Informationen Schuppentiere

Schuppen- oder Tannenzapfentiere:
wissenschaftlicher Name: Manis. Schuppentiere sind eine Gattung und Ordnung (Pholidota) der Saeugetiere


Infos zu den Schuppentieren

  • Familie: Schuppen- oder Tannenzapfentiere (Manidae)
  • Ordnung: Schuppen- oder Tannenzapfentiere (Pholidota)
  • Unterklasse: Echte oder Höhere Säuger (Eutheria)
  • Klasse: Säugetiere (Mammalia)
  • Unterstamm: Kiefertiere (Gnathostomata)
  • Stamm: Chordatiere, Rückensaitentiere (Chordata)
  • Unterabteilung: Neumundtiere (Deuterostomia)
  • Bilateria

Allgemeines

Die großen Hornschuppen, die die Körperoberseite dachziegelartig besetzen und die diese Tiere - mit ihrem schmalen Kopf, walzenförmigen Rumpf und langen Schwanz, die alle absatzlos ineinander übergehen - wie große Tannenzapfen aussehen lassen, gaben dieser Ordnung ihren Namen (Tannenzapfen- oder Schuppentiere).

Diese Ordnung ist wahrscheinlich vor 65 Millionen Jahren entstanden.

Die Gesamtlänge der Schuppentiere liegt zwischen 65 und 150 cm, die Kopf-Rumpf-Länge zwischen 30 und 100 cm, die Schwanzlänge zwischen 40 und 90 cm und das Gewicht zwischen 2,15 und 35 kg. Der Kopf ist schmal und kegelförmig lang zugespitzt. Die Schuppentiere tragen eine kleine, nackte Nasenfläche, eine nur kleine, enge Mundspalte, kleine Augen mit dicken Lidern und nur kleine, verkümmerte, rundliche Ohrenmuscheln. Die Gliedmaßen sind kurz, aber kräftig und enden in 5 Zehen mit Krallen. Der Schwanz setzt mit breiter Wurzel am Rumpf, ist spitz zulaufend und lang bis sehr lang. Bei kletternden Arten ist am Ende eine kleine, nackte Greiffläche, an der sich das Tier aufhängen kann.

Um ihre Krallen zu schützen, laufen bodenlebende Schuppentiere auf den äußersten Kanten ihrer Vorderfüße, wobei die Krallen nach unten gebogen sind. Der so entstehende merkwürdige, schaukelnde Gang erinnert an einen "umherwandernden Tannenzapfen". Alle Arten können sich jedoch schneller fortbewegen, wenn sie sich aufrichten, auf ihren Hinterbeinen laufen und den Schwanz als Stütze verwenden. Sie erreichen so eine Geschwindigkeit von bis zu 5 km/h.

Die Körperunterseite und die Beininnenseiten sind mit harten, nicht besonders dicht stehenden, weiße, braune oder schwarze Haare bedeckt. Die Körperoberseite von der Nasenpartie bis zur Schwanzspitze, die Schwanzober- und -unterseite und die Beinaußenseiten sind mit Hornschuppen bedeckt. Diese sind wie Dachziegen angeordnet und werden von der Oberhaut auf Lederhauterhebungen gebildet.

Die Schuppentiere haben an beiden Seiten der Wirbelsäule ein breites Hautmuskelband, das es ihnen ermöglicht, sich zum Schlafen oder zu Verteidigung kugelförmig zusammenzurollen. Dieses Muskelband ist so kräftig, dass man diese Tiere, selbst mit Gewalt, nicht entrollen kann.

Aus der Mundspalte kommt eine lange, dünne, runde, klebrige Zunge, die eine abgeflachte Spitze hat, mit der die Tiere Ameisen und Termiten auflecken. Die Nahrung wird unzerkaut verschluckt, da die Schuppentiere keine Zähne haben. Der sackförmige und muskelstarke Magen ist verhornt. Mit ihm werden die Ameisen und Termiten zermahlen.

Sie klettern in Bäumen geschickt umher. Um die Umgebung zu erkunden, stellt sich das Schuppentier auf die Hinterbeine. Auch im Wasser kann es sich gut fortbewegen, es ist ein recht guter Schwimmer.

Die Lebenserwartung liegt bei ca. 13 Jahre.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet liegt in Afrika, außer Nordafrika, und Südasien. Die Schuppentiere leben im Wald, vom tropischen Regenwald bis zur Parklandschaft. Nur das Steppenschuppentier wohnt in Savanne und Steppe. Einige afrikanische Arten leben ganz auf Bäumen, die drei asiatischen Arten leben teilweise in den Bäumen und teilweise am Boden.

