Informationen Schwielensohler

wissenschaftlicher Name: Tylopoda. Schwielensohler sind eine Unterordnung der Paarhufer


Infos zu den Schwielensohlern

  • Ordnung: Paarhufer, Klauentiere, Spreizzeher oder Spalthufer (Artiodactyla)
  • Unterklasse: Echte oder Höhere Säuger (Eutheria)
  • Klasse: Säugetiere (Mammalia)
  • Unterstamm: Kiefertiere (Gnathostomata)
  • Stamm: Chordatiere, Rückensaitentiere (Chordata)
  • Unterabteilung: Neumundtiere (Deuterostomia)
  • Bilateria

Allgemeines

Die Unterordnung der Schwielensohler besteht nur noch aus einer Familie, die Kamele i.w.S. (Camelidae). Das erste Auftreten war vor etwa 40-50 Millionen Jahren in Nordamerika. Vor etwa 2 Millionen Jahren kamen sie dann auch in die Alte Welt. Während der Eiszeit kamen dann die Lamaartigen nach Südamerika. Heute gibt es keine Schwielensohler mehr in Nordamerika.

An den Füßen befinden sich jeweils nur 2 Zehen, die keine Hufschalen, sondern gebogene Nägel tragen. Diese Nägel schützen die Vorderkante der Füße. Die beiden ersten Zehenglieder ruhen auf einem elastischen Polster aus Bindegewebe, das als breite Sohlenfläche aufgesetzt wird. Die Mittelhand- und Mittelfußknochen sind jeweils miteinander zu einem sogenannten Kanonenbein verwachsen. Die Unterarmknochen sind teilweise miteinander verwachsen. Am Schienbein sind noch Wadenbeinreste vorhanden.

Nur im Milchgebiss sind im Oberkiefer insgesamt 6 Schneidezähne vorhanden, im bleibenden Gebiss sind es nur die beiden äußeren Schneidezähne. Die Eckzähne und die ersten Vorbackenzähne sind hakenförmig gebogen. Die Backenzähne haben Höcker, die säulenförmig verlängert sind, und sind von einer Zahnzement-Schicht überzogen.

Schwielensohler sind Wiederkäuer. Der Magen besteht aus Pansen, Netz- und Labmagen. Die Schlundrinne ist primitiv. Schwielensohler haben Wasserzellen, in denen Wasser und Verdauungssäfte gespeichert werden, um trockene Perioden, in denen es kaum Wasser gibt, zu überstehen.

Da die Schwielensohler Passgänger sind, haben sie keine Spannhaut zwischen Rumpf und Oberschenkel. Dadurch wirken gerade die Kamele besonders hochbeinig. Der Hals ist lang und sehr beweglich.

Bei Kämpfen oder bei großer Erregung spucken nicht nur die Lamas, sondern auch die Kamele einen Speichelstrahl auf ihren Gegner und können ihr Ziel dabei auf 2-3 m Entfernung noch recht genau treffen. Es kann auch vorkommen, dass dabei der Panseninhalt ausgespuckt wird.

Verbreitung

Die Gattung der Lamas lebt überwiegend in den Anden in Südamerika, die Gattung der Kamele in Nordafrika, Südwestasien und im Himalaja.

Fortpflanzung

Im Gegensatz zu den meisten anderen Säugetieren wird während der Trächtigkeit kein Mutterkuchen gebildet. Der Stoffaustausch zwischen Muttertier und dem Jungen in der Gebärmutter findet über die gesamte Außenwand der Embryonalhüllen statt. Es wird immer nur ein Junges geboren, welches nicht trockengeleckt wird.

