Informationen Stachelschweine

wissenschaftlicher Name: Hystricidae. Stachelschweine sind eine Familie der Nagetiere


Infos zu den Stachelschweinen

  • Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
  • Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
  • Unterklasse: Echte oder Höhere Säuger (Eutheria)
  • Klasse: Säugetiere (Mammalia)
  • Unterstamm: Kiefertiere (Gnathostomata)
  • Stamm: Chordatiere, Rückensaitentiere (Chordata)
  • Unterabteilung: Neumundtiere (Deuterostomia)
  • Bilateria

Allgemeines

Die Stacheln der Stachelschweine sind die längsten im gesamten Reich der Säugetiere. Auch hier sind die Stacheln und Spieße umgewandelte Haare. Im Fell der Stachelschweine findet man die verschiedensten Haararten: weiches Wollhaar, steifere Haare, abgeflachte Borsten, abgeplattete Stilettstacheln, dicke, aber sehr elastische, lange Borsten und starre, lange oft schwarzweiß geringelte, drehrunde Spieße. Die längsten Haare stehen besonders dicht und nach hinten gerichtet auf der Kruppe. Einzelne Spieße können bis zu 40 cm lang werden und einen Durchmesser von 7 mm haben. Am Schwanz befinden sich eigenartige Stachelgebilde. Dicht zusammen stehen hier hohle, gestielte Stachelbecher. Zum Ende hin sind diese trichterförmig geöffnet. Wird das Stachelschwein angegriffen, schüttelt es seinen Schwanz, dabei schlagen die Stachelbecher aneinander und erzeugen einen beachtlichen rasselnden Lärm.

Die Kopf-Rumpf-Längen der Stachelschweine variiert von Art zu Art zwischen 35 und 85 cm, die Schwanzlänge zwischen 4 und 23 cm. Die Augen sind sehr klein, somit können Stachelschweine nicht gut sehen. Dafür ist der Geruchs-, Tast und Gehörsinn sehr gut entwickelt. Am Kopf und Nacken befinden sich keine Stacheln, höchstens aber längere, steife Borstenhaare, die wie eine Mähne aussehen können.

Verbreitung

Siehe bei den jeweiligen Gattungen und Arten.

Lebensweise

Alle Stachelschweine sind nachtaktiv. Im Zoo sind Stachelschweine sehr gut zu halten, sie sind sehr pflegeleicht. Sie entpuppen sich sogar als sehr spielfreudig und werden sehr kontaktfreudig ihren Artgenossen gegenüber. Teilweise werden sie ihrem Pfleger gegenüber sehr anhänglich.

Verwandtschaft

Stachelschweine gehören zur Ordnung der Nagetiere (Rodentia)
dazu gehören auch die Familien der Meerschweinchenverwandten:

  • Chinchillaratten (Abrocomidae)
  • Pakas (Agoutidae)
  • Sandgräber (Bathyergidae)
  • Baum- und Ferkelratten (Capromyidae)
  • Meerschweinchen (Caviidae)
  • Chinchillas und Viscachas (Chinchillidae)
  • Kammfinger oder Gundis (Ctenodactylidae)
  • Kammratten oder Tukotukos (Ctenomyidae)
  • Agutis und Acouchis (Dasyproctidae)
  • Pakaranas (Dinomyidae)
  • Stachelratten (Echimyidae)
  • Baumstachler (Erethizontidae)
  • Riesennager, Wasserschweine oder Capybaras (Hydrochoeridae)
  • Nutrias (Myocastoridae)
  • Degus oder Trugratten (Octodontidae)
  • Felsenratten (Petromuridae)
  • Rohrratten (Thryonomyidae)

die Familien der Mäuseverwandten:
  • Wühler (Cricetidae)
  • Springmäuse oder Springnager (Dipodidae)
  • Bilche (Gliridae)
  • Langschwanzmäuse (Muridae)
  • Stachelbilche (Platacanthomyidae)
  • Wurzelratten (Rhizomyidae)
  • Salzkrautbilche (Seleviniidae)
  • Blindmäuse (Spalacidae)
  • Hüpfmäuse und Streifenhüpfmäuse (Zapodidae)

und die Familien der Hörnchenverwandten:
  • Dornschwanzhörnchen (Anomaluridae)
  • Stummelschwanzhörnchen (Aplodontidae)
  • Biber (Castoridae)
  • Taschennager oder Taschenratten (Geomyidae)
  • Taschenmäuse (Heteromyidae)
  • Springhasen (Pedetidae)
  • Hörnchen (Sciuridae)