Lebensweise

Die Schuppentiere sind dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie in einem Versteck. Zwei asiatische Arten sind auch teilweise am Tage zu sehen. Einige Arten benutzen selbstgegrabene oder vorgefundene Erdhöhlen als Unterkunft, die baumbewohnenden Arten bevorzugen Baumhöhlen oder Blattwerkhaufen auf Ästen oder in Astgabeln. Während die Tiere ruhen, sinkt deren Körpertemperatur etwas ab. Sie meiden direktes Sonnenlicht, halten sich im Schatten auf oder rollen sich zusammen.

Schuppentiere sind Einzelgänger. Sie haben ihre festen Reviere, die durch Schlafhöhlen und mit Harn und Afterdrüsensekret gekennzeichnete Wechsel auffallen. Besonders Männchen dulden keine erwachsene Geschlechtsgenossen.

Außer dem Menschen haben die Schuppentiere wenige natürliche Feinde. Selbst größere Raubtiere können die zusammengerollten Tieren kaum etwas antun. Entrollungsversuchen wird abgewehrt, indem die Schuppentiere scharfen Harn und stinkenden Afterdrüsensaft wirkungsvoll verspritzen. Auch klemmen sie ein Bein oder den Schwanz eines Angreifers in ihre Rolle mit ein und zersägen ihn durch Bewegen ihrer scharfrandigen Schuppen oder teilen schnelle Seitenschläge mit dem starken, am Rand gezackten Schwanz aus. Wenn sie keine Zeit mehr zum Zusammenrollen haben, dann richten sie sich notfalls auf und schlagen mit den großen Handkrallendolchen zu.

Die einzigen Laute, die das Schuppentier von sich gibt, sind Zischen, Pusten und Brummen. Sie werden aber wahrscheinlich durch starkes Atmen hervorgerufen und sind keine echten Lautäußerungen.

Ernährung

Ameisen und Termiten bilden die einzige Nahrung der Schuppentiere. Die baumlebenden Arten lecken frei herumlaufende Ameisen und Termiten auf. Ansonsten werden die flach im Boden sitzenden Termiten- oder Ameisenbaue geöffnet. Sie reißen die Baumnester auseinander und lecken die Bewohner auf. Das Riesenschuppentier kann sogar die unterirdischen harten Termitenbaue aufbrechen.

Fortpflanzung

Ein brünstiges Weibchen wird vom Männchen lange hartnäckig verfolgt, bis es in Hochbrunst ist und die Paarung zulässt. Entweder schiebt sich dann das Männchen mit dem Becken von der Seite her unter das Weibchen oder das Weibchen legt sich auf den Rücken. Die Tragzeit dauert 4,5 bis 5 Monate. Es kommt dann ein voll beschupptes Laufjunges mit einem Gewicht von 100-500 g zur Welt. Bei asiatischen Arten hat man auch schon mal zwei oder drei Junge gesehen. Sie haben bereits kleine, weiche Schuppen. Bei den baumlebenden Arten klettert das Junge gleich nach der Geburt auf die Schwanzwurzel der Mutter und kann bis zur Entwöhnung mit drei Monaten so getragen werden. Bei den Bewohner von Baumhöhlen bleibt das Junge ein bis zwei, bei Erdhöhlenbewohnern bis vier Wochen in der Wurfhöhle, wenn die Mutter auf Nahrungssuche geht. Mit etwa 1-2 Jahren werden sie geschlechtsreif.

Verwandtschaft

Schuppentiere gehören zur Unterklasse der Höheren Säugetiere (Eutheria)
dazu gehören auch die Ordnungen:

  • Insekten- oder Kerbtierfresser (Insectivora)
  • Rüsselspringer (Macroscelidea)
  • Fledertiere (Chiroptera)
  • Riesengleiter (Dermoptera)
  • Spitzhörnchen (Scandentia)
  • Herrentiere oder Primaten (Primates)
  • Nebengelenktiere (Xenarthra)
  • Nagetiere (Rodentia)
  • Raubtiere (Carnivora)
  • Hasentiere (Lagomorpha)
  • Waltiere (Cetacea)
  • Röhrenzähner (Tubulidentata)
  • Rüsseltiere (Proboscidea)
  • Seekühe (Sirenia)
  • Schliefer (Hyracoidea)
  • Unpaarhufer (Perissodactyla)
  • Paarhufer (Artiodactyla)

Systematik

Zur Gattung der Schuppentiere (Manis) gehören die Arten:

  • Vorderindisches Schuppentier (Manis crassicaudata)
  • Riesenschuppentier (Manis gigantea)
  • Malaiisches Schuppentier (Manis javanica)
  • Chinesisches Schuppentier (Manis pentadactyla)
  • Steppenschuppentier (Manis temmincki)
  • Langschwanz- oder Schwarzbauchschuppentier (Manis tetradactyla)
  • Weißbauchschuppentier (Manis tricuspis)

Die Arten

Das Langschwanz- oder Schwarzbauchschuppentier (Manis tetradactyla) hat eine Kopf-Rumpf-Länge von 30-40 cm, eine Schwanzlänge von 60-80 cm und ein Gewicht von 2,5-3,25 kg. Die Schuppen sind dunkelbraun mit hellerem Rand. Haut und Haare sind dunkel- bis schwarzbraun. Es ist baumlebend, nacht- und manchmal tagaktiv. Es lebt im Regenurwald von Senegal bis Nordost-Zaire, von dort südwestwärts bis Südwest-Angola.

Das Weißbauchschuppentier (Manis tricuspis) hat eine Kopf-Rumpf-Länge von 33-43 cm, eine Schwanzlänge von 49-62 cm und ein Gewicht von 2,15-3 kg. Die Schuppen sind braungrau bis dunkelbraun. Haut und Haare sind weiß. Es ist baumlebend und nachtaktiv. Es lebt im Urwald von Senegal bis Nordost-Zaire, Westuganda und Nordwest-Sambia, von dort südwärts bis Mittel- und Südwest-Angola.

Das Riesenschuppentier (Manis gigantea) hat eine Kopf-Rumpf-Länge von 75-100 cm, eine Schwanzlänge von 50-70 cm und ein Gewicht 30-35 kg. Die Schuppen sind graubraun, bei Jungtieren gelbbraun. Haut und Haare sind weißlich. Es ist bodenlebend und nachtaktiv. Es lebt in Wäldern und waldnahen Savannen Westafrikas von Senegal bis Mittel-Gabun und ostwärts bis Nordost-Zaire, Albertsee, Uganda und vielleicht auch West-Kenia und West-Tansania.

Das Steppenschuppentier (Manis temmincki) hat eine Kopf-Rumpf-Länge von 50-60 cm, eine Schwanzlänge von 40-50 cm und ein Gewicht von 15-18 kg. Die Schuppen sind dunkelbraun, bei Jungtieren gelbbraun. Haut ist weißlich mit dunklen Härchen. Es ist bodenlebend und nachtaktiv. Es lebt im trockenen Buschland in der Zentralafrikanischen Republik, Süd-Sudan, Ost-Uganda, West-Kenia, Tansania, Malawi, Sambia, Rhodesien, Mozambique, Nord- und Ost-Südafrika, Botswana, Nordost-Südwestafrika und Angola.

Das Vorderindische Schuppentier (Manis crassicaudata) hat eine Kopf-Rumpf-Länge von 50-80 cm, ein Schwanzlänge von 45-60 cm und ein Gewicht von 10-18 kg. Die Schuppen sind blassgelbbraun. Haut und Haare sind bräunlich. Es ist boden- und baumlebend und nachtaktiv. Es lebt in Savannen, Park- und Waldlandschaften in Vorderindien südlich des Himalajas und Ceylon.

Das Chinesische Schuppentier (Manis pentadactyla) hat eine Kopf-Rumpf-Länge von 40-58 cm, eine Schwanzlänge von 27-38 cm und ein Gewicht von 3-5 kg. Die Ohrmuscheln sind größer als bei allen anderen Arten. Die Schuppen sind schwarzbraun, bei Jungtieren purpurbraun. Haut und Haare sind grauweiß. Es ist boden- und baumlebend und nachtaktiv. Es lebt in Savannen, Park- und Waldlandschaften in Nepal, Sikkim, Burma, im nördlichen Hinterindien, West- und Südchina mit Hainan und Formosa.

Das Malaiische Schuppentier (Manis javanica) hat eine Kopf-Rumpf-Länge von 45-70 cm, eine Schwanzlänge von 35-65 cm und ein Gewicht von 3-5 kg. Die Schuppen sind bernstein- bis schwärzlichbraun. Haut ist weißlich, Haare sind dunkler. Es ist baum- und bodenlebend und nachtaktiv. Es lebt in Waldlandschaften in ganz Hinterindien, ab Süd-Burma südwärts bis Sumatra, Java, Borneo und Bali, ostwärts bis Nordvietnam und auf den Philippinen.


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