Verwandtschaft

Schwielensohler gehören zur Ordnung der Paarhufer (Artiodactyla)
dazu gehören auch die Unterordnungen:

  • Wiederkäuer (Ruminantia)
  • Schweineverwandte oder Nichtwiederkäuer (Suiformes)

Systematik

Zur Unterordnung der Schwielensohler (Tylopoda) gehört nur eine Familie, Kamele i.w.S. (Camelidae) mit den Gattungen:

  • Kamele i.e.S., Altwelt- oder Großkamele (Camelus)
  • Lamas (Lama)

Gattung Kamele

Die Gattung der Kamele i.e.S., Altwelt- oder Großkamele (Camelus) kommt nur in Teilen der Alten Welt vor. Das Wildkamel (Camelus ferus) ist äußerst selten und lebt nur noch in kleinen Restbeständen in Ostturkestan und der Westmongolei.

Das Dromedar oder Einhöckerige Kamel (Camelus dromedarius) erreicht eine Schulterhöhe von 2,3 bis 2,5 m, eine Kopf-Rumpf-Länge von 2,2 bis 3,4 m, eine Schwanzlänge von 50-70 cm und ein Gewicht von 450-650 kg. Es lebt ausschließlich in Arabien und im Randgebiet der Sahara. Es ist hochbeinig, der Rumpf ist länglich-rund und der Hals ist lang und nach unten durchgebogen. Wie der Name schon sagt, hat dieses Kamel nur einen Höcker. Das Innere des Höckers besteht aus Fett- und Bindegewebe. Das Reservefett im Höcker kann durch Sauerstoffaufnahme teilweise in Wasser umgewandelt werden. Das Fell ist kraus, wollig und meistens braun. Es gibt aber alle möglichen Übergänge zwischen weiß und schwarz. Die Oberlippe ist gespalten und die verschließbaren Nasenlöcher schlitzförmig. Eine Drüse befindet sich im Nacken. Vor allem bei brünstigen Hengsten sondert diese Drüse ein schmieriges, übel riechendes Sekret ab. Diverse Hornschwielen befinden sich auf dem Brustbein, an Ellenbogen, Handwurzel, Ferse und Knie. Das Dromedar wird bis zu 2,3 m hoch und bis zu 500 kg schwer. Dromedare leben in den heißen Wüsten und in Halbwüsten Nordafrikas, Arabiens und Teilen Mittelasiens. Die extremen Temperaturschwankungen der Wüsten (heiße Tage, Winternächte) machen den Tieren nichts aus, sie fördern sogar das Wohlbefinden. Dromedare können bei kühlem Wetter und saftiger Nahrung wochenlang ohne Wasser auskommen. Sie können aber Wasser auf großer Entfernung wittern. Wenn sie dann Wasser wittern, laufen sie blindlings auf die Wasserstelle zu, und saufen dann 100 bis 150 Liter. Auf feuchtes Klima reagieren Dromedare empfindlich. Ein Reitkamel ist sehr ausdauernd, es kann stundenlang traben. Es trägt seinen Reiter pro Tag bis zu 80 kg weit. Lastkamele schaffen mit etwa 150 kg Lasten auch noch 50 km am Tag. Der Durchschnitt liegt aber nur bei ca. 20 km. Auf kurzen Strecken können die Lastkamele sogar bis zu 400 kg tragen. In der Paarungszeit, Januar bis März, werden die Hengst aggressiv. Sie kämpfen mit ihren Rivalen und werden dem Menschen gegenüber bissig. Außerdem erzeugen sie einen schaumigen Speichel, der um das Maul klebt und bei plötzlicher Bewegung durch die Gegend fliegt. Nach einer Tragzeit von 12 Monaten dann, bringt das Weibchen ein Junges zur Welt. Bereits kurz nach der Geburt steht das Fohlen und kann der Mutter folgen. Etwa ein Jahr lang wird das Fohlen dann gesäugt. Mit etwa 3-4 Jahren werden Dromedare geschlechtsreif, sie erreichen ein Alter von 30-40 Jahren. Die Nahrung der Dromedare besteht aus harten, dornigen Pflanzen wie harte Gräser und den verschiedenen Akazienarten.