Systematik

Zur Familie der Stachelschweine (Hystricidae) gehören die Gattungen:

  • Kurzschwanz- oder mähnenlose Stachelschweine (Acanthion)
  • Quastenstachler (Atherurus)
  • eigentliche Stachelschweine (Hystrix)
  • Inselstachelschweine (Thecurus)
  • Pinselstachler (Trichys)

Gattung der eigentlichen Stachelschweine

Die Gattung der eigentlichen Stachelschweine (Hystrix) besteht aus 5 Arten:

Das Gewöhnliche oder Westafrikanische Stachelschwein (Hystrix cristata) erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 57-68 cm. Sein Verbreitungsgebiet reicht in Afrika von der Sahara bis zum Mittelmeerraum und an der Atlantikküste entlang über den Senegal bis in die Tropen. Auch in Europa ist es zu finden, allerdings nur in Mittel- und Süditalien und Sizilien. Das nachtaktive Gewöhnliche Stachelschwein kommt erst in der Dämmerung aus seinem Bau hervor. Es gibt sich dann keine Mühe, unbemerkt zu bleiben. Es schnaubt und grunzt geräuschvoll. Befindet sich das Tier in Gefahr, dann richtet es seine Stacheln auf, knurrt, faucht, stampft mit den Hinterläufen auf den Boden und rasselt mit seinen Schwanzstacheln. Wenn sich der Angreifer so nicht verjagen lässt, dann rutscht das Stachelschwein rückwärts oder seitwärts auf den Angreifer zu und stößt mit den Spießen. Einige Stacheln können dabei in der Haut des Angreifers stecken bleiben. Die Nahrung besteht aus Wurzeln, Früchten, Stängeln, Rinde und einige Kulturpflanzen. Die Paarungszeit liegt im April. Nach einer Tragzeit von 63-65 Tagen bringt das Weibchen 1-4 Junge zur Welt. Bei der Geburt sind die Stacheln weich. Nach etwa 60 Tagen werden die Jungen entwöhnt und mit 12 Monaten werden sie geschlechtsreif.

Die anderen 3 Arten sind in Aussehen und Lebensweise dem Gewöhnlichen Stachelschwein so ähnlich, dass man hier nichts weiter zu schreiben braucht, nur die Verbreitungsgebiete weichen teilweise ab. Das Weißschwanz-Stachelschwein (Hystrix leucura) lebt in der Türkei, Vorderasien und Indien. Das Afrikanische Stachelschwein (Hystrix galeata) lebt in großen Teilen Afrikas. Das Südafrikanische Stachelschwein (Hystrix africaeaustralis) lebt in den Wäldern und Savanne vom Senegal bis Südafrika. Es erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 71-84 cm und eine Schwanzlänge von 2,5 cm. Das Haarnasige Stachelschwein (Hystrix hirsutirostris) lebt vom Kaukasus und den Nord-Irak über Persien bis nach Indien und Turkestan. Es ist an der Nase und Schnauze sehr dicht behaart.

Gattung der Kurzschwanz-Stachelschweine

Die Gattung der Kurzschwanz- oder mähnenlose Stachelschweine (Acanthion) lebt im südlichen und südöstlichen Asien und ist dort mit 5 Arten vertreten. Sie haben vom Aussehen her große Ähnlichkeit mit den eigentlichen Stachelschweinen, nur dass die Kurzschwanzstachelschweine keine Nackenmähne haben. Außerdem haben sie ihre Stacheln nur auf dem Rücken und diese werden zur Seite hin auch immer kürzer. Aber auch sie haben die "Rasselbecher" am Schwanz, allerdings ist der Schwanz etwas kürzer. Die Kurzschwanzstachelschweine erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 72 cm und eine Schwanzlänge von 15 cm. Das Nepal-Stachelschwein (Acanthion hodgsoni) lebt in mittleren Höhen der Transhimalaja- und Himalaja-Region. Das Nepal-Stachelschwein lebt paarweise. Pro Jahr bringt ein Weibchen im Schnitt 2 Junge zur Welt. Die Tiere sind leicht zähmbar. Das Java-Stachelschwein (Acanthion javanicum) lebt in den Waldgebieten auf Java. Auch dieses Tier ist nachtaktiv und lebt paarweise. Die Wohnhöhle gräbt es selbst. Das Chinesische Stachelschwein (Acanthion subcristatum) lebt in Südostchina, das Kloss-Stachelschwein (Acanthion klossi) in Vietnam, Laos und Thailand und das Kurzschwanzstachelschwein (Acanthion brachyura) in Malaysia, auf Sumatra und Westborneo.

