontinae mit 38 Arten

Zur Unterfamilie Geotriinae gehört die Gattung:

  • Geotria mit einer Art

Zur Unterfamilie Mordaciinae gehört die Gattung:

  • Mordacia mit 3 Arten

Zur Unterfamilie Petromyzontinae gehören die Gattungen:

  • Caspiomyzon mit einer Art
  • Eudontomyzon mit 6 Arten
  • Ichthyomyzon mit 6 Arten
  • Lampetra mit 16 Arten
  • Lethenteron mit 6 Arten
  • Petromyzon mit einer Art
  • Tetrapleurodon mit 2 Arten

Einige Arten

Nach ihrer Umwandlung wandern Flussneunaugen oder Pricken (Lampreta fluviatilis) in die Brack- und Seewassergebiete der europäischen Küsten, wo sie ein bis zwei Jahre leben, bevor sie geschlechtsreif werden. Die Männchen werden bis 32 cm, die Weibchen bis 40 cm lang. Von den Meerneunaugen unterscheiden sie sich durch eine einzige Reihe von Hornzähnen am Saugmund und hellere Färbung.

Die Bachneunaugen (Lampreta planeri) leben nicht parasitisch. Sie stammen vermutlich von den Flussneunaugen ab und haben sich zu einer neuen Art entwickelt. Die Larve des Bachneunauges wandelt sich erst nach etwa 3-4 Jahren zum geschlechtsreifen Tier um und nimmt keinerlei Nahrung mehr zu sich, sondern lebt monatelang ausschließlich von Reservestoffen. In dieser Zeit bilden sich die Geschlechtszellen aus. Bachneunaugen leben in kleineren Bächen und Flüssen und wandern nicht ins Meer, sondern bleiben im Süßwasser. Sie werden ca. 30 cm lang.

Als größte Neunaugen erreichen die Meerneunaugen oder Seelampreten (Petromyzon marinus) Längen von 60-75 cm. Maximal werden sie 1 m lang. Der Saugmund trägt mehrere ringförmig angeordnete Zahnreihen. Die Rücken und die Körperseiten sind dunkel gefärbt. Wahrscheinlich leben Meerneunaugen mehrere Jahre im Atlantik. Sie entfernen sich weiter von den Küsten als die Flussneunaugen. Das Verbreitungsgebiet der Meerneunaugen reicht von Nordafrika über das westliche Mittelmeer bis nach Nordnorwegen und in die Ostsee, sowie über Großbritannien bis nach Island. Aber auch an den atlantischen Küsten Nordamerikas kommen sie vor.

Die Neunaugen (Geotria australis) haben als erwachsenes Tier einen großen Saugmund und einen Kiementasche hinter den Augen. Diese Art steigt zum Laichen in die Flüsse auf.

Verwandtschaft

Neunaugen gehören zum Unterstamm der Wirbeltiere (Vertebrata)
dazu gehören auch die Überklassen:

In anderen Sprachen

  • Englisch: Lampreys
  • Französisch: Lamproies
  • Dänisch: Lampretter, Rundmunde
  • Finnisch: Ympyräsuiset, Nahkiaiskalat, Nahkiaiset
  • Isländisch: Steinsugur
  • Italienisch: Petromizontiformi, Lamprede
  • Niederländisch: Prikken, Lampreien, Negenogen
  • Norwegisch: Niøyer, Lampretter
  • Portugiesisch: Lampreias
  • Schwedisch: Nejonögon
  • Spanisch: Lampreas
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Bildnachweise: Andrei Nekrassov/Adobe Stock, Gena/Adobe Stock (nach Reihenfolge im Beitrag sortiert)

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