Das Trampeltier oder Zweihöckerige Kamel (Camelus bactrianus) erreicht eine Schulterhöhe von 2,3 bis 2,5 m, eine Kopf-Rumpf-Länge von 2,5 bis 3 m, eine Schwanzlänge von 55-70 cm und ein Gewicht von 450-650 kg. Es lebt in den Kältesteppen Innerasiens. Das Trampeltier ist etwas stämmiger und wuchtiger als das Dromedar und es hat zwei Höcker, deren Inneres aus Fett besteht. Junge, gesunde Tiere haben aufrechtstehende Höcker, Kranke, abgemagerte oder ältere Tiere erkennt man dagegen an den umgekippten oder schlaffen Höckern. Das Fell ist kraus, lang und wollig und meistens dunkelbraun. Es gibt aber auch rötlichbraune und weiße Tiere vor. Im Frühjahr findet ein Fellwechsel statt, dabei löst sie der Behang in großen Fetzen. Das neue Fell ist kurz, dadurch wirkt das Trampeltier fast nackt. Die Sohlenfläche ist breiter als beim Dromedar. Trampeltiere kommen mehrere Tage ohne Wasser aus. Sie trinken häufig das brackige Wasser der Steppenseen. Das Trampeltier deckt seinen hohen Salzbedarf and den Salzflächen ausgetrockneter Seen. Das Trampeltier wird vom Menschen als Lasttier eingesetzt. Mit einem Lastgewicht von 250 kg kann das Tier 30-40 km pro Tag zurücklegen. Auch die Hengste der Trampeltiere kämpfen während der Paarungszeit, Februar bis April, miteinander. Zur eigentlichen Paarung legt sich die Stute hin. Der Deckakt kann bis zu einer halben Stunde dauern. Dann nach einer Tragzeit von 13 Monaten bringt das Weibchen ein Junges zur Welt. Trampeltiere werden mit etwa 4 Jahren geschlechtsreif. Die Nahrung besteht aus trockenen, harten, dornigen Pflanzen.

Gattung Lamas

Die Gattung der Lamas (Lama) lebt in großen Höhen oder in kalten Steppen in den Anden. Sie sind kleiner als die Kamele i.e.S. und haben keine Höcker. Auch haben sie keine Sohlenpolster, die Zehen sind stärker voneinander getrennt als bei den Kamelen. Das Haarkleid ist wollig und hat einen geringen Grannenanteil.

Der Guanako oder Huanako (Lama guanicoë) erreicht eine Widerristhöhe von 120 cm, eine Kopf-Rumpf-Länge von 120-170 cm, eine Schwanzlänge von 25 cm und ein Gewicht von 90 kg. Es ist schlank und hochbeinig. Die Ohren sind lang und spitz und werden meistens aufrecht gehalten. Die Oberseite und die Flanken sind rotbraun, die Unterseite und die Rückseite der Gliedmaßen setzen sich deutlich ab und sind weißlich. Das Gesicht ist dunkelgrau bis schwarz. Der Rücken und der Schwanz sind wollig behaart. Bewohnt werden Grasfluren und Geröllhalden von der Schneegrenze bis zu den kalten, windigen Pampas Patagoniens und den Inseln an der Südspitze Südamerikas, wie z.B. Feuerland. Trockene Gegenden sind bevorzugter Lebensraum des Guanakos. Es gibt zwei Arten von Herden, die eine Herde wird von jüngeren Hengsten gebildet und kann bis zu 30 Tiere umfassen, die andere besteht aus einem Leithengst und 4 bis 10 Stuten mit ihrem Nachwuchs. Bei leichter Gefahr zieht sich die Herde im Gänsemarsch zurück, bei großer Gefahr flüchtet sie in einem stürmischen Zickzack-Lauf, wobei die Guanakos die steilen Hänge aufsuchen. Die tagaktiven Tiere gehen in den Morgen- und Abendstunden zum Trinken an die Gewässer. Guanakos spucken sich im Kampf gegenseitig an. Bei einem heftigen Kampf umschlingen sie sich gegenseitig mit den Hälsen und versuchen sich gegenseitig in die Vorderbeine zu beißen. Der Guanako hat neben dem Menschen und den Hunden auch natürliche Feinde, nämlich die Pumas. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Gräsern, des Weiteren aus Moos und Kräutern. Die Paarungszeit fällt in den Frühling. Die Hengste kämpfen um die Weibchen. Der Deckakt dauert dann bis zu einer halben Stunde. Nach einer Tragzeit von 11 Monaten bringt das Weibchen 1 Junges zur Welt, das schon kurz nach der Geburt stehen kann. Am 2. Lebenstag kann es der Mutter folgen. Selten kommen auch mal 2 Junge zur Welt. Guanakos erreichen ein Höchstalter von 25 Jahren.