Gattung der Inselstachelschweine

Die Gattung der Inselstachelschweine (Thecurus) besteht aus 3 Arten. Sie besiedeln nur ein verhältnismäßig kleines Verbreitungsgebiet. Die Inselstachelschweine haben eine Ähnlichkeit mit den Kurzschwanzstachelschweinen. Allerdings ist der Kopf hier mehr abgerundet. Die Rasselbecher am Schwanzende sind nur klein. Die kräftigen Stacheln sind nur am Hinterrücken zu finden, der Kopf, Bauch und die Körperseiten tragen kürzere Borstenstacheln. Das Sumatra-Stachelschwein (Thecurus sumatrae) lebt im Norden von Sumatra und erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 54 cm und eine Schwanzlänge von 10 cm. Das Borneo-Stachelschwein (Thecurus crassispinis) lebt im Nordosten von Borneo und erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 66 cm und eine Schwanzlänge von 12 cm. Das Stachelkleid ist bei ihm innerhalb dieser Gattung am stärksten ausgebildet. Die Stacheln sind zwar kurz, haben aber einen Durchmesser von bis zu 8 mm. Das Zwergstachelschwein (Thecurus pumilis) ist die kleinste und wohl auch ursprünglichste Art dieser Gattung. Es erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 47 cm. Tagsüber hält sich das Zwergstachelschwein in Höhlen zwischen Steinen, Baumwurzeln oder unter umgestürzten Bäumen auf. Sie ernähren sich überwiegend vegetarisch. Kleintiere werden als Zusatzkost aber auch verzehrt.

Gattung der Quastenstachler

Die Gattung der Quastenstachler (Atherurus) leben in Wäldern im äquatorialen Afrika und Südasien. Es gibt insgesamt 4 Arten. Sie haben eine Kopf-Rumpf-Länge von 40-55 cm und eine Schwanzlänge von 15-25 cm. Auch sie sind nachtaktiv. Tagsüber halten sie sich in hohlen Bäumen, Felsspalten und ähnlichen Verstecken auf. Manchmal sind sie zu mehreren in diesen Unterschlüpfen. Sie klettern manchmal auf Bäume und können auch ziemlich schnell laufen. An den Pfoten haben sie Schwimmhäute, so können sie auch ziemlich gut schwimmen. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus heruntergefallenen Früchten, aber auch Insekten werden verzehrt. Die Arten sehen sich alle sehr ähnlich. Bei ihnen sind die Stacheln auf der Rückenmitte am längsten. Am Schwanzende haben sie eine Quaste aus Stacheln. Der Langschwanz-Quastenstachler (Atherurus macrourus) lebt in den Wäldern von Assam bis Malakka in Südostasien. Er erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 40-55 cm und eine Schwanzlänge von 15-25 cm. Der Westafrikanische Quastenstachler (Atherurus africanus) kommt, wie der Name schon sagt, in Westafrika vor.

Gattung der eigentlichen Pinselstachler

Zur Gattung der Pinselstachler (Trichys) gehören 3 Arten. Sie sehen wie eine mächtige Ratte mit stacheligem Fell aus. Der Schwanz ist dick und hat am Ende eine Quaste. Das Stachelkleid ist allerdings nicht so ausgeprägt, wie bei den eigentlichen Stachelschweinen. Die Stacheln sind abgeflacht und vergleichsweise kurz. Die Pinselstachler haben eine Kopf-Rumpf-Länge von etwa 42 cm. Die Oberseite des Körpers ist bräunlich, die Unterseite weißlich. Sie leben in Wäldern und sind ebenfalls nachtaktiv. Tagsüber halten sie sich in Höhlen verborgen. Die Füße sind breit und haben starke Krallen. Damit können die Pinselstachler gut klettern. Die Nahrung besteht überwiegend aus Früchten und Blättern. Aber auch Kleintiere werden hin und wieder verzehrt. Der Schwanz der Pinselstachler kann leicht abbrechen. Der Malaiische Pinselstachler (Trichys fasciculata) lebt in den Wäldern von Malakka, Sumatra und Borneo und erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 28-47 cm und eine Schwanzlänge von 17-23 cm. Der Borneo-Pinselstachler (Trichys lipura) kommt nur auf Borneo vor.


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