Das Lama oder Llama (Lama guanicoë glama) ist eine Zuchtrasse, die aus dem Guanako entstanden ist. Allerdings wird das Lama größer und schwerer. Es erreicht eine Widerristhöhe von etwa 130 cm und ein Gewicht von 120 kg. Als Farbvarianten kommen Braun und Weiß in verschiedenen Farbtönen vor. Gescheckte Tiere sind nicht selten. Das Fell ist lang, grob und wollig. Die Ohren sind lang und an der Spitze abgerundet. Das Lama ist eigentlich eine Haustierrasse aus Peru. Hengste, die älter als 3 1/2 Jahre sind werden als Packtiere eingesetzt. Sie können bis zu 50 kg tragen und erreichen bis zu 20-30 km am Tag. Auch in unwegsamem Gelände kommen sie gut vorwärts. Die Stuten und Jungtiere werden halbwild auf Weiden gehalten. Aus der Wolle der Lamas werden Matten, Stricke und Ponchos hergestellt. Das Fleisch soll sehr gut schmecken. Der Dung wird getrocknet und eignet sich besonders gut als Brennmaterial.

Das Alpaka oder Paco (Lama guanicoë pacos) entstammt ebenfalls aus dem Guanako. Es erreicht aber nur eine Widerristhöhe von 110 cm und ein Gewicht von 70 kg, ist somit kleiner und zierlicher als der Guanako. Das Fell ist wollig und gewellt. Die Farbe reicht von schwarz, grau, braun, weiß, bis gescheckt. Auch das Alpaka ist eine Haustierart. Die Qualität der Wolle ist sehr gut und wird zum Herstellen von Decken und Mänteln verwendet. Alle 2 Jahre wird das Alpaka geschoren. Gehalten werden diese Tiere in den Hochgebirgslandschaften von Ecuador, Peru und Bolivien.

Das Vikunja oder Vicugna (Lama vicugna) erreicht eine Widerristhöhe von etwa 100 cm, eine Kopf-Rumpf-Länge von 140-160 cm, eine Schwanzlänge von 15 cm und ein Gewicht von 60 kg. Der Kopf ist kürzer als beim Guanako. Der Rücken ist rötlichgelb, der Bauch weißlich. Am Halsansatz befindet sich eine Brustmähne mit einer Länge von 12-30 cm. Das Fell ist wollig, gekräuselt und feiner als die der anderen Lamaarten. Der Lebensraum sind die Hochanden. Das Vikunja lebt in Höhen zwischen 3500 und 5000 m. Vikunjas bilden kleine Rudel. Ein Rudel besteht aus einem Leithengst und bis zu 15 Stuten. Junghengste bilden Herden von 20-50 Tieren. Die Nahrung besteht aus Gräsern und breitblättrigen Kräutern. Die Hengste der Vikunjas haben während der Paarungszeit unter den Lamaartigen die schwersten Kämpfe untereinander. Dabei kann es zu ernsthaften Bissverletzungen kommen. Nach einer Tragzeit von 10 Monaten bringt das Weibchen 1 Junges zur Welt. Bereits am 2. Lebenstag folgt es der Herde. Das Vikunja steht heute unter Schutz, weil es stark gefährdet ist. Leider wird es aber trotzdem noch gejagt, weil das Fleisch und Fell hoch bewertet werden.


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